Klare Ansagen: Bo Subr auf der Löwen-Bank.
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Klare Ansagen: Bo Subr auf der Löwen-Bank.

Eishockey

"Du brauchst unterwegs ein paar Schlaglöcher"

Trainer Bo Subr im Interview - über den starken Löwen-Start, die Notwendigkeit von Niederlagen und den langen Weg zum Traumziel.

Bo Subr ist bei den Löwen Frankfurt rasch angekommen. "Es gibt hier ein gutes Umfeld, Leute, mit denen man gut zusammenarbeiten kann", sagt der 41-jährige Tscheche, der mit dem Eishockey-Zweitligisten den nächsten Anlauf zum Aufstieg unternimmt. Die Richtung stimmt: Vor den Spielen an diesem Freitag (19.30 Uhr) bei den Lausitzer Füchsen und am Sonntag (16 Uhr) gegen die Bayreuth Tigers verbucht nur der EC Bad Nauheim einen Punkt mehr in der DEL 2, aber auch eine Partie mehr. Mit dem Löwen-Trainer sprach unser Redakteur Markus Katzenbach.

Ihre ersten 100 Löwen-Tage seit dem Trainingsbeginn Mitte August sind vorbei, das erste Drittel der Hauptrunde ist es fast. Zufrieden?

Ja, wir können sehr zufrieden sein damit, wo wir stehen. Vor allem unter diesen Umständen, nach einer schwierigen Vorbereitung mit Corona-Fällen und anderen Schwierigkeiten. Wir hatten einen starken Start und dann ein kleines Tief vor der Deutschland-Cup-Pause. Jetzt sind wir wieder gut in Schwung.

Was ist die größte Herausforderung für einen Trainer, wenn es so gut läuft wie bei den sieben Siegen in den ersten sieben Spielen?

Die größte Herausforderung ist dann, in der Spur zu bleiben, das gilt auch für die Spieler. Besonders auch im Erfolg muss man aufpassen, dass man gerade die kleinen Dinge richtig weitermacht, die einem zu dem guten Start verholfen haben. Es hat uns ein paar Wochen und ein paar Spiele gekostet, um die Dinge herauszufinden, die wir so machen müssen wie am Anfang. Das war aber auch ein guter Lernprozess.

Hat es für einen Trainer also auch gute Seiten, wenn wie nach dem Super-Start auch mal ein paar Spiele verloren gehen?

Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Aber wenn unterwegs keine Schlaglöcher sind, können dir am Ende der Saison jede Menge Schwierigkeiten begegnen. Also ist es gut, diese Schlaglöcher zu haben, die brauchst du auch mal. Wir können daran aufzeigen, auch im Detail, was nicht funktioniert, lernen, wo wir uns verbessern müssen und sicherstellen, dass wir in der Spur bleiben, jeden Tag, in jedem Spiel.

Können Sie ein Beispiel für so ein Detail nennen?

Die größte Thema ist wahrscheinlich das mit der Komfortzone. Man ist vielleicht auch mal versucht, ein bisschen zu schön zu spielen, wenn es so gut läuft. Aber man muss dann darauf achten, es einfach zu halten, bei einfachen Spielzügen zu bleiben statt für die Highlight-Zusammenfassung zu spielen. Dazu gehört auch, gut mit dem Puck umzugehen und nicht unnötige Chancen gegen uns zu verursachen.

Waren Sie selbst überrascht, dass es trotz der schwierigen Vorbereitung gleich so gut lief, obwohl ja auch viele Spieler und der Trainer neu waren?

Wir haben durch die Corona-Fälle vielleicht 14 Tage verloren. Zum Glück haben wir früh mit der Vorbereitung angefangen, aber da fehlt natürlich trotzdem ein bisschen was. Gerade wenn so vieles neu ist, jeder von unterschiedlichen Mannschaften kommt, das Trainerteam andere Sachen verlangt als vorher. Als wir in die Saison gestartet sind, waren wir schon noch damit beschäftigt, unsere Identität, unseren Weg zu finden. Aber weil das schon hart für alle war, weil wir Dinge in viel kürzerer Zeit behandeln und kompakt halten mussten, hat sich auch jeder sehr eingebracht und hart gearbeitet, um bereit für den Start zu sein. Das hat dann sehr gut geklappt.

Was können die Löwen jetzt schon gut?

Ich denke, wir sind richtig gut in unserem Spiel mit dem Puck, im Erschaffen von Torchancen. Wir sind auch sehr viel schneller geworden im Umschalten von Abwehr auf Angriff im Vergleich zu den ersten Wochen. Auch defensiv sind wir besser geworden, aber das ist einer der Punkte, an denen wir noch arbeiten müssen. Wir müssen schon sehen, dass wir, wenn wir den Puck verlieren, ihn auch wieder zurückerobern. Da geht es auch um die Kommunikation, die Absprachen auf dem Eis. Aber ich denke, wir sind insgesamt auf einem guten Weg.

Welches der bisherigen Spiele kam Ihrem Eishockey-Ideal am nächsten?

Ich finde, das erste Spiel in Kassel war sehr gut. Sie waren nicht so stark wie bei dem Spiel dann hier in Frankfurt, aber so wie wir in das Spiel gegangen sind, wie jeder bereit war, war das sehr gut. Viele Spiele waren gut - zum Beispiel auch das gegen Bad Nauheim, obwohl wir verloren haben. Wir waren das bessere Team, haben vieles richtig gemacht, aber nicht über die ganze Zeit. Daran müssen wir auch arbeiten: konstanter zu werden, über 60 Minuten. Wir haben schon noch viele Aufs und Abs.

Was ist Ihr Eindruck von der Liga, nachdem Sie gegen alle Teams mindestens einmal gespielt haben?

Vor allem schauen wir auf uns, dass wir unsere Sachen richtig machen. Aber natürlich achten wir auch auf das, was in der Liga passiert. Es gab ja ein schon ein paar Überraschungen, dass einige höher gehandelte Mannschaften schlechter dastehen und dafür andere weiter oben sind als gedacht. Einige haben schwerere Zeiten, andere werden besser, je länger die Saison läuft. Das Wichtigste in dieser Liga ist: Du darfst nie nachlassen, in keinem Spiel. Wenn du nicht bereit bist, hast du eine gute Chance, das Spiel zu verlieren. Wir müssen uns auf jedes Spiel gut vorbereiten, auch individuell: Es gibt viele Teams, die sehr unterschiedlich spielen, mehr pressen oder eher abwarten. Und manche sind natürlich auch besser als andere.

Über die spielerischen Qualitäten Ihres Teams haben wir gesprochen. Wie wichtig sind für den Erfolg andere Faktoren wie beispielsweise die Fitness?

Gerade am Ende der Saison wird es darauf ankommen, dass wir genug Energie haben und körperlich voll in Schuss sind. An der Fitness arbeiten wir sehr planmäßig. Gerade jetzt, wo so viele Spiele anstehen und der eine oder andere eine kleinere Verletzung mit sich herumschleppt, müssen wir darauf achten, die Jungs so gesund wie möglich zu halten. Das versuchen wir natürlich, auch wenn man manches nicht planen kann, gerade in Corona-Zeiten.

Das Traumziel ist der Aufstieg, der Weg aber ist lang. Worauf kommt es auf den verschiedenen Etappen an?

Das größte Ziel ist es natürlich, die Meisterschaft zu gewinnen und aufzusteigen. Wir setzen uns aber über die ganze Zeit, für jede Phase schon Ziele, als Team und individuell. Für uns ist es wichtig, diese Ziele zwischendrin zu erreichen, und jeden Schritt auf dem Weg zu machen, um am Ende der Saison das beste Team zu sein, das wir sein können.

Was sind denn solche kleine Ziele unterwegs?

Natürlich immer die drei Punkte aus dem nächsten Spiel (lacht, Anmerkung der Redaktion). Nein, es geht da zum Beispiel um die Special Teams: eine bestimmte Prozentzahl im Powerplay und in Unterzahl. Oder die Zahl der Tore, die wir im Durchschnitt schießen wollen, der Schüsse von uns und gegen uns, was wir dann nach den Wochenenden oder in bestimmten Abständen überprüfen und mit Statistiken belegen. Wir setzen uns Ziele und dafür auch Fristen - wie schon auch die Anzahl von Spielen, die wir in einer bestimmten Zeitspanne gewinnen wollen. Dazu kommen individuelle Ziele der einzelnen Spieler, Punkte, in denen sie sich verbessern wollen und sollen, gerade was die jüngeren Spieler betrifft. Das große Ziel ist es, jeden Tag besser zu werden. Und natürlich steht das Traumziel über allem. Wenn man aber schon an das Ende der Leiter denkt, wenn man erst auf der dritten Sprosse steht, ist das noch ein weiter Weg.

ZUR PERSON

Bo Subr ist schon viel herumgekommen in der Eishockey-Welt. Vor allem in Nordamerika, aber auch in Frankreich, Schweden, Norwegen, Serbien und den Niederlanden, wo die Karriere des Spielers endete und die des Trainers begann. Die in der deutschen Oberliga antretenden Tilburg Trappers führte der 41-jährige Tscheche zu drei Meisterschaften. Seit dieser Saison ist er Headcoach der Löwen Frankfurt in der DEL 2. Bo Subr lebt mit seiner Frau und den acht und drei Jahre alten Töchtern in Bad Homburg.

INFO-BOX: EX-KAPITÄN MITCHELL ALS GAST IM LÖWEN-TRAINING

Am Donnerstag meldete sich ein guter alter Bekannter als Trainingsgast in der Eissporthalle am Ratsweg an: Adam Mitchell, drei Jahre Kapitän der Löwen Frankfurt, darf wieder auf dem Eis trainieren, nachdem seine Schulterverletzung aus der vorigen Saison endlich auskuriert ist. Der am 1. Dezember 39 Jahre alt gewordenen Stürmer tut dies bei dem Eishockey-Zweitligisten, mit dem er sich im Sommer nicht über eine Vertragsverlängerung hatte einigen können.

"Nach einem guten Gespräch mit Adam geben wir ihm gerne die Möglichkeit zu testen, ob eine Fortführung seiner Karriere möglich ist. Wenn ja, ist es durchaus denkbar, dass eine Rückkehr von Adam noch mal Thema für die Löwen wird", sagte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier.

"Ich bin endlich wieder auf dem Eis zurück, aber mir ist natürlich bewusst, dass der Weg zurück kein kurzer ist", erklärte Adam Mitchell, "am heutigen Tag überwiegt aber erstmal meine Freude, und die ist riesengroß!"

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