1. Startseite
  2. Sport
  3. Löwen Frankfurt

Finale mit offenen Löwen-Rechnungen

Erstellt:

Von: Markus Katzenbach

Kommentare

Bereit fürs Finale: Stürmer Rylan Schwartz (rechts) und die anderen Löwen.
Bereit fürs Finale: Stürmer Rylan Schwartz (rechts) und die anderen Löwen. © Nadine Roith/Jan Huebner

Vier Schritte sind die Frankfurter Löwen noch vor ihrem Traumziel entfernt: Als Meister der zweiten Klasse könnten sie in die DEL aufsteigen, die Vorfreude ist groß: "Es kribbelt."

Frankfurt -Natürlich sind die Aufeinandertreffen vor drei Jahren im Gedächtnis haften geblieben, nicht nur bei Franz-David Fritzmeier. "Es sind ja auch noch Führungsspieler von damals da, die das Ganze diesmal gerne umdrehen würden", bekundet der Sportdirektor der Frankfurter Löwen vor dem nächsten finalen Wiedersehen mit den Ravensburg Towerstars, indes: "Es ist lange her, und es sind jetzt andere Mannschaften. Wir wissen das schon einzuordnen." Und so ist aus dieser etwas unglücklich verlorenen Finalserie aus dem Jahr 2019 gewiss noch eine Löwen-Rechnung offen für die aktuelle Ausgabe, allzu viel zusätzliche Ladung allerdings gar nicht nötig.

Dafür steht in den am Osterwochenende mit dem ersten Duell am Samstag (19.30 Uhr) daheim in der Eissporthalle am Ratsweg beginnenden Best-of-Seven-Endspielen der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys so oder so genug auf dem Spiel, vor allem für Fritzmeiers Frankfurter, kurz vor ihrem Traumziel: Als Meister würden sie auch das seit vorigem Jahr wieder geöffnete Tor nach oben zur DEL durchschreiten. Anders als Ravensburg im Übrigen, das sich nicht für die erste Liga bewarb, weil allein schon die nötige Hallengröße fehlt.

Gewinn die Towerstars, gibt es auch keinen Aufsteiger, aber so soll es aus Löwen-Sicht ohnehin nicht ausgehen. Die Sehnsucht ist groß, wieder dorthin zu gelangen, wo der Weg des Vorgängervereins, der Frankfurt Lions, vor zwölf Jahren in der Insolvenz endete. "Es kribbelt. Alle sind heiß und wollen die letzten Schritte gehen", berichtet Fritzmeier, "im Flow der letzten Wochen".

Die Voraussetzungen sind geschaffen, die Bilanzen beeindruckend: In Viertel- und Halbfinale gegen die Freiburger Wölfe und die Heilbronner Falken zog man auf schnellstmöglichem Weg weiter, mit den nötigen vier Siegen in jeweils vier Spielen. Was nahtlos an die starken Löwen-Werte aus der Hauptrunde anknüpft, als man mit 112 Punkten aus 52 Partien die meisten der Liga und die meisten der Frankfurter DEL-2-Geschichte verbuchte, mitsamt den meisten Toren und den wenigsten Gegentoren. Ein folgerichtiger Finalteilnehmer, mit dem logischem Gegner: Ravensburg, knapp hinter den Frankfurter Hauptrundensiegern und den Dresdner Eislöwen Dritter der Tabelle, aber neben den Löwen wohl die stabilste Mannschaft. Die sich zudem als Löwen-Schreck entpuppte, nicht nur wegen 2019: Alle vier Punktspiele gingen an die Towerstars, alle sehr knapp, trotzdem fast der einzige Makel in sonst herausragenden Frankfurter Zahlen.

Mit der Hilfe alter Publikumslieblinge

"Jetzt ist aber eine andere Zeit, und wir hatten während der Saison auch nicht die Mannschaft, die wir jetzt aufs Eis bringen", betont Fritzmeier. Tatsächlich haben die Rückkehr der Publikumslieblinge Brett Breitkreuz und Adam Mitchell sowie die Verpflichtungen von Nathan Burns, Reid McNeill und Davis Vandane dem Kader noch mehr Klasse und Tiefe verliehen. Dass fast alle Löwen einsatzbereit sind und angesichts der Vielzahl an Spielern fünf auf die Tribüne müssen, ist für Fritzmeier mehr Faustpfand als Luxusproblem: "Diese Qualität müssen wir ausspielen", sagt er und fordert mit Blick auf das erste Spiel: "Wir müssen zeigen, dass hier nicht viel zu holen ist."

Ravensburg, das im Halbfinale mit den Frankfurter Nachbarn vom EC Bad Nauheim etwas mehr Mühe hatte und schließlich mit 4:1 Siegen weiterzog, schätzt der Löwen-Manager als "sehr starke Mannschaft ein, auch körperlich. Sie haben eine hohe Qualität in der Mannschaft, auch viel Erfahrung, und sie werden nicht viele Chancen brauchen, um Tore zu machen." Umso mehr gelte es für seine Löwen, stets konzentriert zu bleiben.

Etwas ist dabei noch anders als 2019, als die Wiedereinführung des Aufstiegs gerade beschlossen war und man am Ratsweg begonnen hatte, eine junge Mannschaft längerfristig für den Weg nach oben aufzubauen, die dann überraschend gleich ins Finale kam: Diesmal haben auch die Löwen eine sehr erfahrene Mannschaft, "mit allen Wassern gewaschen", sagt Fritzmeier. War es damals eine der jüngsten der Klasse, ist es nun eine der ältesten. Und sie soll den Weg vollenden - anders als 2019 schon auch aus einer leichten Favoritenrolle heraus. "Wir müssen es aber aufs Eis bringen", mahnt Fritzmeier, "und 100 Prozent Leistung bringen".

Erstmals wieder volles Haus

Am besten gleich am Samstag, zu Hause in der Eissporthalle am Ratsweg - vermutlich erstmals nach zwei Corona-Jahren voller Einschränkungen wieder ausverkauft, mit 6770 Zuschauern, die Sitzplätze sind bereits vergriffen. Und entsprechender Atmosphäre. "Die Kulisse wird überragend sein", schwärmt Sportdirektor Fritzmeier in froher Erwartung und denkt an seine Spieler: "Die Jungs werden fasziniert sein. Viele kennen das ja noch gar nicht."

Möglicherweise kann das ein weiterer Trumpf werden, für das glückliche Ende eines dann großen Löwen-Kapitels. Während im Hintergrund die Corona-Krise noch nachwirkt, die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine spürt man in Frankfurt auch: Von ihrem Großsponsor, der russischen Bank VTB, trennten sich die Löwen daraufhin, Ersatz wird dringend gesucht, mitsamt weiterer Mittel, um einen etwaigen Aufstieg auch wirtschaftlich stemmen zu können - sicher ist das alles noch nicht.

"Im Hintergrund wird daran hart gearbeitet", sagt Franz-David Fritzmeier und ist froh, "dass die Clubführung das sehr gut von der Mannschaft weg gehalten hat". Diese ist schließlich auf dem Eis genug gefordert, vier Schritte vor dem Traumziel.

Auch interessant

Kommentare