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Ein Löwe in nationalem Auftrag

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Von: Markus Katzenbach

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Applaus, Applaus: Dominik Bokks Löwen-Auftritte haben weit über Frankfurt hinaus Beachtung gefunden.
Applaus, Applaus: Dominik Bokks Löwen-Auftritte haben weit über Frankfurt hinaus Beachtung gefunden. © Jan Huebner

Der junge Frankfurter Starstürmer Dominik Bokk wird wieder in die Nationalmannschaft berufen. Nebenbei darf man das auch als eine Auszeichnung für den ganzen Club verstehen.

Frankfurt -Die gute Nachricht kam per Telefon, und vielleicht war es gut, dass Dominik Bokk die Nummer schon eingespeichert hatte - so wusste er jedenfalls vorher, wer sich am anderen Ende der Funkverbindung melden würde. „Toni hat mich am Tag vom Schwenningen-Spiel angerufen und gefragt, ob ich dabei sein möchte. Ich habe Ja gesagt“, berichtet der junge Stürmer, wie Bundestrainer Toni Söderholm am Sonntag durchklingelte, um ihn für den nächste Woche anstehenden Deutschland-Cup einzuladen - nur kurz, „er wusste ja, dass wir ein Spiel haben“.

Allzu überraschend dürfte der Anruf im nationalen Auftrag dabei gar nicht gewesen sein. Dazu waren Bokks Leistungen in den für die Frankfurter Aufsteiger in die erste Klasse des deutschen Eishockeys überhaupt sehr erfreulichen ersten eineinhalb Saisonmonaten zu gut gewesen. Das hatte der Bundestrainer selbst vorige Woche schon durchblicken lassen. „Wir können uns nicht erlauben, ihn nicht einzuladen. Wenn ein Spieler gut genug spielt und in jedem Spiel so eine tragende Rolle hat wie er, dann ist er auch ein Kandidat für den Deutschland-Cup“, hatte Söderholm bei Magentasport gesagt, und: „Komplett blöd sind wir ja auch nicht. Bis jetzt hat er das richtig gut gemacht.“

Das lässt sich an verblüffenden Zahlen ablesen: Mit zehn Treffen in 16 Spielen glänzt der 22-jährige Jungstarstürmer derzeit bemerkenswerterweise an zweiter Stelle der DEL-Torschützenliste. Seit Saisonbeginn mischt er wie Carter Rowney und Brendan Ranford, seine Kollegen aus der die Liga aufmischenden Frankfurter Paradereihe, ganz oben in den entsprechenden Statistiken mit. „Das ist aber keine Drei-Mann-Show. Da gibt es viele andere Jungs, die hart arbeiten, um sie zu unterstützen“, betont Franz-David Fritzmeier. Die wichtigste Statistik ist die Tabelle, und den für einen Klassenneuling sehr beachtlichen sechsten Platz in der Zwischenbilanz schreibt der Sportdirektor der ganzen Mannschaft als Verdienst zu.

Bokks Rückkehr in die Nationalmannschaft darf man im Löwen-Lager getrost auch als Auszeichnung für den ganzen Club verstehen. „Wir sind als Löwen Frankfurt stolz, wieder einen A-Nationalspieler zu haben“, sagt Sportdirektor Franz-David Fritzmeier und vergisst nicht zu betonen, dass man mit Markus Freis obendrein einen jungen Verteidiger zur deutschen U-20-Auswahl schicken darf.

Warum es so gut läuft bei den Löwen? „Wir haben das Selbstvertrauen, und wir haben viel Spaß zusammen“, meint Bokk und sagt selbstbewusst: „Es war mein Ziel, hier direkt so einzuschlagen.“ Obwohl die Zeit vorher trotz bemerkenswerter Stationen nicht immer einfach war. Viel beachteter First-Round-Pick in der nordamerikanischen Superstar-Liga NHL, dort noch nicht zum Zug gekommen, aber als größtes deutsches Talent seit Leon Draisaitl gehandelt, schon vor drei Jahren ein paar Länderspiele, immerhin in der ersten schwedischen Liga am Puck, zuletzt bereits nach Deutschland abgeordnet an die Eisbären Berlin, trotz Meistertitel wegen geringer Einsatzzeiten nicht glücklich - und nun von den Carolina Hurricanes nach Frankfurt ausgeliehen, wo junge Spieler seit Jahren besonders gefördert und gefordert werden.

„Wir helfen ihnen, aber sie müssen uns auch helfen. Sie müssen liefern, weil wir hier immer Erfolg haben wollen“, erklärt Fritzmeier. Die Entwicklungsarbeit mit Talenten wie dem in Ingolstadt dann zu Nationalspieler gewordenen und nun wie der inzwischen in Wolfsburg unter Vertrag stehende Luis Schinko ebenfalls zum Deutschland-Cup in Krefeld eingeladenen Leon Hüttl oder den zu aktuellen Löwen-Stammkräften gereiften Magnus Eisenmenger und Daniel Wirt hat Bokk interessiert aus der Ferne verfolgt, jetzt ist er selbst Teil der Frankfurter Jugendbewegung. Drei U23-Spieler schreibt die DEL für einen vollen Kader vor, Frankfurt hat die vielleicht stärksten der Liga - ein Löwen-Coup.

Nun, da mit Ranford und Rylan Schwartz erfahrene Stützen bis zum Jahresende auszufallen drohen und der Manager alles tut, sinnvollen Ersatz zu finden, aber der Markt leer gefegt ist, könnte es auch helfen, nicht nur in der Not auf die Jugend gebaut zu haben. Jungstürmer Constantin Vogt sprang beim 5:4 gegen die Bietigheim Steelers am Dienstagabend schon ordentlich in die Bresche, auch in Wolfsburg am Freitag (19.30 Uhr) und gegen Ingolstadt am Sonntag (19 Uhr) wird er sich beweisen dürfen. Dann pausiert die DEL erst einmal, und die Nationalmannschaft ist im Einsatz.

Dominik Bokk, den Fritzmeier schon aus dem Kölner Nachwuchs kennt, hat es gereizt, in Frankfurt als Leistungsträger Verantwortung übernehmen zu können, statt wie so viele junge Lückenfüller in Arbeiterrollen der vierten Reihe gepresst zu werden. „Er hat hier eine Chance gehabt, und er hat sie genutzt“, sagt Fritzmeier. Der gebürtige Schweinfurter, der nach Jahren in Schweden und den USA endlich wieder nah bei der Familie ist, dessen Eltern jedes Spiel vor Ort sehen, will nach wie vor in die NHL, möglich ist das durchaus. „Man braucht Visionen, aber man muss auch hart dafür arbeiten“, sagt Franz-David Fritzmeier dazu. Deshalb gilt: „Heute gut trainieren, dann in Wolfsburg gut performen.“ Schritt für Schritt, im Zweifel noch ein zweites Jahr in Frankfurt, da hätte Dominik Bokk bei allen Traumzielen gar nichts dagegen. Als junger Löwe kommt man schließlich auch gut voran.

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