Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier. Foto: Hübner
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Löwen-Sportdirektor Franz-David Fritzmeier. 

Eishockey

Jetzt legen die Löwen wieder richtig los

  • Markus Katzenbach
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Nach der Bestätigung des Starttermins in der DEL 2 können auch in Frankfurt die konkreten Vorbereitungen beginnen.

Frankfurt - Es ist ein Hauch von Normalität eingekehrt, in außergewöhnlichen Zeiten. Seit gut zwei Wochen nun trainieren zumindest die meisten Frankfurter Löwen wieder daheim in der Eissporthalle am Ratsweg, auch Sportdirektor Franz-David Fritzmeier hat wieder seinen während des Übungsbetriebs gewohnten Stammplatz auf der Tribüne eingenommen. Am Montag gab es sogar einen Grund zum Feiern, der junge Verteidiger Leon Hüttl überraschte die Kollegen zu seinem 20. Geburtstag mit einem selbst gebackenen Kuchen. Und natürlich sorgte obendrein die Nachricht vom Wochenende, dass die Saison in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys nun tatsächlich am 6. November beginnen soll, für allgemeine Erleichterung. "Das ist ein gutes Zeichen. Alle Beteiligten freuen sich, jetzt wieder richtig loslegen zu können", ordnet Fritzmeier den Beschluss der DEL-2-Gesellschafter ein, indes: "Wir dürfen auch die anderen Faktoren weiter nicht außer Acht lassen."

Dass in Corona-Zeiten schließlich trotz der Rückkehr zu gewissen Gewohnheiten alles anders bleibt, sieht man nicht nur in der im Sinne der Hygiene- und Abstandsregeln umgestalteten Kabine, mit Absperrungen, speziellen Wegführungen und anderen Vorsichtsmaßnahmen. Auf dem Eis tummeln sich auch nur 14, 15 Löwen, und das eingeschränkt: Die Spieler sind noch in Kurzarbeit, Trainingseinheiten nur in diesem Rahmen möglich. Und acht Frankfurter Puckjäger fehlen ganz, sind noch nicht in Frankfurt oder können nur privat trainieren: Sie haben ihre Arbeitspapiere erst unterzeichnet, nachdem die DEL 2 eine Pandemie-Klausel mit aufschiebender Wirkung in ihren Standardvertrag festgeschrieben hat: Zum wirtschaftlichen Schutz der Clubs in unsicherer Corona-Lage laufen die Verträge erst vier Wochen vor dem Ligastart an.

Für Fritzmeier ist bis dahin einiges zu tun. "Das werden zwei knackige Wochen", sagt der Manager. "Wir haben zwar wie immer gut vorgearbeitet, aber vieles kann jetzt erst konkret umgesetzt werden." Wohnungen und Autos beispielsweise bereitstellen, den einen oder anderen Spieler noch einfliegen. "Bis jetzt musste man da den Ball flach halten, zum Beispiel bei der Frage, wie viele Wohnungen mietest du an? Wenn die Saison ganz ausgefallen wäre, wäre der Mietvertrag ja geblieben. Dann fallen die Einnahmen weg, die Nebengeräusche aber bleiben", erklärt Fritzmeier Planungsschwierigkeiten im bisherigen Ungewissen - und das vor einer Saison, die nicht nur deshalb besonders ist, weil sie die zehnte seit der Löwen-Neugründung ist, sondern auch, weil sich an ihrem Ende für den Meister der zweiten Klasse die Tür in die DEL öffnet. Und das wollen die Frankfurter sein, nach wie vor.

Der Kader dafür war früh weitgehend beisammen: Wie beabsichtigt konnte das Gros der Mannschaft, die Anfang März vor den wegen der Corona-Entwicklung abgesagten Play-offs den Löwen zum zweiten Mal hintereinander den ersten Rang in der Hauptrunde sicherte, gehalten werden. In den nächsten Tagen wird noch ein deutscher Verteidiger mit DEL-Erfahrung verpflichtet, ein Platz ist noch frei für eine Verstärkung der Abwehrkraft aus dem Ausland - dann sind die Reihen komplett.

Die hohen Ambitionen bleiben, die Prioritäten haben sich allerdings etwas verschoben. Erst kommt die Gesundheit für Fritzmeier, allgemein und speziell - ein Corona-Fall im Löwen-Lager wäre in vielerlei Hinsicht ein Katastrophenszenario und würde auch wirtschaftliche Fragen berühren, die in Fritzmeiers Sicht an zweiter Stelle kommen: "Für alle Clubs und das gesamte deutsche Eishockey geht es ums Überleben"; betont der Manager, ist dabei aber "guter Hoffnung, dass die Politik mithilft, den Sport zu retten. Und wir wollen unseren Beitrag dazu leisten." Mit Beachtung der Verhaltensregeln und schlüssigen Konzepten, wie zum Saisonstart vielleicht schon mehr Zuschauer als 20 Prozent der Hallenkapazität möglich wären.

Rein sportliche Gesichtspunkte müssen da bisweilen etwas hinten anstehen, bei allem Streben nach weiterer Professionalisierung. Dass noch nicht der ganze Kader miteinander trainieren kann, ist gewiss nicht ideal, Fritzmeier sieht aber lieber das Positive. So hat zum Beispiel der neue Headcoach Olli Salo Zeit, sich am Ratsweg einzugewöhnen. Und zudem Zeit, auf dem Eis mit den vielen jungen Frankfurter Spielern an individuellen Fertigkeiten zu arbeiten, an Lauf-und Schusstechnik oder Zweikampfführung.

Schon lange wünscht sich Franz-David Fritzmeier für solche Zwecke Eis über den Sommer, wie im großen Eishockey üblich. In Frankfurt war es diesmal erst Anfang September bereitet. Wenn das Einstudieren der Systeme und das Einspielen in voller Mannschaftsstärke beginnt, bleibt kein Raum für die Förderung einzelner Talente. Nun aber, da die Saison um fast zwei Monate verschoben ist, kommt sich Fritzmeier im September fast vor wie im Juli, mitsamt Sommer-Eis. Und jetzt geht es ja auch für alle bald wieder richtig los.

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