+
Auf dem Weg ins Löwen-Glück: David Suvanto gelingt der Frankfurter Siegtreffer. foto: hübner

Eishockey

Dreieinhalb Minuten bis zur Löwen-Erlösung

  • schließen

Gegen Freiburg setzen die Frankfurter Löwen in der Extraschicht ihre Siegesserie fort. Ein Platz im Viertelfinale der DEL2 ist ihnen jetzt schon sicher.

Frankfurt-Bis zur Erlösung dauerte die Extraschicht genau drei Minuten 28 Sekunden. So lange war bei der notwendigen Zugabe am Sonntagabend gespielt, fast dreieinhalb Zeigerumdrehungen, als David Suvanto plötzlich so frei war, den Puck ins Gehäuse der Freiburger Wölfe zu dreschen - und die Stimmung in der Eissporthalle am Ratsweg noch einmal so richtig hochkochte, wie üblich bei diesen Gelegenheiten. Mit dem 5:4 (1:1, 2:3, 1:0/1:0) nach Verlängerung feierten die Frankfurter Löwen vor 4798 Zuschauern ihren achten Sieg in Serie, festigten auch ihren gerade errungenen zweiten Tabellenplatz in der DEL 2 - und buchten ebenso wie die nun einen Rang hinter ihnen geführten Freiburger das Viertelfinale: Der dafür notwendige Verbleib unter den besten Sechs ist beiden Clubs vier Spieltage vor Ende der langen Hauptrunde nicht mehr zu nehmen.

Im Frankfurter Abwärtstrend der November - und ersten Dezemberwochen war im besorgten Umfeld hier und da gar um die nun vorzeitig sichere Teilnahme an den Play-offs gefürchtet worden. Inzwischen grüßen die Löwen wieder aus vertrauten Spitzenregionen, und einen besonderen Härtetest haben sie auch bestanden. An einem Wochenende mit Play-off-Charakter, zum Abschluss von fünf Spielen in zehn Tagen, mit zwei Partie gegen den gleichen Gegner, auf einem zumindest für die zweite Klasse des deutschen Eishockeys sehr anspruchsvollen Niveau.

"Wir haben fantastisch gespielt", bewertete Gästetrainer Peter Russell gar nicht zu Unrecht den Auftritt seiner ersatzgeschwächten Freiburger und fühlte sich offenbar insgesamt bei einem "hochklassigen Team in großartiger Atmosphäre" bestens unterhalten. Seinem Frankfurter Kollegen Matti Tiilikainen ging es nicht viel anders. Auch er verwies auf die Stimmung am Ratsweg, die seinen Spielern eine Menge Energie gab. Er hatte auch ebenso "sehr gute" Freiburger gesehen, über zwei Drittel für ihn besser als seine Frankfurter. "Sie fordern dich in allen Belangen des Spiels heraus und testen vor allem aus, wie viel Geduld du hast", machte Tiilikainen eine besondere Breisgauer Stärke aus und hielt am Ende fest: "Wir sind mit Glück und Geschick zurückgekommen, gegen ein Team, das sehr schwer zu schlagen ist."

Schon am Freitag in Freiburg war dieses Kunststück den Frankfurter Seriensiegern gelungen. Mit einem 4:2 hatten sie die Wölfe von der daraufhin von den Kassel Huskies übernommenen Tabellenspitze gestürzt. Beim raschen Wiedersehen waren für einen weiteren Sieg drei Führungswechsel nötig - und die Präzision Roope Rantas. Der Experte für sehenswerte Tore traf zwei Mal mit wuchtigen Direktschüssen, erst zum 1:0 (14. Minute), dann zum 2:2 (29.), in Überzahl. Kurz darauf gelang Alex Roach eine Kopie von Rantas zweitem Tor aus halblinker Position, mit ähnlich weit ausgeholtem Schläger, doch der Vorsprung hielt nicht lange: Freiburg konterte mit einem Doppelschlag, im turbulenten Mitteldrittel voller Tore und Strafen, aber die Löwen stemmten sich jetzt wieder ihrerseits gegen eine Niederlage. Vielleicht half es ja, dass dank des Comebacks von Lukas Koziol und der Verpflichtung des erfahrenen finnischen Verteidigers Markus Kankaanperä wieder alle Reihen gefüllt waren, das gab es seit dem Oktober ganz selten. Max Eisenmenger jedenfalls hatte selbst in Unterzahl noch genug Kraft, eines seiner typischen Soli zum 4:4 zu vollenden (50.), wieder ein ganz wichtiges Tor des jungen Stürmers. Und dann setzte Suvanto die Löwen-Serie fort.

Einem Viertelfinalplatz näher kam gleichzeitig auch der EC Bad Nauheim, durch ein 5:1 (1:0, 1:0, 3:1) gegen die Lausitzer Füchse. Eine alljährliche Formalität hatten Frankfurter und Bad Nauheimer vorher fristgerecht erledigt: Am Wochenende gab die Ligaleitung bekannt, dass alle 14 aktuellen Zweitligisten eine Lizenz für die kommende Saison beantragt haben. Die Löwen haben dies überdies auch für die erstklassige DEL getan, inzwischen im vierten Jahr in Folge, für den Fall der Fälle. "Sollte sich bereits vor Wiedereinführung des sportlichen Auf- und Abstiegs zum Ende der Saison 2020/2021 die Option bieten, in die DEL zu gehen, werden wir diese Chance wahrnehmen", erklärte der geschäftsführende Gesellschafter Stefan Krämer.

Damit diese Tür aufgeht, müsste indes ein DEL-Standort Pleite gehen, danach sieht es nach der Rettung der Krefelder Pinguine derzeit nicht aus. Bei den aktuellen Herausforderungen sind die Löwen jetzt so oder so auf Spitzenkurs, "Ich hoffe", sagte Trainer Tiilikainen nach dem Freiburger Wochenende, in Gedanken an die Play-offs, "dass wir beide Teams im Frühjahr lange sehen".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare