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Eishockey

Löwen Frankfurt: Mit der Kraft des Kollektivs gegen Knackstedt und Co.

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Bei den Frankfurter Eishockey-Löwen verteilt sich die Verantwortung auf viele Schultern. Beim Halbfinal-Gegner Dresden sieht das ganz anders aus.

Frankfurt - Am späteren Mittwochabend war das Tor plötzlich wieder von Kevin Maginots Konto gestrichen worden. Brett Breitkreuz hatte seinen Schlagschuss irgendwie noch mit der Kelle abgefälscht und bekam den Treffer gutgeschrieben. Sei es drum: Für die Frankfurter Löwen war vor allem wichtig, dass der Puck den Weg ins Ziel gefunden hatte, und weniger, wer schließlich als Schütze gelistet wurde.

„Mir ist ganz egal, wer die Tore schießt, Stürmer, Verteidiger oder der Torwart“, sagte Headcoach Matti Tiilikainen lachend, und auch der in diesem Fall Hauptbetroffene wird die im nicht immer übersichtlichen Eishockey-Geschehen nicht unübliche nachträgliche Schützenverschiebung mit Fassung getragen haben. „Es läuft ganz gut“, hatte Maginot auf die Frage nach seiner gesteigerten Torgefahr zufrieden gesagt, und das galt so oder so, mit oder ohne eigenes Tor beim 4:1 im ersten Halbfinal-Duell gegen die Dresdner Eislöwen in der DEL 2.

So bekam der 24-jährige Verteidiger immerhin als Vorlagengeber einen Punkt für die Scorerwertung – in einer bedeutsamen Angelegenheit: Die Maginot-Breitkreuz-Produktion führte zum überfälligen 1:1 und war die Wende zum Guten. Und selbst getroffen hat Maginot in den Play-offs ja schon vorher, zwei Mal in der Viertelfinalserie gegen die Eispiraten Crimmitschau, jeweils wegweisende Führungstore.

Das ist typisch für eine Löwen-Qualität, gerade im Vergleich mit dem Halbfinal-Gegner: Während bei diesem die ersten beiden Reihen und allen voran der für den einzigen Treffer verantwortliche Starstürmer Jordan Knackstedt für fast alles zuständig sind, verteilen sich die Frankfurter Aufgaben auf mehrere Schultern, selbst das Toreschießen. Knackstedt oder auch Thomas Pielmeier stehen in den allermeisten Lagen auf dem Eis, in Unter- und Überzahlkommandos bisweilen zwei Minuten am Stück, insgesamt viel mehr als Frankfurter Spitzenspieler wie Adam Mitchell – weil die hiesigen Löwen mit vollen vier Reihen durchwechseln, ohne allzu großen Leistungsabfall.

„Diesen Vorteil wollen wir nutzen“, betonte Coach Tiilikainen, der nach dem erfolgreichen Start ins Halbfinale feststellte, dass selbst seine junge vierte Formation bei gemeinsamen Eiszeiten mit Dresdens Paradesturm dagegenhalten könnte. So lassen sich die Kräfte der eigenen Anführer schonen. Das sollte im flotten Zwei-Tages-Takt der Vorschlussrunde helfen, schon an diesem Freitag (19.30 Uhr) geht es in Dresden weiter – und ein zweiter Sieg wäre bereits die halbe Miete für den Finaleinzug in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys: Wer vier Mal gewinnt, zieht weiter.

Für vielbeschäftigte Sachsen-Chefs wird das eine Kraftprobe, und die Löwen können der Klasse von Knackstedt und Co. im Kollektiv begegnen. „Wir verteidigen das als Mannschaft“, sagt Sportdirektor Franz-David Fritzmeier: „Wenn wir kompakt arbeiten, macht uns das unberechenbarer. Natürlich müssen wir auf Knackstedt und die anderen noch mehr aufpassen. Man kann das aber auch nutzen: So viel sie vorne bewegen können, so wenig machen sie nach hinten.“ Tatsächlich fanden sich bei allen vier Frankfurter Treffern Dresdner Vorzeige-Angreifer im Einsatz.

„Man darf die Knackstedt-Reihe nicht unterschätzen. Aber wenn wir hart dagegenhalten, können wir sie in den Griff bekommen“, meint Maginot, Abwehrexperte mit beispielhafter Angriffslust: Fast jeder Löwe kann gefährlich werden. Kein Zufall, dass am Mittwoch vier verschiedene Spieler die Tore schossen. „Da sieht man die Tiefe in unserem Kader“, meint Tim Schüle, der selbst einen Treffer beisteuerte.

Zum zweiten Akt ist man ausnahmsweise schon einen Tag vorher nach Dresden aufgebrochen, um ohne lange Busfahrt in den Knochen ans Werk gehen zu können. „Sie werden offensiv spielen wollen, sie haben auch gute Leute vorne drin“, erwartet Schüle. Sein Gegenrezept: „Wir müssen versuchen, so viel Zeit wie möglich in ihrem Drittel zu verbringen.“ So steigen die Chancen, dass irgendwann irgendein Frankfurter Löwe trifft. Genug Kandidaten sollte es geben. Wer auch immer am Ende in der Torschützenliste steht.

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