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Ein Löwen-Punkt mit letzter Kraft

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Von: Markus Katzenbach

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Löwen-Kampf: Simon Sezemsky (links) und Carson McMillan (rechts) nehmen den Ingolstädter Simon Gnyp in die Mangel.
Löwen-Kampf: Simon Sezemsky (links) und Carson McMillan (rechts) nehmen den Ingolstädter Simon Gnyp in die Mangel. © Patrick Scheiber/Jan Huebner

Ersatzgeschwächte Frankfurter kämpfen sich in einem Spitzenspiel gegen Ingolstadt immerhin in die Verlängerung. Die Personalnot wird noch größer, aber Ersatz naht auch.

Frankfurt -Die schlechte Nachricht gab es schon vor dem ersten Bully, wieder einmal. Brett Breitkreuz’ Name fand sich nicht auf dem Spielberichtsbogen, und die Erklärung aus der Pressestelle der Löwen Frankfurt verhieß nach jüngsten leidigen Erfahrungen nichts Gutes. Der Publikumsliebling werde „auf unbestimmte Zeit“, hieß es - was bei den Sturmkollegen Brendan Ranford und Rylan Schwartz kürzlich ähnlich klang, die beide wohl eher erst gegen Ende des Kalenderjahres aufs Eis zurückkehren können. Bei Breitkreuz besteht etwas mehr Hoffnung auf raschere Genesung, auch seine Verletzung aber ist langwieriger. Den Besuch des ERC Ingolstadt jedenfalls konnte er nur als einer von offiziell 5072 Zuschauern von der Tribüne aus beobachten. Umso bemerkenswerter, dass der Aufsteiger in die erste Klasse des deutschen Eishockeys dabei immerhin einen Punkt unter schwierigen Umständen erkämpfte, mit einem turbulenten 2:3 (2:1, 0:1, 0:0/0:1) nach Verlängerung, gegen eines der besten Teams der DEL.

Vom Gegner gab es hinterher noch ein paar warme Worte zu einem stimmungsvollen Sonntagabend. „Das hat einfach Spaß gemacht. Die Fans hier waren einfach unglaublich, das Spiel war unglaublich, mit Chancen auf beiden Seiten“, schwärmte der Ingolstädter Schlussmann Kevin Reich im Interview mit Magentasport und fand: „Man merkt, wie die Frankfurter der Liga die ganze Zeit gefehlt haben.“ Ganz so begeistert waren diese angesichts des Ausgangs nicht, aber sie wussten das Geschehen auch einzuordnen. „Das waren zwei Top-Mannschaften, am Ende hat ein Millimeter gefehlt. Leider haben wir das entscheidende Tor kassiert“, befand der junge Stürmer Magnus Eisenmenger, der in der Not umso mehr arbeiten musste: „Es war sehr anstrengend, aber das mache ich gerne. Wir haben gerade viele Verletzte, aber das ist keine Entschuldigung. Wir müssen das Beste daraus machen.“ Und das gelang ihnen an diesem Abend weitgehend, abgesehen vielleicht von neuerlichen Schwächen im Powerplay.

Durch die ersten Saisonwochen waren die Löwen besser gekommen als manch anderer Verein, innerhalb einer guten Woche aber hat es sie nun heftig getroffen: Drei ihrer sechs besten Scorer fehlen ihnen jetzt, mit Ranford, Schwartz und Breitkreuz, den es am Freitag beim überraschenden und vor allem Torhüter Jake Hildebrand zu verdankenden 2:1 nach Penaltyschießen bei Champions-League-Teilnehmer Wolfsburg erwischt hatte. Ersatz immerhin ist in Sicht: Schon nach der Deutschland-Cup-Pause dürfte mit Jerry D’Amigo ein auch in der DEL erfahrener Stürmer hinzustoßen, möglicherweise nicht die einzige kurzfristige Verstärkung.

Fürs Erste lichteten sich die Reihen weiter: Schon Mitte des ersten Drittels verabschiedete sich Nathan Burns in die Kabine, nach einem ungeahndeten Check gegen den Kopf - und Headcoach Gerry Fleming musste zusehen, wie er seine übrigen Angreifer für den Rest der Partie immer wieder neu sortierte, in einem Duell des Tabellenfünfter gegen den Zweiten, das rein mathematisch das Spitzenspiel des DEL-Sonntags war und auch intensives Eishockey mit hohem Unterhaltungswert bot.

Gleich der erste Akt war voller Action, teilweise kurios - wie das 1:0 der Löwen: Carson McMillan war in Unterzahl zum Konter gestartet, wurde vom Ingolstädter Verteidiger Maurice Edwards geschubst und rutschte mitsamt Gäste-Goalie Reich und dem Puck ins Tor, zu einer Führung in der 10. Minute, die nicht lange Bestand hatte. Ingolstadt glich nur 27 Sekunden später aus, noch im gleichen Powerplay.

Die Löwen schlugen wiederum rasch selbst wieder zu: Einen feinen Querpass von Dominik Bokk drosch Reece Scarlett direkt ins Tor (14.). Der kanadische Verteidiger kommt nach seiner mehrwöchigen Verletzungspause immer besser in Schwung. Auch er konnte es allerdings nicht verhindern, dass der ERC zunehmend das Spiel bestimmte, gerade im zweiten Drittel, standesgemäß im Grunde: Als Top-Vier-Kandidat gegen einen Neuling. Wayne Simpson nutzte diese Überlegenheit zum 2:2 (26.).

Die ersatzgeschwächten und immer müder werden Frankfurter hielten dagegen, mit allem was sie hatten, retteten sich mit letzter Kraft in die Verlängerung, um dort 28 Sekunden vor Schluss das Gegentor durch Wojciech Stachowiak kassieren, zur fünften Niederlage in der fünften Extraschicht, die Verlängerung ist noch keine Löwen-Disziplin. Sei es drum: Einen Punkt hatten sie erkämpft, den 30. aus jetzt 18 Partien, aller Ehren wert für einen Aufsteiger. Der nun, da die Nationalmannschaft zum Deutschland-Cup lädt, die Liga ruht und erst am 18. November in Düsseldorf den nächsten Löwen-Termin vorsieht, eine wohlverdiente Pause erhält. Zum Durchschnaufen, Verletzungen auskurieren. Und Warten auf Verstärkung.

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