+
Zurück an die Arbeit: Franz-David Fritzmeier (Mitte) und die Löwen dürfen wieder aufs Eis.

Frohe Kunde aus dem Löwen-Labor

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
    schließen

Frankfurt darf die Corona-Quarantäne beenden - und erwartet ein rappelvolles Programm. Gleich nach dem Kaltstart, bis zum Schluss.

Frankfurt – Die frohe Kunde kam am Donnerstagnachmittag aus dem Labor. „Alle PCR-Tests sind negativ ausgefallen“, berichtete Franz-David Fritzmeier und kündigte prompt an: „Morgen ist Training.“ Die Frankfurter Löwen können wieder loslegen, endlich, nach zwei Corona-Quarantänen gleich hintereinander, die Spieler hatten schon mit den Hufen gescharrt. Lange waren sie zur Untätigkeit verdammt gewesen, hatten seit dem zweiten Weihnachtsfeiertag nicht mehr gespielt und auch nur drei Mal trainiert. Dafür kommt nach der Zwangspause und dem Kaltstart zurück aufs Eis ein rappelvolles Programm auf sie zu, und auf Sportdirektor Fritzmeier, neuerdings ja gleichzeitig Trainer, ebenso: „Das wird jetzt richtig knackig“, sagt er.

Nach nur vier Tagen Training steht am Dienstagabend die Auswärtspartie beim ESV Kaufbeuren an, drei Tage später die nächste bei den Freiburger Wölfen, am Sonntag darauf das Heimspiel gegen die Lausitzer Füchse – und so wird das dann weitergehen, mit drei Spielen pro Woche, insgesamt 37, bis zum planmäßigen Ende der DEL-2-Hauptrunde am 11. April. Falls nichts dazwischenkommt, was in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys in den ersten Monaten dieser Saison unter speziellen Corona-Umständen regelmäßig der Fall war. Auch bei den Löwen, bei denen erst Gegner nach positiven Tests passen und die dann selbst wochenlang aussetzen mussten. Statt 21 haben sie erst 15 Partien bestritten. Und einiges nachzuholen.

„Uns hat es schwer getroffen“, meint Fritzmeier. „Wir hatten zwar nicht viele Fälle, aber eine lange Pause.“ Am 27. Dezember war bei Coach Marko Raita eine Covid-19-Infektion diagnostiziert worden, alle Löwen gingen in Quarantäne – während der Stürmer Martin Buchwieser und Verteidiger Christian Obu ebenfalls positiv getestet wurden. Der große Rest wollte sich, aus der Isolation entlassen, am 5. Januar, in den Bus zum Spiel in Bayreuth setzen, als auch bei Verteidiger David Suvanto ein Schnelltest anschlug. Und weil alle gemeinsam drei Tage trainiert hatten, war die Ansage aus dem Gesundheitsamt klar. „Da kam sofort der Anruf: Alle nach Hause“, erinnert sich Fritzmeier, für den das auch galt.

Gegenseitige Hilfe

unter Löwen

Das Wichtigste: Die betroffenen Löwen sind frei von Symptomen oder haben zumindest milde Verläufe. Auch Stürmer Carter Proft, der während der zweiten Quarantäne erkrankte und fürs Erste fehlen wird. Fritzmeier sieht sich in diesem Fall bestätigt, den Spielern keine Trainingsanweisungen nach Hause gegeben zu haben. „Das war uns zu gefährlich.“ Mögliche Folgeschäden wie in DEL und DEL 2 zuletzt schon vorgekommene Herzmuskelentzündungen, durch möglicherweise unentdeckte Infektion, wollte man auf keinen Fall riskieren.

„Ein sensibles Thema“, sagt Fritzmeier. „Aber wir haben uns viel mit den Spielern ausgetauscht, es ist alles okay.“ Auch mit der Versorgung während der Quarantäne: „Wenn jemand was brauchte, wurde das vom Verein organisiert“, erklärt Fritzmeier, „und die Spieler haben sich auch untereinander ausgeholfen“. Beziehungsweise deren Frauen, die nicht als Kontaktpersonen erster Kategorie galten und so nicht an den Hausarrest gebunden waren. Und so erledigte die Frau von Torwart Patrick Klein, Nachbarn einiger junger Löwen, die Einkäufe auch für die Talente-WG mit.

Dem Sportdirektor selbst ist in der Quarantäne nicht langweilig geworden. „Eigentlich war es eine sehr erfüllte Zeit“, sagt er. Eine Vertragsangelegenheiten waren zu erledigen, wie immer viele Telefonate zu führen, viele Eishockeyspiele anzuschauen. Fritzmeier nutzte die Zeit auch, um sich mit Videoanalysen noch tiefer in den neuen Zweitjob als Trainer einzuarbeiten – nur eben ohne aufs Eis zu dürfen.

„Wir müssen uns

jetzt durchbeißen“

Viel telefoniert hat er in den vergangenen Tagen auch mit den Gesundheitsämter der Region, abhängig von den Wohnorten der Spieler: Die Löwen verteilen sich auf Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Hochtaunus- und Main-Kinzig-Kreis. „Das war ein sehr guter Austausch, obwohl die Ämter in diesen Zeiten sehr viel Arbeit haben“, betont Fritzmeier. Nun galt: Alle Löwen, die nach zehn Tagen Isolation negativ getestet werden, dürfen wieder an die Arbeit – was gestern dann durch die Bank der Fall war.

„Gott sei Dank“, sagt der Sportdirektor. Auch er, der nach der Trennung von Headcoach Olli Salo infolge des enttäuschenden ersten Saisonabschnitts am 19. Dezember dieses Amt mit übernommen hatte, war ja voll ausgebremst worden: Drei Siege in sechs Tagen, dann ging nichts mehr. „Wir müssen jetzt daran anknüpfen, wo wir aufgehört haben, fordert er. Fast ohne Training. Klar ist trotzdem: „Eine Schwächephase können wir uns nicht mehr erlauben. Wir müssen die Situation annehmen, uns durchbeißen und so viele Spiele wie möglich gewinnen, bis zum Schluss.“

Und wenn bald der nächste Corona-Stopp kommt? Oder eine Mannschaft während der Play-offs in Quarantäne muss? „Wir können es nur von Tag zu Tag angehen“, meint der Löwen-Manager. In der Hoffnung, „dass alle Mannschaften stabil und gesund bleiben und wir einen halbwegs sportlichen Wettbewerb haben“. Vor allem indes hofft Franz-David Fritzmeier, „dass wir bald in der Welt wieder ein bisschen mehr Normalität haben“, denn: „Das würde auch für uns im Eishockey wieder mehr Normalität bedeuten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare