1. Startseite
  2. Sport
  3. Löwen Frankfurt

Hohe Strafe für lauter Löwen-Leichtfertigkeiten

Erstellt:

Kommentare

Frankfurter Frust in Köln: Jake Hildebrand (links) und Jerry D’Amigo sind enttäuscht.
Frankfurter Frust in Köln: Jake Hildebrand (links) und Jerry D’Amigo sind enttäuscht. © Patrick Scheiber/Jan Huebner

Ein vierter Advent zum Vergessen: Beim 0:9 erwischt es die Frankfurter Aufsteiger in ihrer bis dahin insgesamt sehr erfreulichen DEL-Saison erstmals so richtig.

Köln -Als die Schmach überstanden war, ging auch Jake Hildebrand noch einmal aufs Eis und klopfte seinem Leidensgenossen Bastian Flott-Kucis tröstend auf die Schultern, geschafft, endlich. Der Stammtorwart der Frankfurter Löwen trug da längst schon eine Kappe statt des Helms auf den Kopf - nach einer guten halben Stunde und vier Toren war sein Arbeitstag beendet gewesen und stattdessen Flott-Kucis zwischen die Pfosten gerückt, dem es aber auch nicht besser ergehen sollte. Dass die bis dahin so widerstandsfähigen und insgesamt ja sehr erfolgreichen Aufsteiger in die erste Klasse des deutschen Eishockeys einen derart desaströsen vierten Adventssonntag erlebten, lag zuallerletzt an schmählich im Stich gelassenen Goalies und vielmehr an viel zu nachlässigen Vorderleuten: Das schließlich peinlich deutliche 0:9 (0:2, 0:4, 0:3) bei den Kölner Haien war die hohe Strafe für lauter Löwen-Leichtfertigkeiten und bedeutete nebenbei das Abrutschen auf Rang neun, hinter den Haien.

„Das Ergebnis spricht Bände. Wir haben Köln das komplette Spiel geschenkt, jedes Gegentor war ein Fehler von uns“, ärgerte sich Sportdirektor Franz-David Fritzmeier, der in fast auf den Tag genau fünf Frankfurter Managerjahren zuvor keine derart hohe Pleite erlebt hatte. Den aus Gäste-Sicht so unerfreulichen Besuch in der größten Halle der DEL vor stattlichen 13 803 Zuschauern fasste er so zusammen: „Wir haben direkt zwei schnelle Gegentore kassiert, viele Möglichkeiten gehabt, aber nicht genutzt, und sind dann ins offene Messer gelaufen. Der Rest war nicht schön.“

Was gewiss noch einmal aufgearbeitet wird, Headcoach Gerry Fleming kündigte gleich eine Videositzung an, vermutlich etwas länger und voller Löwen-Fehler. Sinnbildlich dafür stand David Elsner, wie sein ebenfalls von der Grippewelle erwischte Sturmpartner Chad Nehring genesen und zurück in zweiter Reihe. Nach langen Wochen voller Löwen-Ausfälle im halben Dutzend fehlten damit zur Bestbesetzung nur noch zwei: Brendan Ranford und Reece Scarlett, die auch in den nächsten Wochen zurück erwartet werden. Nun allerdings droht Nathan Burns wieder auszufallen,

Dass eine vollwertige Formation indes nicht als alleinige Erfolgsgarantie taugt, dafür diente dieser Sonntagnachmittag als Beleg, gebraucht nicht nur für Rückkehrer Elsner. Erst vergab er im ersten Drittel nach dem frühen 0:2-Rückstand drei gute Gelegenheiten für einen Anschlusstreffer - und dann, als die Löwen im zweiten Akt weiter darauf drängten, vertändelte er wie so mancher Kollege davor und danach den Puck, auch noch bei eigener Überzahl, Köln konterte zu viert zum dritten Treffer.

Die ersten beiden hatte Frankfurt nach nur zwölf Sekunden und weiteren fünf Minuten hinnehmen, um nach verschlafenem Start aber die bestimmende Mannschaft zu sein. Bis zu dieser Szene, dem dritten Kölner Streich, ausgerechnet im eigenen Powerplay, ein leidiges Löwen-Dauerthema - das war der letzte Knacks. „Nach dem 0:3 wird es schwierig“, bekannte Verteidiger Kevin Maginot in der zweiten Drittelpause bei Magenta-Sport.

In 28 Erstliga-Spielen vorher hatten die Frankfurter Aufsteiger abgesehen von einem 1:5 bei Mannheimer Mannschaftsanwärtern erstaunlicherweise in jeder Partie bis kurz vor Schluss die Chance auf Punkte gehabt, einige Charakterprüfungen bestanden und viel Behauptungswillen bewiesen. Diesmal aber brachten sie diese Löwen-Tugenden nicht aufs Eis, und weder der Torwartwechsel noch eine am Ende sogar noch positive Statistik von 61:58 Schüssen änderten bei einer Fortsetzung voller Stellungs- und Abspielfehlern daran etwas.

„Wenn man 0:9 verliert, kann man nicht viel richtig gemacht haben“, wusste Headcoach Fleming. „Wenn du so spielst, passieren solche Dinge“, kritisierte er vor allem die vielen fatalen Puckverluste, Sportdirektor Fritzmeier tadelte: „So dürfen wir uns nicht demontieren lassen.“ Immerhin geht es schnell wieder weiter, am Dienstag (19.30 Uhr) daheim am Ratsweg gegen die Nürnberg Ice Tigers. Fritzmeiers Rezept dafür: „Aufarbeiten, schnell abhaken, zusammenhalten und zurückschlagen.“ Nach einem vierten Löwen-Advent zum Vergessen.

Auch interessant

Kommentare