Löwen-Anführer mit goldenem Helm: Rylan Schwartz (rechts) trägt derzeit die Auszeichnung für den besten Scorer auf dem Kopf, weiß aber genau, dass es für den Erfolg auf jede Frankfurter Reihe ankommt
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Löwen-Anführer mit goldenem Helm: Rylan Schwartz (rechts) trägt derzeit die Auszeichnung für den besten Scorer auf dem Kopf, weiß aber genau, dass es für den Erfolg auf jede Frankfurter Reihe ankommt

Eishockey

Es hat gleich Klick gemacht

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Rylan Schwartz und Co. haben die Löwen-Fans schon einige Male verzaubert. Vor dem Nachbar-Duell in der Deutschen Eishockey Liga 2 haben sie gelernt: Nachlassen gilt nicht.

Frankfurt -Auch eher einfache Aufgaben im Übungsbetrieb können Spaß machen, jedenfalls wenn man sie so erledigt. Zusammen mit Rylan Schwartz war Dylan Wruck auf einen allein gelassenen Torhüter zugesaust, hatte den Puck noch einmal nach rechts auf Schwartz gelegt, und als der in diesem noch jungen Eishockeyjahr schon öfter kongeniale Kollege ihn wuchtig ins Tor drosch, grinste Wruck breit und zufrieden. Was wiederum Schwartz freute. "Es tut gut, wenn die Jungs lachen, reden oder rufen", findet der Stürmer der Frankfurter Löwen. "Man muss Spaß in der Halle haben, wir verbringen hier schließlich eine ganze Menge Zeit." Arbeitstage seien immer nicht so aufregend, aber Donnerstage wie dieser schon ein bisschen leichter, denn: "Am nächsten Tag ist ja wieder ein Spiel." Im aktuellen Fall auch ein spezielleres: An diesem Freitagabend (19.30 Uhr) empfangen die Löwen den EC Bad Nauheim in der Eissporthalle am Ratsweg zu einem Nachbarschaftstreffen, endlich wieder vor Fans - das gab es zuletzt am 11. Februar 2020, mit einem Frankfurter 4:1.

"Wir wissen um die Geschichte und wie wichtig es den Fans ist, dass eine tolle Atmosphäre herrschen wird. Das sind die Spiele, die man besonders gerne spielt", sagt Schwartz - auch wenn es für ihn selbst, wie der im Sommer Zugezogene freimütig einräumt, erst einmal ganz einfach ein weiteres Spiel ist. Wobei die Anhänger am Ratsweg wohl auch wenig dagegen hätten, wenn diese Begegnung so liefe wie die allermeisten bisherigen dieser am 1. Oktober begonnenen Zweitliga-Hauptrunde.

Den ersten Monat in der DEL 2 haben die Frankfurter Spitzenreiter dominiert, trotz des großen Umbruchs im Kader, mit sieben größtenteils deutlichen Siegen, darunter ein fulminantes 6:1 im Hessenduell bei kriselnden Kassel Huskies - bis am vergangenen Sonntag ein 1:5 bei den Bayreuth Tigers diesen erstaunlichen Löwen-Lauf vorerst stoppte.

"Das sollte ein Weckruf für uns sein", mahnt Schwartz. "Wir waren nicht fokussiert genug." Vielleicht hatte es in den Wochen zuvor auch alles schon zu gut geklappt, um nicht einmal etwas nachzulassen. Der nächste Anlauf zum Aufstieg hätte schwungvoller kaum beginnen können, die Löwen stürmten regelrecht durch die Liga, zur Verzauberung ihrer Anhänger - und die Reihe mit Schwartz, Wruck und Ryon Moser vorneweg. Gemeinsam kommen sie bereits auf 36 Tore und Vorlagen, einige davon echte Kunststücke. Schwartz trägt den goldenen Helm des derzeit besten Scorers.

"Es waren bisher ja nur ein paar Spiele, aber es war ein guter Start", urteilt der 31-Jährige. Am Anfang der Saison habe man sich noch etwas auf den Füßen gestanden. "Aber wir haben voneinander gelernt. Jeder weiß jetzt, wo er zu stehen hat. Wruck hat das Auge für den richtigen Pass, Mosi hat viel Speed. Wir haben schon eine gute Chemie aufgebaut." Was nicht für dieses Trio gilt: "Alle Reihen passen sehr gut zusammen", meint Sportdirektor Franz-David Fritzmeier.

Es ist eher ein Zufall, aber bezeichnend für die Ausgeglichenheit des Kaders, dass trotz schon 35 Toren nur ein Löwe in einem der acht Spiele doppelt traf - was wiederum auch nicht ganz zufällig Rylan Schwartz war. So oder so: Auch wenn dessen Sturmformation gerade im Vordergrund steht, halten andere den Löwen-Laden ebenso zusammen, das betont Schwartz selbst. "Es ist gut zu wissen, dass, wenn bei einer Reihe nichts läuft, immer eine andere Reihe einspringen kann", sagt er. Außer in Bayreuth, da ging gar nichts. Die drei Deutsch-Kanadier verbindet neben der Herkunft, dass sie alle schon in der DEL 2 auf dem Eis waren - Schwartz zuletzt bei den Lausitzer Füchsen, Wruck in Heilbronn, Moser in Kassel. Fritzmeier hat sie nach Frankfurt geholt, Headcoach Bo Subr sie dort zusammengebracht - und es hat gleich Klick gemacht.

Schwartz war einer der ersten neuen Spieler. "Rylan ist ein sehr erfahrener Spieler, der die Liga kennt, sehr stark ums Tor herum ist und eine hohe Scoringqualität hat, das hat er ja auch schon gezeigt", erklärt Fritzmeier. "Er ist ein wichtiges Puzzleteil für uns. Ein guter, positiver Typ, der ernsthaft ist, aber auch immer für einen Spaß gut. Er hat auch Ecken und Kanten, und er kann andere mitreißen."

Der Sportdirektor hatte Schwartz schon aus dessen DEL-Zeiten in Bremerhaven und Nürnberg auf dem Schirm. Jetzt, nach einer eher durchwachsenen Corona-Saison in der Lausitz, war die Gelegenheit da, ihn für die Löwen zu gewinnen. Wobei nicht viel Überzeugungsarbeit nötig war. "Schon bevor Franz angerufen hat, hatte ich Interesse, nach Frankfurt zu gehen", berichtet Rylan Schwartz. "Ich wollte zu einem Verein, der gewinnen und nach oben kommen will." Am besten zurück in die DEL, wie er selbst, das ist das Traumziel. Und das Treffen mit den ebenfalls gut gestarteten Bad Nauheimer Nachbarn die nächste Etappe auf diesem langen Weg.

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