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Eishockey

Die Löwen leben noch

Finalserie: Löwen Frankfurt melden sich lautstark zurück

Es geht noch weiter: Die Löwen erzwingen mit dem 3:1 gegen Ravensburg zumindest ein sechstes Spiel in der DEL-2-Finalserie.

Frankfurt - Zu Meistern hatten sie sich zumindest bei dieser Gelegenheit noch nicht krönen können, das war den Besuchern von den Ravensburg Towerstars offenbar aufs Gemüt geschlagen. Als für den Freitagabend alles verloren war, da ließ ihr Schützenkönig Andreas Driendl zum Frustabbau die Fäuste sprechen, und für einen Moment schien es, als würden seine Kollegen aus dem vorläufigen Abschied eine richtige Massenschlägerei machen. 

Daraus wurde dann aber doch nichts, mit Hilfe der Schiedsrichter schlichen sich geschlagene Ravensburger in die Kabine. Während die Frankfurter Löwen ungestört mit ihren Fans feiern konnten, aber nur kurz – die Finalserie um die Meisterschaft in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys geht schließlich weiter: Die Löwen sind noch am Leben.

"Die Mannschaft hat Charakter bewiesen"

Mit dem 3:1 (0:0, 2:1, 1:0) vor 6265 Zuschauern daheim in der Eissporthalle am Ratsweg erzwangen sie zumindest ein sechstes Spiel am Sonntag (17 Uhr) in Ravensburg. Sollten sie die Towerstars dann erneut am nötigen vierten Sieg hindern und die Best-of-Seven-Serie zum 3:3 ausgleichen, würde ein siebtes Spiel am Dienstagabend in Frankfurt über die Titelvergabe in der DEL 2 entscheiden. 

„Die Mannschaft hat Charakter bewiesen und gezeigt, dass sie unbedingt in dieser Serie zurückkommen will“, war Headcoach Matti Tiilikainen stolz auf seine Löwen. Anfangs schien die Last des Gewinnenmüssens ihnen vielleicht ein wenig auf der Seele zu liegen, gewiss hatten sie das für sie so unglückliche Ende des Ostermontagdramas auch noch nicht ganz aus ihren Uniformen geschüttelt, dieses verrückte 5:6 mit sechs Gegentoren im letzten Drittel und zwei in letzter Minute. 

Sie verteidigten aber konzentrierter als am Mittwoch in Ravensburg, als Nachlässigkeiten in der Abwehrbereitschaft ihnen die dritte Niederlage im vierten Final-Akt eingebracht hatten, mit 4:7. „Sechs und sieben Gegentore sind einfach zu viel, das können wir nicht kompensieren“, meinte Tiilikainen und sah defensiv starke Verbesserungen: „So wie heute müssen wir gegen Ravensburg spielen.“

Den Bann gebrochen 

Wegweisend war für sein Gegenüber Rich Chernomaz, den früherer Frankfurter Meistermacher hinter der Ravensburger Bande, das Überzahlspiel: Im zweiten Abschnitt brach Mathieu Tousignant in der 34. Minute mit seinem Powerplay-Tor den Bann, da wackelte, die Löwenfan-Wand zum ersten Mal. Damit nicht genug: Maximilian Eisenmenger erhöhte drei Minuten später aus spitzem Winkel zum 2:0. 

Die Löwen waren am Drücker – und leisteten sich doch noch einen Aussetzer: Als der ehemalige Frankfurter Pawel Dronia drei Sekunden vor dem Abschnittsende die Scheibe zum Anschlusstreffer ins Netz schieben durfte, war das gesamte Löwen-Rudel einschließlich Goalie Ilya Andryukhov offenbar in Gedanken schon auf dem Weg in die Kabine, das war bitter. 

Bloß nicht wieder eine Führung hergeben – das dritte Drittel wurde gerade mit den Erfahrungen dieser Serie umso mehr auch eine Herausforderung für die Frankfurter Nerven. Dass auf den Wiederbeginn bald eine Pause aus ungewöhnlichem Anlass folgte, passte auf gewisse Weise auch zu diesen Finalrunden voller Wendungen: Bei einer Attacke des Ravensburgers Sören Sturm auf Carter Proft war auch Linienrichter David Tschirner heftig zu Fall gekommen, ärger als Löwe Proft. Er musste behandelt und angeschlagen vom Eis geleitet, das Spiel mit einem Linienrichter weitergeführt werden.

Ranta wird ein Löwe 

Die Löwen versuchten danach, die Kontrolle zu behalten, hektisch wurde es natürlich trotzdem. Vor allem als die Unparteiischen zweieinhalb Minuten vor Schluss eine fragwürdige Strafzeit wegen Spielverzögerung aussprachen, nachdem Proft den Puck angeblich absichtlich über die Löwen-Bank ins Aus geschlagen hatte – und die Gummihühner flogen als traditionelles Zeichen des Volkszorns aufs Eis. Andryukhov aber verhinderte zwei Mal prächtig den Ausgleich, die Sekunden tickten herab. 

Als Eddie Lewandowski 14 Zeigerschläge vor Schuss ins in den Ausgleichsbemühungen zugunsten eines sechsten Feldspielers verwaiste Towerstars-Tor traf, brachen alle Löwen-Dämme, und bei Driendl brannten ein paar Sicherungen durch. Hinter den Kulissen sind die Planungen für den Neustart nach der Sommerpause unterdessen längst angelaufen, die Löwen haben dabei einen Hochkaräter dieser Klasse angelockt: Roope Ranta, Top-Scorer der DEL-2-Hauptrunde. Wie auch das Fachmagazin „Eishockey-News“ vermeldet, kommt der 30-jährige finnische Stürmer von den Heilbronner Falken zur neuen Saison nach Frankfurt, das deckt sich mit Informationen dieser Zeitung. 

Das aber ist Zukunftsmusik und die Geschichte dieser Saison nun noch nicht fertig geschrieben. „Ich bin stolz auf meine Mannschaft“, sagte Tiilikainen, „aber die nächste Aufgabe ist: Wir müssen am Sonntag gewinnen.“ Es soll nicht der letzte Termin dieser Saison sein.

von Markus Katzenbach

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