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Schussglück sieht anders aus: Löwen und Huskies schauen dem Puck hinterher, ins Kasseler Tor findet er wieder nicht.

Eishockey

Eine Niederlage, die Löwen-Mut machen kann

  • Markus Katzenbach
    vonMarkus Katzenbach
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Frankfurt verliert ein lange auf Augenhöhe ausgetragenes Hessen-Duell in Kassel.

Kassel – Es sollte nicht sein. Kale Kerbashian traf noch einmal die Latte, nicht das erste Mal an diesem Donnerstagabend und nicht als einziger Frankfurter Löwe. Und wenn sie nicht am Gestänge des Kasseler Tores scheiterten, dann verzweifelten die Gäste am vor allem in den letzten Minuten herausragenden Huskies-Goalie Jerry Kuhn – bis schließlich kurz vor Schluss dessen Mitspieler Lois Spitzner den Puck in ihrem eigenen, in den Ausgleichsbemühungen verwaisten Kasten unterbrachte, zur Entscheidung. In einem Spitzentreffen der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys verloren die Löwen am Ende so mit 1:4 (0:1, 1:1, 0:2). Deutlicher als es ein lange auf Augenhöhe ausgetragenes Hessen-Duell zwischen zwei Meisterschafts- und Aufstiegsaspiranten hergab, das betonte hinterher auch Tim Kehler, früher Coach in Frankfurt,  nun bei den Kassel Huskies hinter der Bande.

„Es war ein sehr gutes, sehr intensives Spiel. Kassel hat im richtigen Moment die Tore gemacht, wir hatten aber auch genügend Chancen zu gewinnen“, urteilte wiederum Franz-David Fritzmeier, Frankfurter Sportdirektor und Trainer. „Kassel hat sehr gut verteidigt, wir haben auch alles rausgehauen. Wir haben zwei Spitzenteams gesehen, die auf sehr hohem Level gespielt haben.“

So ärgerlich die Niederlage gerade gegen den ewigen Erzrivalen war, so konnte sie den Frankfurtern doch auch Zuversicht geben: Immerhin hatten sie dem dominierenden Team dieser DEL-2-Hauptrunde kräftig Paroli geboten, in einer für sie mit einigen Widrigkeiten gespickten Saison und weiterhin ohne ihre Leistungsträger David Suvanto, Manuel Strodel (beide Saison-Aus), Kyle Wood und Martin Buchwieser. Mit den seit Monaten beeindruckend stabilen und an der Tabellenspitze weit enteilten Huskies konnten sie durchaus mithalten, die Richtung stimmt auch im Lager der Löwen.

Zwei Mal allerdings passten sie nicht nicht auf, jeweils zu Beginn des ersten und dritten Drittel, das war maßgeblich für den Ausgang dieses Aufeinandertreffens: Der ehemalige Löwe Joel Keussen (2.) und Phillipe Cornet (41.) nutzten es für wegweisende Huskies-Tore. Zwischendrin trafen auch Spitzner (38.) noch einmal für Kassel und Max Faber (29.) für Frankfurt, jeweils in Überzahl – Fabers drittes Tor im dritten Spiel nach seiner langen Verletzungspause.

Sein Comeback ist auch eine gute Nachricht für Kapitän Adam Mitchell: Er durfte aus der Abwehr zurück in den Sturm. Gerade Neuverpflichtung Kerbashian und Rückkehrer Faber zeigten verheißungsvolle Ansätze, und obwohl nicht nur sie noch etwas Einarbeitung und Feilen am Zusammenspiel nötig haben werden, blieben die Frankfurter in Kassel bis zuletzt im Spiel, stemmten sich gegen die Niederlage und waren mehrfach zumindest einem Anschlusstor nah, indes ohne Schussglück und mit etwas weniger Abschlussgeschick als die abgezockten und selbstbewussten Huskies.

Das Ergebnis folgte dann einer gewissen Tradition. Schon in den acht vorherigen Begegnungen hatten stets die Gastgeber gejubelt, auch in den dreien dieser Saison, auch unter Corona-Umständen ohne Zuschauer und damit ohne echten Heimvorteil: Daheim am Ratsweg hatten die Löwen zwei Mal knapp gewonnen, in Nordhessen dafür kurz vor Weihnachten desolat mit 0:7 verloren – was zur Trennung von Headcoach Olli Salo führte und dazu, dass Sportdirektor Fritzmeier das Traineramt mit übernahm. Nur für ihn bot das Wiedersehen eine statistische Neuheit: Er, der im Play-off-Viertelfinale 2018 schon einmal interimsweise hinter der Bande gestanden hatte, hatte zuvor alle fünf Spiele als Löwen-Trainer gegen Kassel gewonnen.

„Es ist ein schnelles Spiel, sehr körperbetont“, hatte Max Faber im Pauseninterview beim Onlinesender Sprade-TV vor dem letzten Drittel gesagt und noch auf eine Wendung zu Löwen-Gunsten gehofft. Dazu kam es nicht mehr, sein Versprechen dürfte aber über den Abend hinaus gelten: „Ich bin frisch, für mich fängt die Saison jetzt erst an. Ich reiße die Jungs mit und wir greifen an.“

Es geht ja auch gleich weiter im rappelvollen DEL-2-Kalender: Am Samstag daheim gegen die Bayreuth Tigers (19.30 Uhr), am Montag am gleichen Ort, zu gleicher Zeit gegen die Tölzer Löwen. Nur der Hessen-Vergleich mit den Huskies ist für diese Hauptrunde schon beendet, ungewöhnlich früh bei 17 noch ausstehenden Löwen-Spielen: Unentschieden, mit je zwei Siegen. Auf ein nicht unwahrscheinliches Play-off-Wiedersehen darf man gespannt sein. Dann könnten Meisterschaft und Aufstieg auf dem Spiel stehen. Und es geht wieder bei Null los.

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