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Löwen-Legende Robert Reichel über das WM-Duell seiner Tschechen mit Deutschland und Frankfurter Beziehungen (Symbolbild)

Interview

Löwen-Legende Robert Reichel: "Die deutschen Spieler sind wie Terrier"

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Löwen-Legende Robert Reichel über das WM-Duell seiner Tschechen mit Deutschland und Frankfurter Beziehungen

Frankfurt - Der einstige "König der Löwen" kann es immer noch. Beim Training der tschechischen Eishockey-Nationalmannschaft legte sich Robert Reichel zehn Pucks an die blaue Linie - und versenkte fast alle im Netz. Worauf Coach Milos Riha seinen Co-Trainer lachend zu den Spielern schickte, um sich mit ihnen auf das Viertelfinale gegen Deutschland vorzubereiten. Aufs Eis wird der 47-jährige natürlich doch nicht gehen. Was er aber von der deutschen Mannschaft hält und vieles mehr verriet der Olympiasieger, dreimalige Weltmeister und frühere Frankfurter Löwe unserem Mitarbeiter Michael Löffler.

Hat sich das Eishockey in den zehn Jahren seit Ihrem Karriere-Ende verändert?

Das Spiel ist noch viel schneller geworden. Es wird intensiver geskatet, man hat weniger Zeit, um etwas mit dem Puck zu machen.

Was man damit anstellen kann, haben Sie früher in Frankfurt mit Jiri Lala in Perfektion gezeigt. Haben Sie mit ihrem Sturmpartner aus der Löwen-Zeit noch Kontakt?

Wir telefonieren regelmäßig, treffen uns auch häufig. Jirka lebt in Regensburg, kommt aber auch häufig nach Budweis, wo er eine Firma hat. Ich besuche ihn manchmal dort, er mich in Litvinov, wo ich lebe.

Und mit Ihrem Bruder Martin, der 2003 bis 2008 in Frankfurt spielte und Kapitän der Löwen war?

Nicht ganz so oft wie mit Jiri. Martin lebt in Rosenheim. Wir telefonieren, sehen uns aber nicht so oft.

Haben Sie überhaupt noch Kontakte nach Deutschland?

Ich habe immer noch einige Freunde in Frankfurt, übernachte dort bei meinen Deutschland-Reisen auch manchmal. Ich habe mir auch vor gar nicht so langer Zeit ein Spiel in der Eissporthalle angeschaut. Tolle Stimmung, gute Kulisse. Aber Frankfurt braucht schnell die versprochene neue Halle am Kaiserlei.

Also verfolgen Sie das deutsche Eishockey?

Während der Saison weniger, wir haben die deutsche Nationalmannschaft allerdings bei den WM-Testspielen gegeneinander beobachten können. Hier habe ich sie intensiver beachtet. Schließlich bestand von vornherein die Möglichkeit, dass man sich auf dem Eis als Gegner begegnet.

Was halten Sie von der deutschen Mannschaft?

Ein unangenehmer Gegner. Sehr fleißig, diszipliniert, die Spieler sind wie Terrier. Und sie sind bei Kontern gefährlich. Die Stürmer Draisaitl und Kahun sind Weltklasse. Und mit Grubauer ist jetzt ein sehr guter Torwart da.

Apropos Weltklasse. Wie finden Sie das Niveau bei dieser WM?

Die Anzahl der Teams ist schon grenzwertig. Da geht es um Business, man muss sich mit den 16 Teams abfinden. Aber eine weitere Erweiterung der Teilnehmer wäre tödlich. Es gibt nicht viele echte Eishockey-Nationen. Aber bei denen ist das Level sehr hoch. Der Termin ist für eine Weltmeisterschaft zu spät. Er hat aber zur Folge, dass mehr NHL-Stars als sonst angereist sind. Vor allem die Russen sind bärenstark. Und mit unserer Mannschaft bin ich auch zufrieden.

Wie sehr ist das auch Ihr Verdienst?

Ein ganz wenig vielleicht. Seitdem ich vor einem Jahr Co-Trainer der Nationalmannschaft geworden war, bin ich oft unterwegs. Ich beobachte die Kandidaten in der Schweiz, in Skandinavien, mehrmals war ich in Übersee, wo ich mir viele NHL-Spiele angeschaut hatte und Kontakte zu den Spielern gepflegt habe. Es gab kaum Absagen.

In Nordamerika spielt auch Ihr Sohn Kristian, Stürmer wie Sie. Haben Sie auch ihn beobachtet?

Klar. Er hat dort eine gute Saison gespielt, ist aber nicht gedraftet worden. Die Winnipeg Jets haben großes Interesse bekundet, so dass er nächste Saison in der NHL spielen könnte. Er hat Talent, ist schnell, ähnelt meiner Spielart ein wenig. Natürlich ist er mit 20 Jahren noch nicht so robust, wie ich es war. Junge Spieler trainieren heute sehr intensiv, reifen in der Regel aber später als es zu meiner Zeit war. Er will es mindestens zwei Jahre lang versuchen, sich in der NHL behaupten. Sollte es nicht gelingen, würde er nach Europa zurück kehren. Da er ein Deutscher ist, vielleicht in die DEL. Und wer weiß: Vielleicht wird nach mir und Martin irgendwann ein dritter Reichel für die Löwen stürmen.

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