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Zwischen Freude und Löwen-Leid: David Skokan durfte am Montag über zwei eigene Tore jubeln, am Ende schob auch er Frust.

Eishockey DEL 2

Die Löwen Frankfurt sinnen auf Revanche gegen die Ravensburg Towerstars

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Die Frankfurter Löwen möchten im vierten Spiel gegen Ravensburg Towerstars Revanche nehmen. Das dritte Playoff ging höchst unglücklich verloren.

Frankfurt - Nichts hören, nichts sagen. Es war kaum zehn Minuten her, dass der allerletzte Schuss in der vorletzten Sekunde eines überhaupt unfassbaren Schlussdrittels die Frankfurter Löwen mitten ins Herz getroffen hatte, da öffnete sich in den Katakomben der Eissporthalle am Frankfurter Ratsweg die Tür zum Kabinengang. 

Carter Proft drückte sich hindurch, mit Kopfhörern in den Ohren und versteinerter Miene, und verschwand sogleich einen Eingang weiter im Kraftraum – da versuchte offenbar einer, eine Löwen-Ladung Frust direkt mit den Hanteln abzupumpen, während aus der Kabine laute Flüche der Kollegen nach außen drangen. 

Löwen Frankfurt lagen deutlich in Führung, bevor das Spiel kippte

„Das war kein Spaß, das hat uns den Abend versaut, und eine Top-Leistung auch“, meinte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier am Morgen nach einem der verrücktesten Comebacks in der an solchen Kapiteln nicht armen Geschichte des Eishockeys, zum Leid der Löwen. 4:0 nach zwei Dritteln und 5:2 siebeneinhalb Minuten vor Schluss hatten Stürmer Proft und Co. im dritten Finalspiel der DEL 2 am Ostermontag gegen die Ravensburg Towerstars geführt, um nach einer Extra-Portion Wahnsinn doch zu verlieren – 5:6, mit einem halben Dutzend Gegentoren im dramatischen dritten Akt einer bis dahin überlegen geführten Partie, die letzten beiden 38 Sekunden und eben einen Zeigerschlag vor Schluss. 

Löwen Frankfurt wollen heute Revanche nehmen

„Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie das passieren konnte. Nach dem Spiel war das frustrierend, aber eine Nacht später ist das abgehakt“, berichtete Fritzmeier, als der Tross am Dienstag um elf Uhr in den Bus nach Ravensburg gestiegen war, wo die Endspiel-Runde heute (19.30 Uhr) im raschen Zwei-Tages-Takt schon weitergeht. 

Eine Mannschaftsbesprechung daheim in der Eissporthalle am Ratsweg hatten die Löwen da schon hinter sich, 380 Autobahnkilometer und am Nachmittag eine kleine Fitness-Einheit vor sich – und die Aufgabe, diese aus den Fugen geratene Serie geradezubiegen, in denen sie über weite Teile der drei Begegnungen die bessere Mannschaft waren und doch im Hintertreffen sind.

Löwen Frankfurt haben alles in eigener Hand

„Ravensburg führt 2:1, aber man muss vier Mal gewinnen, um Meister zu werden“, betonte Fritzmeier. „Das ist noch ein weiter Weg. Wir haben die Chance auszugleichen und alles in eigener Hand.“ Schnell vergessen, was am Ostermontag sonst geschehen war, lautete dafür die Löwen-Losung, so ganz stimmte das freilich nicht – Lehren sollten schon aus diesem denkwürdigen dritten Akt gezogen worden.

 „Wenn wir unsere Lektion lernen, können wir den Titel holen. Und wenn nicht, verdienen wir ihn auch nicht“, folgerte Matti Tiilikainen schlicht. Es gebe viele Gründe, aber keine Ausreden für diese Niederlage, sagte der Headcoach noch und verzichtete darauf, ins Detail zu gehen. 

Löwen Frankfurt haben keine großen Fehler gemacht

So furchtbar viele Fehler waren gar nicht gemacht worden, so seltsam das klingen mag angesichts der wahnsinnigen Entwicklung innerhalb weniger Minuten, die auf zwei Drittel der besten Saisonleistung gefolgt waren – und die natürlich auch Ausdruck einer bemerkenswerten Kampfbereitschaft des Gegners waren: „Respekt an Ravensburg, wie sie zurückgekommen sind“, vergaß Löwen-Kapitän Adam Mitchell nicht zu erwähnen. 

Seine Frankfurter wiederum hatten zumindest beim ersten Gegentor vielleicht etwas arg nachlässig verteidigt, beim zweiten, vierten und fünften sah Goalie Ilya Andryukhov nicht gut aus – das war auch ohne Trainer-Hinweise zu sehen.

Löwen Frankfurt wurden vom Schiedsrichter benachteiligt

Es ehrte die Löwen aber auch, nicht wenigstens einen Teil der Schuld bei den Unparteiischen abzuladen, dabei hätte es da Grund zu Klagen gegeben. Vor dem vierten Gegentor drei Minuten vor dem Ende etwa balancierte Schütze Mathieu Pompei den Puck über ein paar Meter mit der Hand, das war zumindest ebenso fragwürdig wie die Strafzeiten gegen gleich zwei Löwen vor dem dritten Gegentor und die allgemeine Beurteilung des recht ruppigen, provokanten Ravensburger Auftretens. 

Vor allem aber gingen wegen einer klaren Abseitsstellung und eines Stockschlags gegen Dan Spang den entscheidenden Towerstars-Treffern in letzter Minute krasse Fehlentscheidungen voraus. 

Löwen Frankfurt "haben es selbst verbockt"

Die Frankfurter Verantwortlichen indes schossen sich darauf nicht ein. „Wir haben es selbst verbockt“, meinte Tiilikainen nur, Fritzmeier befand: „Wir haben viel Lehrgeld bezahlt in dieser Saison, teils aus eigener Schuld, teils aus anderen Gründen. Das war jetzt der Höhepunkt an Kuriositäten, damit ist das vorbei.“ In einem schließlich war er sich gegen Ende eines immer wieder wahnwitzigen Jahres in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys sicher: „So ein letztes Drittel passiert nicht noch einmal.“

Von Markus Katzenbach

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