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Gelungene Premieren, gutes Löwen-Ende

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Von: Markus Katzenbach

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Frankfurter Glücksgefühle: Yannick Wenzel kann seine ersten DEL-Tore feiern.
Frankfurter Glücksgefühle: Yannick Wenzel kann seine ersten DEL-Tore feiern. © Nadine Roith/Jan Huebner

Die Frankfurter Löwen halten Bietigheim auf weitem Abstand - mit ungewohnter Rollenverteilung und seltenen Torschützen.

Frankfurt -Genau 10,4 Sekunden verblieben noch auf der Anzeigetafel, als den Premieren des Freitagabends eine weitere hinzugefügt wurde, gerade noch rechtzeitig, kurz vor der letzten Sirene. Carter Rowney schoss den Puck übers halbe Feld in das inmitten eher hoffnungsloser Ausgleichsbemühungen verwaiste Tor der Bietigheim Steelers - und das halbe Dutzend war voll, erstmals in dieser Saison. Sechs Treffer hatten die Frankfurter Löwen in dieser Spielzeit der ersten Klasse des deutschen Eishockeys bislang weder erzielt noch kassiert. Insofern war das 6:3 (3:1, 2:1, 1:1) gegen den alten Zweitliga-Erzrivalen vor 5606 Zuschauern in der wieder gut gefüllten Eissporthalle am Ratsweg auch in dieser Hinsicht ein Novum - und nicht unwichtig, wenn man an Frankfurter Klassenerhaltsfragen denkt.

„Wir haben die Schüsse aufs Tor gebracht und wurden dafür belohnt“, sagte Assistenzkapitän Kevin Maginot, der selbst zwei Treffer zum guten Ausgang beigetragen hatte. Stolze 40 Punkte aus 26 Partien sind nun ein sattes Polster zu zumindest einem Abstiegsplatzanwärter, 21 mehr als Bietigheim - schwer zu glauben, dass der immer weiter abgeschlagene Tabellenletzte diese Lücke zu den Löwen noch schließen kann, trotz noch 30 ausstehender Hauptrundenspiele.

Zwei Absteiger kann es geben, eine Mannschaft hat man bereits weit hinter sich gebracht. Umso mehr nach einem Abend mit ungewohnten Rollenverteilungen - angefangen damit, dass die Frankfurter Aufsteiger ausnahmsweise einmal als Favorit aufs Eis gingen, das sind die Neulinge in der ersten Liga naturgemäß sonst fast nie. Tatsächlich stellten sich die Kräfteverhältnisse auf dem Eis dann auch so dar.

Zwar gingen die Bietigheimer mit ihrem neuen Coach Pekka Kangasalusta nach einem Fehler im Löwen-Aufbau etwas aus dem Nichts in Führung, durch Mathew Maione in der zehnten Minute. Kurz darauf patzten sie allerdings selbst noch ärger in der Abwehr, Yannick Wenzel schnappte sich den Puck und trickste ihn geschickt am später entnervt ausgetauschten Steelers-Goalie Cody Brenner vorbei ins Tor (12.) - sein erster DEL-Treffer im 28. Spiel, gegen seinen alten Verein. „So ist das manchmal im Sport“, sagte der 24-jährige Stürmer mit einem Grinsen und einem Achselzucken im Interview nach dem ersten Drittel bei Magentasport. Nach dem Bietigheimer Aufstieg 2021 hatte er dort keine Rolle mehr gespielt und war in die zweite Liga nach Frankfurt gewechselt. Das Wiedersehen nach seinem zweiten persönlichen Aufstieg war jetzt der passende Termin für den Premierentreffer.

„Ich habe vorher viele Chancen vergeben. Es ist ein schönes Gefühl, sich mal belohnt zu haben“, bekannte Wenzel und sprach auch von einem Hallo-Wach-Effekt des plötzlichen Rückstands: „Danach haben wir gespielt, was wir können.“ Die Löwen waren dann in allen Belangen überlegen, legten im Zwei-Minuten-Takt durch Kevin Maginot (14.) und Brett Breitkreuz (16.) zwei weitere Tore nach. Wobei letzteres keine Premiere war, aber auch eher eine Seltenheit, als Produkt des zuletzt so zähen Frankfurter Powerplays, das mit Dominik Bokks Direktschüssen aus halblinker Position wie vor diesem 3:1 diesmal gefährlicher war. Wenzel wiederum und Maginot, vorher auch erst einmal in der DEL erfolgreich, waren auf den Geschmack gekommen: Beide trafen gleich noch einmal, erst wieder Wenzel (25.), dann Maginot (32.).

Hinterher leisteten sich die Löwen die eine oder andere Nachlässigkeit und Strafzeit, das hätte man sich leichter machen können. Evan Jasper (32.) und Daniel Weiss (47.) trafen in Bietigheimer Überzahl, für Frankfurt war dieser zwölfte trotzdem der bislang am wenigsten gefährdete Saisonsieg. Was auch an einem weiteren lange nicht mehr gekannten Löwen-Gefühl lag: Endlich konnten sie wieder mit vier vollwertigen Reihen angreifen, gar mit Rylan Schwartz als zusätzlichem Angreifer - er und der ebenfalls sein Comeback gebende Ryon Moser praktizierten eine Art Jobsharing zur Wiedereingliederung nach längerer Verletzungspause.

Hatten in den zurückliegenden Wochen stets ein gutes halbes Dutzend Löwen gefehlt, waren es nun nur noch Reece Scarlett, Brendan Ranford und der erkrankte David Elsner, auch Rowney und Magnus Eisenmenger waren wieder einsatzbereit. Auf sie wartet am Sonntag (19 Uhr) ein Besuch am nördlichsten Standort der DEL, bei den Fischtown Pinguins in Bremerhaven. Zu einem Duell unter Tabellennachbarn, als Achter beim Siebten, nach einem Freitagabend mit gelungenen Frankfurter Premieren und gutem Ende.

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