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Der Mitchell-Effekt

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Zurück im Löwen-Einsatz: Adam Mitchell ist gleich wieder eine Gefahr für gegnerische Tore.
Zurück im Löwen-Einsatz: Adam Mitchell ist gleich wieder eine Gefahr für gegnerische Tore. © Patrick Scheiber/Jan Huebner

Zum Comeback ihres ehemaligen Kapitäns legen die Löwen eine kleine Serie hin. Mit Adam Mitchell könnte ein zuvor noch fehlendes Puzzlestück gefunden sein.

Frankfurt -Noch straffer könnte der Terminplan zum Comeback kaum sein. Drei Partien innerhalb von fünf Tagen hat Adam Mitchell nun schon hinter sich, am Montag werden es sechs in elf sein. Statt einer langsamen Wiedereingewöhnung nach einer ewigen Zwangspause erfolgt diese Rückkehr in den Spielbetrieb im Schnelldurchgang - was wiederum genau nach seinem Geschmack ist. "Ich bin Eishockeyspieler, ich will Spiele spielen, so oft wie möglich", sagt der ehemalige Kapitän der Frankfurter Löwen grundsätzlich und leidenschaftlich, und ganz ernst zu nehmen ist der augenzwinkernde Nachschub mit Blick auf den langen Endspurt in der DEL-2-Hauptrunde da auch nicht: "Wenn du Ende Februar noch mal fragst, gebe ich vielleicht eine andere Antwort."

Tatsächlich ist dem 39-jährigen Deutsch-Kanadier gerade anzumerken, wie sehr er es genießt, wieder auf dem Eis zu sein, endlich. Zumal es viel besser ja auch nicht hätte beginnen können. Drei Spiele, drei Siege, selbst sechs Vorlagen beigesteuert - die ersten beiden in den ersten kaum fünf Minuten am Freitagabend gegen Freiburg. "Das hat mich auch überrascht", sagt Mitchell, "aber wenn ich mit Spielern der Qualität von Wruck und Schwartzy spiele, muss ich gar nichts Besonderes machen. Ich muss ihnen nur die Scheibe geben und vors Tor gehen."

So einfach kann es gehen, in aller Bescheidenheit. Offenbar aber tut Mitchell den alten und neuen Kollegen umgekehrt auch gut, im Allgemeinen und Speziellen. Die immer wieder schwankenden Löwen jedenfalls überzeugten beim 6:0 gegen Freiburg und beim 8:2 gegen Bayreuth vollauf, und zwischendrin gab es beim 5:3 in Heilbronn weniger Glanz, aber auch immerhin alle drei Punkte. Und seine Sturmpartner Rylan Schwartz und Dylan Wruck haben in dieser Form schon länger nicht mehr auftrumpfen können.

"Adam spielt clever und hat eine große spielerische Klasse, das kann er in dieser Reihe einbringen und mit seiner Führungsstärke auch in Situationen helfen, wo es mal etwas schwieriger wird", meint Sportdirektor Franz-David Fritzmeier in Bezug auf das neuformierte deutsch-kanadische Löwen-Trio, Headcoach Bo Subr beschreibt den Mitchell-Effekt auf die ganze Mannschaft ähnlich: "Adam ist ein guter und kluger Spieler, der viel Erfahrung mitbringt. Er kann Dinge in der Kabine proaktiv ansprechen und so beruhigen, er hilft uns offensiv, defensiv und mit seiner Führungsstärke. Es ist großartig, ihn wieder dabei zu haben."

Natürlich ist die kleine Serie zum Comeback ganz bestimmt nicht das alleinige Verdienst des Rückkehrers, aber möglicherweise ist mit Mitchell zumindest eines der noch fehlenden Puzzleteile gefunden. Ähnlich wie mit Brett Breitkreuz und Nathan Burns, nach inzwischen je acht Spielen zunehmend besser in Schwung. Auch wenn beide wie Mitchell vor ihrer Löwen-Verpflichtung auch lange ohne echte Einsätze waren und daher ebenfalls nicht vor in solchen Neustart-Fällen nicht unüblichen Leistungsdellen gefeit sind. Die Frankfurter Verantwortlichen wissen darum und dosieren entsprechend die Belastungen. Trainer Subr setzt Mitchell, der seit seinem Einstieg ins Eistraining Anfang Dezember sorgsam aufgebaut wurde, beispielsweise vorläufig noch nicht in den Special Teams in Überzahl und Unterzahl ein, das findet auch der Betroffene selbst sinnvoll, bei aller Spiellust. Gerade bei den vielen in den nächsten Wochen anstehenden Terminen könnten Breitkreuz, Burns und Mitchell auch immer mal Kandidaten für eine Schonzeit sein. Die Anfänge aber sind gemacht und so weit recht verheißungsvoll. "Man merkt, dass einige Spieler mehr Spielpraxis haben und dass die Reihen langsam Harmonie finden", sagt Fritzmeier über das Gesamtbild.

Für Mitchell selbst hängt der Erfolg so oder so nicht am Einzelnen, sondern an der versammelten Löwen-Stärke. "Unsere große Stärke ist die Tiefe im Kader. Wir haben viele Spieler, viele gute Spieler und viele verschiedene Spielertypen", sagt er. Gerade in der Terminhatz bis zum Hauptrunden-Ende kann das helfen, in den über Meisterschaft und Aufstieg entscheidenden Play-offs auch. "Wir können die Meisterschaft holen, wir haben die Spieler dazu", folgert Mitchell.

Die größte Herausforderung? "Wir müssen konstanter spielen", sagt er. Über 60 Minuten, Tage und Wochen hinweg. Die nächsten Termine am Donnerstag mit dem zuletzt schwer aufkommenden EV Landshut diesen Donnerstag (19.30 Uhr) und das Doppel-Date mit den Kassel Huskies am Samstag daheim und am Montag auswärts sind dabei Prüfsteine.

Für ihn persönlich geht es bei dem ganzen Unterfangen auch darum, eine Mission zu erfüllen. "Ich bin 2018 hierhergekommen, um den Aufstieg zu schaffen. Dass wir das letztes Jahr nicht geschafft haben, ist richtig schade. Deshalb habe ich so hart gearbeitet, um zurückzukommen und meinen Teil dazu beigetragen", erklärt Mitchell. Die vergangene Saison, ausgerechnet die, in der sich endlich das Tor in die erstklassige DEL wieder öffnete, war eine gebrauchte, von Anfang bis zum Ende, für ihn wie für die ganzen Löwen.

Seine schwere Schulterverletzung Mitte März war ein Tiefschlag für die Frankfurter Ambitionen, mit dem unglücklichen Viertelfinal-Aus platzten später alle Aufstiegsträume, fürs Erste. Nun aber ist Adam Mitchell zurück und bereit für den nächsten Anlauf zum Traumziel. "Jetzt", sagt er, "müssen wir abliefern".

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