Rassiges Derby: Bad Nauheims Kevin Schmidt (links) und Löwen-Stürmer Tomas Sykora.
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Rassiges Derby: Bad Nauheims Kevin Schmidt (links) und Löwen-Stürmer Tomas Sykora.

Eishockey

Derby mit schlechtem Löwen-Ende

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Frankfurt verliert gegen den EC Bad Nauheim mit 2:3 und kassiert damit nach dem Sieben-Siege-Superstart die zweite Niederlage in Folge.

Frankfurt -Es sollte nicht sein. Vier Sekunden standen noch auf der Anzeigetafel, als Max Fabers Schuss an die Latte klatschte, kurz danach war Schluss. Das Nachbarschafts-Krimi mit dem EC Bad Nauheim hatte kein gutes Ende für die Frankfurter Löwen: Der Spitzenreiter der DEL 2 verlor am Freitagabend mit 2:3 (1:1, 1:1, 0:1) gegen den Besuch aus der nahen Wetterau, und die Party in der nach über eineinhalb Corona-Jahren ohne Zuschauer erstmals wieder richtig vollen Eissporthalle am Ratsweg ging vor dem Gästeblock ab: Die Roten Teufel feierten mit ihren Anhängern. Offiziell 6002 Zuschauer waren es insgesamt - und die allermeisten darunter, die es mit den Löwen hielten, durften sich zwar über Derbystimmung mit Krimifaktor freuen, aber mit dem Ergebnis weniger zufrieden sein.

"Es gab nach unserem frühen Tor zu viel Auf und Ab, wir waren nicht konstant genug. Da müssen wir besser sein", kritisierte der Frankfurter Headcoach Bo Subr, während sein Bad Nauheimer Gegenüber Harry Lange aus dem Schwärmen gar nicht herauskam. "Das war ein richtig gutes Eishockeyspiel von zwei starken Mannschaften", urteilte der EC-Trainer. "Das war eine überragende Teamleistung von uns. Am Ende hatten wir ein bisschen Glück. Aber das brauchst du auch gegen eine Mannschaft, die das Beste ist, was die Liga zu bieten hat."

Das Nachbarschaftstreffen hatte mit einer Viertelstunde Verspätung begonnen. Weil eine kaputte U-Bahn den Anreiseverkehr blockierte, wurde noch ein wenig auf die davon betroffenen Fans gewartet, am Einlass stauten sich obendrein lange Schlangen. Allen, die es dann in die Halle geschafft hatten, wurde geboten, was so ein Derby ausmacht. Volle Ränge, beste Stimmung - und ein munterer, hitziger Schlagabtausch auf dem Eis, vom ersten Bully an. Kapitän Max Faber glückte mit einem gezielten Schuss aus mittlerer Distanz schon in der zweiten Minute das 1:0, direkt vor den Steh-Stammplätzen der besonders treuen Löwen-Anhänger, da explodierte die Fankurve zum ersten Mal, doch so blieb es nicht lange: Jordan Hickmott glich in der sechsten Minute aus, nach einer feinen Kombination der Gäste.

Dazwischen und danach ging es hin und her, auch die Goalies Jake Hildebrandt im Frankfurter Tor und Felix Bick im Tor der Bad Nauheimer waren bei den flotten Wechseln beider Mannschaften zwischen Verteidigung und Torschussversuchen schwer beschäftigt. "Es war ein hartes erstes Drittel. Wir hatten ein paar Chancen, aber mussten auch zwei Unterzahlsituationen überstehen", fasste Tomas Sykora in der ersten Pause beim Onlinesender Sprade-TV zusammen und folgerte: "Wir müssen unser Bestes geben, um zu gewinnen." Erst einmal allerdings trafen wieder die Roten Teufel, durch Fabian Herrmann (23.). Sollten die Frankfurter, die am achten Spieltag gerade erst ihre erste Saisonniederlage kassiert hatten, gleich die zweite folgen lassen? Sie traten entschlossener auf als am Sonntag zuvor beim 1:5 in Bayreuth, doch so leicht und locker wie bisweilen bei ihrem Sieben-Siege-Superstart liefen die Kombinationen nicht.

Die engagierten und gut organisierten Bad Nauheimer machten ihnen aber auch das Leben schwer. Die Löwen stürmten auf den Ausgleich, der Pierre Preto (28.) bald gelang, und nahmen Bick weiter unter Beschuss. Doch auch ihr Schlussmann Hildebrand musste bei Vorstößen der EC-Topscorer Taylor Vause und Tristan Keck glänzen.

Die Begegnung war so nicht nur ein würdiges Derby, sondern wurde auch ihrem Status als Spitzenspiel zwischen Tabellenerstem - und drittem gerecht. Zwischenzeitlich haderten die Löwen mit Schiedsrichterentscheidungen, von den Rängen flog zum Ausdruck dieses Unverständnisses der Frankfurter Tradition folgend ein Gummihuhn aufs Eis - auch das hatte es zuletzt in der Vor-Corona-Zeit gegeben.

Die Entscheidung für Bad Nauheim fiel dann ausgerechnet im Frankfurter Powerplay: Vause vollendete einen Konter, vorbereitet von den früheren Löwen Eric Stephan und Mick Köhler. "Solche Tore in Überzahl dürfen wir nicht zulassen", ärgerte sich Subr. Für die aktuellen Löwen wurde es so ein unglücklicher Abend. Sie mühten sich noch um den erneuten Ausgleich, doch Bad Nauheim verteidigte verbissen, und ihrem bislang so torgefährlichen Angriff mangelte es manchmal an Präzision - und Pech kam auch hinzu. Erst traf Kevin Maginot die Latte, dann Faber, danach war die zweite Niederlage besiegelt.

Lange Zeit zum Klagen ist nicht, dafür aber nun langsam wieder Zeit für eine Trendwende: Am Sonntag (17 Uhr) steht das nächste Spitzenspiel bei den zweitplatzierten Eispiraten Crimmitschau an, Stürmer Yannick Wenzel hatte dafür eine einfache Losung: "Das Spiel gewinnen wir halt."

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