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Gedrängel im Derby: Die Löwen Eduard Lewandowski (links) und Mathieu Tousignant belagern das Bad Nauheimer Tor von Felix Bick. Foto: Hübner

Löwen Frankfurt

Eine alte Geschichte - Löwen verlieren Derby gegen Bad Nauheim

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Nach einer Extra-Portion Drama haben die Eishockey-Löwen das Derby verloren. Viel vorwerfen müssen sie sich aber nicht.

Der kalte Februarwind wehte am Sonntagabend durch die offene Flanke hinein ins Colonel-Knight-Stadion, als Adam Mitchell noch einmal vor die Tür der Gästekabine trat und versuchte, das gerade Geschehene einzuordnen. Was dem Kapitän der Frankfurter Löwen gar nicht so leicht fiel, schließlich gab es da den einen oder anderen Widerspruch, zum Ausklang eines Eishockey-Wochenendes, das perfekt gewesen wäre, hätten nicht 22 Sekunden zum Glück gefehlt. Dass der Spitzenreiter der DEL 2 eigentlich ein gutes Auswärtsspiel abgeliefert hatte, konnte er für sich und die Kollegen in Anspruch nehmen. Die bittere Last-Minute-Pointe machte das aber fast nur noch ärgerlicher, weil man sich so um den vollen Ertrag für den Aufwand gebracht hatte – und dann hatte diese Begegnung ja auch einen besonderen Reiz.

„Die Derbys wollen wir natürlich unbedingt gewinnen“, betonte Adam Mitchell und berichtete von ersten Eindrücken aus dem Mannschaftskreis, nachdem das nach einer Extra-Portion Drama doch nicht geklappt hatte: „Ich glaube, wir sind alle ein bisschen sauer, weil wir drei Punkte hätten holen können.“ Eine knappe Viertelstunde vorher hatte es auch noch ganz so ausgesehen. Dann aber kassierten die Löwen im Nachbarschafts- und Spitzentreffen beim EC Bad Nauheim erst den Ausgleich zum 4:4 in letzter Minute und mussten sich dann nach verlorenem Penaltyschießen mit nur einem Zähler begnügen. Das reichte immerhin, um die Tabellenführung zu behaupten – punktgleich mit den Ravensburg Towerstars, hinter deren Bande neuerdings Löwen-Legende Rich Chernomaz steht und die man am nächsten Sonntag besucht.

Gelegenheit verpasst

Die Frankfurter Puckjäger verpassten allerdings die günstige Gelegenheit, sich etwas Luft zu verschaffen im dichten Gedrängel an der Spitze der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys, deren lange Hauptrunde sich dem Ende entgegen neigt. Die Lausitzer Füchse, am Freitag in Frankfurt 1:5 unterlegen, lauern zwei Punkte dahinter, die Roten Teufel aus Bad Nauheim haben auf dem vierten Platz deren vier Rückstand auf die Löwen.

Die Teilnahme an den Play-offs ist Frankfurt sicher und Bad Nauheim im Grunde auch nicht mehr zu nehmen. Obgleich der Form halber noch zwei Punkte für die Vollzugsmeldung fehlen, 16 Zähler vor den siebtplatzierten Huskies aus Kassel, sechs Spieltage vor Schluss.

Zum Thema: Liveticker zum Nachlesen: EC Bad Nauheim besiegen Löwen Frankfurt mit 5:4

Was in der Metropole Frankfurt eine Selbstverständlichkeit ist, trotz des großen Umbruchs vor der Saison für die Entwicklungsarbeit an einer erstklassigen Zukunft, ist in der Kurstadt eine gelungene Überraschung. In ihrem Wetterauer Wintermärchen haben die hiesigen Eishockeycracks seit dem 3:4 nach Verlängerung gegen die Löwen Ende November nun ein Dutzend Heimsiege hintereinander eingefahren in der Eishalle am großen Teich im Kurpark mit ihrem Altbau-Charme und der hitzigen Atmosphäre – gut organisiert und gut eingestellt von Coach Christof Kreutzer und mit einem während der Erfolgssträhne stetig gewachsenen Selbstbewusstsein. Eine Serie, die fast gerissen wäre beim Wiedersehen mit den Löwen.

Viel vorzuwerfen hatten sich Mitchell und Co. wiederum nicht, trotz der dritten Niederlage im vierten Derby dieser Saison, eher im Gegenteil. Sie hatten in einem intensiven, starken Aufeinandertreffen die klassenbeste Mannschaft der vergangenen zwei, drei Monate weitgehend im Zaum gehalten. Anders als in vorangegangenen Treffen verschliefen sie nicht das erste Drittel, sie wucherten auch nicht allzu sehr mit ihren Tormöglichkeiten, sie gewannen lange die wichtigen Zweikämpfe und ließen wenig Chancen zu. Aber sie verspielten eben auch zwei Mal einen Zwei-Tore-Vorsprung, das rächte sich.

Pikanterie am Rande

„55 von 60 Minuten haben wir ein gutes Spiel gemacht“, urteilte Mitchell zurecht. Da knüpften die Löwen an die reife Leistung vom Freitag gegen die Lausitzer Füchse an, die erste Spitzenprüfung des Wochenendes, bloß: „Wir haben es nicht geschafft, das Spiel zu Ende zu bringen.“ Headcoach Matti Tiilikainen haderte angesichts wiederkehrender Erfahrungen übers Jahr: „Das ist eine alte Geschichte. Wir haben den letzten Schritt nicht gemacht.“ Gelegenheiten dazu gab es. Vor allem als die Bad Nauheimer wie üblich in solchen Fällen Goalie Felix Bick auf die Bank beordert hatten, um mit einem sechsten Feldspieler alles für den Ausgleich zu riskieren, und Antti Kerälä das verwaiste Tor nicht traf.

Pikanterie am Rande: Bick, am Anfang der Saison noch in Frankfurt und nach ein paar unglücklichen Monaten in die Wetterau zurückgekehrt, wurde spätestens im Penaltyschießen dann zum Bad Nauheimer Helden gegen die alten Kollegen. „Bicki hat gut gehalten“, zollte ihm Mitchell Respekt. Und die Löwen? „Wir verbessern uns von Spiel zu Spiel und machen einen kleinen Schritt nach dem anderen“, meinte ihr Kapitän, ungeachtet der aktuellen Enttäuschung. Die grobe Richtung stimmt aber – auch wenn das im Zwischenziel Bad Nauheim doch nicht zum Erfolg führte.

Info: Hauptrollen für ausländische Führungskräfte

Zach Hamill hat in einer bewegten Eishockey-Karriere, unter anderem mit acht NHL-Spielen, schon viel erlebt. Das Derby in der DEL 2 am Sonntag war aber selbst für den 30-jährigen Kanadier etwas Besonderes – schließlich war es, der den EC Bad Nauheim mit zwei Toren und zwei verwandelten Penaltys zum dramatischen Sieg gegen die Löwen führte. „Frankfurt hat uns einen echten Fight geliefert. Aber die Vergangenheit hat gezeigt, was wir erreichen können, wenn wir unseren Gameplan durchziehen“, sagte er. Mit dem eben erst dazu gestoßenen und auch zwei Mal erfolgreichen Louke Oakley spielte eine weitere nachträglich verpflichtete ausländische Führungskraft da entscheidend mit.

Ob David Skokan auf Frankfurter Seite eine ähnliche Hauptrolle übernehmen kann? Der neue slowakische Stürmer überzeugte auch im dritten Einsatz. Da nur vier Spieler ohne deutschen Pass auf dem Spielberichtsbogen erlaubt, die Löwen aber nun wie üblich fünf im Kader haben, muss einer immer zuschauen. Diesmal rotierte turnusgemäß Matt Pistilli vom Eis, obgleich zuletzt gut in Form – ein Luxusproblem, das ein großer Bonus werden kann, wenn in den kräftezehrenden Play-offs ausgeruhte Kräfte ins Spiel gebracht werden können. mn/mka

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