Alter Löwe gegen aktuellen Löwen: Der frühere Frankfurter Meister C.J. Stretch (links) trifft mit Bietigheim auf Luis Schinko und Co.
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Alter Löwe gegen aktuellen Löwen: Der frühere Frankfurter Meister C.J. Stretch (links) trifft mit Bietigheim auf Luis Schinko und Co.

Eishockey

Jetzt zählt es für die Löwen

In den Play-offs einer schwierigen Frankfurter DEL-2-Saison geht es nun um die Meisterschaft und diesmal auch um dem Aufstieg. Dabei wartet gleich ein Erzrivale.

Frankfurt -Bevor es losgeht mit der spannendsten Zeit des Eishockey-Jahres gab es unter den Frankfurter Löwen schon einige Anlässe für gegenseitige Glückwünsche. Am Sonntag wurde Franz-David Fritzmeier, Sportdirektor und Headcoach des ambitionierten Zweitligisten, 41 Jahre alt, am Dienstag Spitzenangreifer Stephen MacAulay 29, am Mittwoch Torwart Bastian Kucis 24. Allzu groß gewürdigt ,wurden diese Termine allerdings nicht. "Da gratuliert man sich nur", berichtet Fritzmeier, "aber es gibt noch nichts zu feiern".

Größere Partys sind in Corona-Zeiten ohnehin kein Thema, und die Löwen haben gerade auch anderes vor: An diesem Freitag (19.30 Uhr) schließlich beginnen für den Meisterschafts- und Aufstiegsanwärter mit dem ersten Viertelfinale bei den Bietigheim Steelers die Play-offs in der DEL 2, am Sonntag (18.30 Uhr) geht es zu Hause am Ratsweg weiter - und gefeiert wird, wenn überhaupt, erst hinterher, sollte der Endspurt einer kniffligen Saison tatsächlich bis zum Traumziel erster Klasse führen.

"Jetzt zählt es", sagt Fritzmeier, Gleich gegen einen Erzrivalen - und zudem neben den Kassel Huskies einzigen Mitbewerber um den endlich wieder möglichen Aufstieg in die DEL, der einem Zweitliga-Meister aus Kassel, Bietigheim oder Frankfurt vergönnt wäre. Gegen einige alte Bekannte geht es auch: C.J. Stretch, Brett Breitkreuz, Tim Schüle und Jimmy Hertel waren Teil der jüngeren Löwen-Vergangenheit, nun stehen sie auf der anderen Seite.

So oder so ist die Begegnung der Meister von 2017 (Frankfurt) und 2018 (Bietigheim) die brisanteste zum Start der Play-offs, diesmal wegen des späten Saisonstarts aus Corona-Gründen von Best-Of-Seven auf Best-Of-Five verkürzt: Wer drei Spiele gewinnt, zieht weiter. Fritzmeier weiß, was im Duell mit dem Hauptrunden-Vierten auf diesmal nur fünftplatzierte Frankfurter zukommt. "Bietigheim ist eine sehr erfahrene Mannschaft, die ihre Stärken im Powerplay und im Kontern hat", meint er. "Sie werden versuchen, sehr defensiv zu spielen, um uns dann auszukontern. So wie sie uns in den ersten drei Spielen geschlagen haben."

Ein 2:7 in der enttäuschenden ersten Saisonphase unter dem kurz vor Weihnachten dann durch Fritzmeier selbst ersetzten Headcoach Olli Salo und ein 0:5 im Dauerstress nach der Corona-Zwangspause in Bietigheim, ein selbst verschuldetes 5:7 ohne die nötige Abwehrbereitschaft daheim: Dass die Löwen aus diesen Vorführungen immerhin Lehren ziehen konnten, zeigte dann das 3:2 am 18. März, im vierten Punktrunden-Treffen. "Wir wollen schon aggressiv und dominant spielen, aber wir brauchen eine starke defensive Performance", betont Fritzmeier. Scheibenverluste und andere Nachlässigkeiten sind erfahrungsgemäß gerade gegen Bietigheim gefährlich. Generell gilt für ihn: "Wir müssen unsere Top-Leistung und unsere Werte abrufen. Dann sind wir in dieser Saison fast immer als Sieger vom Platz gegangen."

Ausgerechnet dieser dritte und entscheidende Teil ihres Dreijahresplans für den DEL-Aufstieg indes hat sich für die Löwen als der komplizierteste erwiesen, nach zuvor zwei ersten Hauptrunden-Plätzen. Nicht nur, aber auch aus Corona-Gründen, wie die dreieinhalbwöchige Unterbrechung im Spielbetrieb wegen zwei kollektiver Quarantänen und die folgende Nachholterminhatz, da blieben auch Punkte auf der Strecke. Dazu kamen gravierende Ausfälle, vom ersten bis zum letzten Bully der nach mehreren Corona-Fällen in Bietigheim, Bad Nauheim, Freiburg und Heilbronn drei Spiele vor Schluss abgebrochenen Hauptrunde: Mit Kapitän Adam Mitchell, Manuel Strodel und David Suvanto werden drei Leistungsträger auch in den Wochen der Entscheidung vermisst, vor dem Viertelfinale stehen Fragezeichen hinter Sebastian Collberg, Eduard Lewandowski und Christian Kretschmann. Die Löwen dürften trotzdem wieder mit recht vollen Reihen auflaufen können. Ein ungewohntes Gefühl, wie die 17 spielfreien Tage zwischen letztem Punktspiel und erstem Viertelfinale - unter anderem wegen der Bietigheimer Quarantäne um drei Tage nach hinten verschoben.

"Die Pause hat uns gut getan. Es war eine lange, strapaziöse Saison, mit vielen Dingen, die passiert sind. Jetzt geht es aber für alle wieder bei Null los", sagt Fritzmeier. "Wir hatten noch einmal Zeit, an verschiedenen Spielsituationen zu arbeiten, uns auf Bietigheim vorzubereiten. Die Jungs sind wieder frisch und voller Vorfreude." Die Favoritenrolle in Titelfragen liegt nicht nur für ihn bei der in der Punktrunde überzeugenden Kasseler Konkurrenz, "wir sind aber überzeugt, dass wir es auch schaffen können", betont der Frankfurter Trainermanager und fügt an: "Wichtig ist auch, dass gesund bleiben."

Die regelmäßigen Corona-Tests werden bang verfolgt werden. "Dieses Damoklesschwert hängt über jedem", meint Franz-David Fritzmeier. "Die Play-offs werden nicht nur auf dem Eis entschieden."

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