Max Faber jubelt über seinen Treffer - und trägt als Kapitän noch mehr Verantwortung.
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Max Faber jubelt über seinen Treffer - und trägt als Kapitän noch mehr Verantwortung.

Eishockey

DEL2: Der dienstälteste Spieler der Löwen Frankfurt als neuer Kapitän

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Zum starken Löwen-Start in die DEL-2-Runde trägt Max Faber seinen Teil bei. Als Torschütze, wie schon so oft, und nun auch als Kapitän.

Frankfurt -Auch Eishockeyprofis arbeiten manchmal am Computer, sogar an eigentlich freien Tagen. Wie nach jeder Partie üblich hatte das Trainerteam jedem Spieler einen Link geschickt, zu einem Video mit den ganz persönlich zugeschnittenen Eiszeiten eines jeden Frankfurter Löwen, und so fuhr Max Faber am Montag seinen Rechner zur individuellen Nachbereitung hoch. "Ich mache das gerne. Da kann man immer etwas mitnehmen und genau sehen, was gut und was schlecht war", erklärt der neue Kapitän des Aufstiegsanwärters aus der zweiten Klasse. Zufrieden? "Mit dem ersten Drittel überhaupt nicht, das zweite und dritte Drittel waren in Ordnung. Aber da ist noch Luft nach oben."

Das mag für alle Löwen gelten, nach einem ersten Heimspiel, das aus Frankfurter Sicht allerdings auch so schon sehr erfreulich war, und das ganze erste Wochenende der neuen DEL-2-Saison umso mehr. Dem 5:3 gegen den ESV Kaufbeuren vom Sonntagdaheim am Ratsweg, nach über eineinhalb Coronajahren ohne Publikum endlich wieder vor eigenen Fans, war schließlich ein noch überzeugenderes 3:0 zum Auftakt beim EHC Freiburg am Freitagabend vorausgegangen. Viel besser als mit einem solchen Sechs-Punkte-Doppelpack und abgesehen von den Ergebnissen auch verheißungsvollen Auftritten hätte der nächste Anlauf zum Traumziel DEL kaum beginnen können.

"Das", sagt Faber über den Freiburg-Besuch, "war ein sehr, sehr guter Start". Sehr diszipliniert gespielt, sehr geschlossen verteidigt: "Ich hatte nach unserer Führung nicht das Gefühl, dass Freiburg das noch drehen kann." Und das zeichne eine gute Mannschaft aus: Dass jeder den Teamerfolg über eigene Interessen stelle.

Dabei ist dieser Frankfurter Kader eine Mischung aus elf alten und elf neuen Löwen, die naturgemäß noch mitten im Zusammenfindungsprozess stecken - zumal die Vorbereitung schwierig war, gestört von mehreren Coronafällen im Team, die auch Test-Ausfälle zur Folge hatten. "Da fehlen uns ein paar Spiele und Trainingseinheiten", meint Faber.

Gegen Kaufbeuren traten dann schon ein paar Probleme mehr auf, doch die Löwen kriegten die Kurve. "Im ersten Drittel hat keiner gut gespielt", sagt Faber, "Aber wir haben uns in der Kabine noch bevor die Trainer reinkamen schon gesagt: Wir müssen einfacher spielen und mehr zusammen." Tatsächlich war es danach ein anderes Spiel.

Bei solchen Gelegenheiten könnte der 28-Jährige, gebürtig aus Hagen, künftig noch mehr gefordert sein. In seinem fünften Löwen-Jahr ist Max Faber, vorher schon ein Führungsspieler, zum Kapitän erkoren worden. "Das ist eine unglaubliche Ehre für mich, aber auch eine große Verantwortung", sagt er. "Ich habe hier selbst im ersten Jahr Pat Jarrett und dann drei Jahre Adam Mitchell als Kapitäne erlebt. Das sind echte Vorbilder. Wie sie jeden Tag in die Halle gegangen sind, wie sie Sachen in der Kabine angesprochen haben: Da habe ich in den letzten Jahren einiges lernen können. Jetzt versuche ich das umzusetzen." Wobei, betont Faber, es im Kader viele erfahrene Spieler gebe, die ebenfalls das Wort ergreifen würden - und er sich auch mal zurückhalten könne. Wie am Sonntag in der ersten Pause Kyle Sonnenburg, Carson MacMillan oder Dylan Wruck, einig war man sich ohnehin - und am Ende erfolgreich.

Für den dienstältesten Löwen ist es wie für die anderen Spieler und den ganzen Club ein Neustart. Die vorige Saison mit vielen Corona- und anderen Problemen, mit dem vorerst geplatzten Aufstiegstraum, die für Faber selbst besonders schwierig war, weil ihn ein Knorpelschaden im Knie lange zum Zuschauen zwang, ist abgehakt, zumal: "Wir hatten einen großen Umbruch und haben viele frische Gesichter."

Es ist eine routinierte Mannschaft, deren größte Stärke der Verteidiger freimütig den offensiven Kollegen zugesteht: "Wir haben viele kreative Spieler, denen man einen gewissen Freiraum geben sollte, damit sie sich entfalten können." Wobei gegen Kaufbeuren drei Verteidigertore nötig waren: Faber selbst und Kevin Maginot trafen in Überzahl, Bobby Raymond aus dem Spiel heraus. "Die Trainer predigen immer, dass wir als Verteidiger uns auch vorne einschalten sollen", berichtet Max Faber, "Bobbys Tor war das perfekte Beispiel dafür."

Dass es hingegen in der eigenen Abwehr bisweilen noch an Entschlossenheit fehle, dass man die Scheibe auch über Pässe oder einfachere Klärungsversuche noch zielstrebiger aus der defensiven Zone bringen müsse, sind für ihn Baustellen der nächsten Zeit. "Aber da mache ich mir keine Sorgen, das kommt schon", sagt Max Faber. "Wir haben jetzt wieder zwei Spiele mehr Videomaterial, die Trainer werden uns da einiges zeigen können. Das wird in Kassel schon eine Stufe besser sein."

Am Freitag (19.30 Uhr) steht zum dritten Spieltag das Hessenduell an, bei den Huskies, die ganz anders als die Löwen einen Fehlstart mit zwei Niederlagen hingelegt haben, und das so vielleicht sogar noch brisanter als sonst ohnehin schon ist. Den einen oder anderen Anschauungsunterricht wird es für Max Faber und Co. bis dahin noch geben, ob daheim am Computer oder ganz gewiss auf dem großen Bildschirm in den Katakomben am Ratsweg.

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