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Der neue Chef hinter der Löwen-Bande: Olli Salo. Foto: Verein

Eishockey

Finnische Fortsetzung am Ratsweg

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Olli Salo folgt als neuer Löwen-Headcoach auf Landsmann Matti Tiilikainen - und soll in Frankfurt dessen Arbeit am Aufstieg in die DEL vollenden.

Frankfurt - In der Eissporthalle am Ratsweg ruht für ein paar Tage der Trainingsbetrieb, gespielt wird auch nicht. Ein freies Wochenende, sogar noch etwas verlängert - das gibt es im Eishockey-Jahr selten, die Frankfurter Löwen aber haben sich das verdient: Als beste Hauptrundenmannschaft der DEL 2 können sie entspannt warten, welcher Viertelfinalgegner ihnen aus den Ausscheidungsspielen um die letzten beiden Plätzen entspringt. Hinter den Kulissen indes laufen die Planungen längst auf Hochtouren - nicht nur für die maßgeblichen Wochen im Meisterkampf dieser Saison, sondern auch darüber hinaus. Eine nicht unbedeutende Personalie für die mit Spannung erwartetete nächste Spielzeit, in der endlich wieder die Tür in die erste Klasse aufgeht, verkündeten die Löwen am Donnerstag: Olli Salo wird als neuer Headcoach Nachfolger seines finnischen Landsmannes Matti Tiilikainen.

"Olli war unser absoluter Wunschkandidat", betonte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier. Einig mit dem neuen Mann hinter der Bande war man sich schon länger, rechtzeitig vor den am 13. März beginnenden Play-offs konnte man nun auch öffentlich Klarheit schaffen. In Absprache mit dem finnischen Traditionsclub Ilves Tampere, wo Salo noch bis zum Saisonende als Assistenzcoach arbeitet, im vierten Jahr.

Als er dorthin ging, war es umgekehrt: Damals beerbte ihn Tiilikainen als Trainer der U-20-Mannschaft des aktuellen finnischen Meisters HPK Hämenlinna, der beider Heimatverein ist. In dessen Nachwuchsabteilung, die Salo bis zu seinem Abschied leitete, arbeiteten sie jahrelang zusammen. Und als Salo interimsweise schon einmal die künftig von Tiilikainen hauptverantwortlich betreuten Profis coachte, assistierte ihm dieser hinter der Bande.

"Wir haben mit Olli Salo einen neuen Headcoach gefunden, der optimal in unser Konzept passt und der uns in der wichtigen, kommenden Saison - im dritten Jahr unseres Prozesses - durch seine Erfahrungen in der Topliga Finnlands weiterhelfen wird", sagte Fritzmeier, und: "Es ist zudem ein großes Plus, dass er unsere Trainer gut kennt und schon mit ihnen gearbeitet hat."

Zwei Brüder für die Löwen

Einen sogar besonders gut: Der 36-jährige Finne ist der ältere Bruder von Torwarttrainer Valterri Salo. Beide wirkten bereits gemeinsam in Innsbruck, seitdem sprechen beide deutsch. Mit Marko Raita ist der dritte Löwen-Coach ebenfalls gebürtig aus Hämenlinna. Da sollte man sich ähnlich gut verstehen wie derzeit mit Tiilikainen.

Das bisherige Trainertrio hatte Fritzmeier vor der Saison 2018/2019 aus dem Nachwuchs von Hämeenlinna geholt, um an einem Dreijahresplan mit dem Ziel DEL zu arbeiten. Neben der für den 2021 wieder möglichen Aufstieg in die erste Etage nötigen Entwicklungsarbeit mit vielen jungen Spielern ist Tiilikainen und Co. das Kunststück geglückt, mitten im Erneuerungsprozess aktuelle Erfolge auf dem Eis einzufahren. Schon voriges Jahr hatten die Löwen die meisten DEL-2-Punkte gesammelt, in den Play-offs fanden sie erst im Finale gegen die Ravensburg Towerstars ihre Meister. Diesmal soll es einen Schritt weitergehen, bis zum Titel - auch wenn die Meisterschaft im nächsten Jahr ungleich wichtiger ist, als Ticket zum Aufstieg.

Einige Weichen sind gestellt: Gerade haben die Leistungsträger Eddie Lewandowski, Martin Buchwieser und Max Faber ihre Verträge verlängert, mit Kapitän Adam Mitchell besteht grundsätzliche Einigkeit, und der eine oder andere neue Führungsspieler ist an der Angel. Mit ihnen soll Salo an Tiilikainens Stelle die Fortsetzung einer finnischen Erfolgsgeschichte übernehmen. Dass dieser aus der zweiten deutschen Liga als Headcoach ins Land des Weltmeisters heimkehrt, ist ein beachtlicher Karrieresprung - und spricht für seine Arbeit in Frankfurt.

"Man hat schon beobachtet, was hier geleistet wird", sagt Fritzmeier. Tiilikainen habe in zwei Jahren sehr viel erreicht, bilanziert der Sportdirektor. Den nicht zu verhindernden Abgang bedauert er, weiß aber auch: "Seine Rückkehr nach Finnland zu einem Spitzenteam hat uns Türen geöffnet, um mit Trainern vom Format eines Olli Salo sprechen zu können. Da hat man gesehen, dass in Frankfurt auch die zweite Liga Deutschlands attraktiv ist."

Überzeugt von dem Frankfurter Konzept

International genießt Salo, nebenbei Assistenztrainer der unlängst zu Weltmeistern gekürten finnischen U-20-Junioren, sogar noch ein höheres Standing als Tiilikainen. Dass er wieder als Headcoach arbeiten wollte, half bei seiner Verpflichtung auch. "Ich habe viele Gespräche mit Franz-David Fritzmeier und dem Trainerstab geführt und bin überzeugt von den Zielen des Clubs, dem sehr guten Konzept und der Professionalität, mit der hier gearbeitet wird", erklärte Olli Salo und vergaß bei aller Vorfreude auf die Herausforderungen der neuen Saison auch nicht die aktuellen Aufgaben.

Der "ganzen Löwen-Familie" wünschte er in einer Videobotschaft aus Tampere alles Gute für die anstehenden Play-offs. "Vor allem den Fans", sagte er und hatte da noch eine Bitte: "Macht weiter so eine super Stimmung wie die ganze Saison." Da kennt sich einer offenbar schon ein wenig aus am Ratsweg.

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