1. Startseite
  2. Sport
  3. Löwen Frankfurt

Keine Löwen-Belohnung im ungleichen Duell

Erstellt:

Von: Markus Katzenbach

Kommentare

Löwen-Goalie Jake Hildebrand kann es nicht verhindern: München gleicht in dieser Szene zum zwischenzeitlichen 2:2 aus.
Löwen-Goalie Jake Hildebrand kann es nicht verhindern: München gleicht in dieser Szene zum zwischenzeitlichen 2:2 aus. © Patrick Scheiber/Jan Huebner

Gegen den Spitzenreiter München verlieren die starken Frankfurter DEL-Aufsteiger knapp mit 2:3 - eine Niederlage, die aber aller Ehren wert ist.

Frankfurt -Carson McMillan bot sich noch eine große Gelegenheit, Reece Scarlett scheiterte mit seinem Schuss, doch diesmal sollte es nicht sein. Ein paar Sekunden später hatten die Frankfurter Löwen das ungleiche Duell gegen den normalerweise übermächtigen EHC Red Bull München verloren, gefeiert wurden die Aufsteiger in die erste Klasse des deutschen Eishockeys am Freitagabend von ihrem Anhang trotzdem ganz zurecht, nach einer 2:3 (1:1, 1:1, 0:1)-Niederlage, die aller Ehren wert war. „Wir wissen, es sind sehr gute Gegner. Aber wir verstecken uns vor niemandem und nehmen die positiven Sachen mit“, meinte der mit zwei Toren herausragende Dominik Bokk bei Magenta-Sport. „Das Gute ist, dass wir in Mannheim und auch heute das Spiel hätten gewinnen können.“ Das konnte man so sagen.

Nach dem spektakulär errungen Bonuspunkt beim 2:3 nach Penaltyschießen am Mittwoch in Mannheim und vor dem nächsten Treffen mit den besten drei der DEL-Rangliste am Sonntag (16.30 Uhr) in Ingolstadt hatten die Löwen mitten in ihren Top-Drei-Tagen und zum ersten Heimspiel des Jahres 2023 den größtmöglichen Brocken serviert bekommen: den unangefochtenen Tabellenführer, vor 6990 Zuschauern in der wieder ausverkauften Eissporthalle am Ratsweg - und trugen auch ohne glückliches Ende ihren Part zu einer hochklassigen, intensiven Begegnung bei.

Es begann schon furios: Die Partie hatte gerade erst angefangen, da konnte der Münchner Nationaltorhüter Mathias Niederberger sich glücklich schätzen, den von Brendan Ranford geschossenen Puck nicht unter sich ins eigene Tor rutschen zu lassen und den folgenden Schuss abwehren zu können - und war dann doch geschlagen. Dominik Bokk ließ einen Verteidiger elegant ins Leere laufen und Niederberger mit der Rückhand keine Chance, ein meisterhaftes Tor des jungen Starstürmers, nach nur 36 Sekunden.

Überhaupt sollten die Löwen über weite Teile dieses ersten Drittels gegen die in dieser Saison bislang eindeutig beste Mannschaft der DEL die eindeutig bessere Mannschaft sein. Mit aggressivem Forechecking, mutigen Angriffen und guten weiteren Chancen durch Ranford, Bokk oder Brett Breitkreuz. Dass sie zur ersten Pause nicht führten, war so eine bittere Pointe: Einmal hatten sie den Puck nicht klären können, und den Schlagschuss von Daryl Boyle lenkte sein Münchner Kollege Christopher Desousa genau 36 Sekunden vor Drittelende mit dem Schlittschuh ins Löwen-Tor. Die Schiedsrichter wollten dabei auch in der Videowiederholung keine verbotene Kickbewegung sehen, das hätte man gewiss anders entscheiden können.

Nicht zum ersten Mal in diesen Wochen hatten die Löwen allen Grund, mit den Urteilen der Unparteiischen zu hadern, auch später noch einmal, als ihr Goalie Jake Hildebrand ungestraft über den Haufen gerannt wurde. „Wir wollten vor der Kulisse gut ins Spiel kommen, das ist uns glaube ich gelungen. Es war ein bisschen unglücklich mit dem Tor kurz vor Schluss, aber wir sind auf einem guten Weg“, konnte der Frankfurter Verteidiger Simon Sezemsky so oder so nach dem ersten Drittel bei Magenta-Sport bilanzieren, und das galt ebenso für das zweite - selbst wenn die Münchner jetzt auch aufdrehten. Aber die Löwen hielten dagegen.

In einem offenen Schlagabtausch prasselten nun hüben wie drüben Hochkaräter auf die Goalies hinab, Hildebrand und Niederberger zauberten sie allesamt hinweg. Bis die Löwen-Paradereihe wieder zuschlug und Bokk Ranfords treffliche Vorlage nur noch ins Tor schieben musste (34.). Und nach einem unglücklichen Scheibenverlust des sonst so starken Ranford Maksymilian Szuber wieder ausglich (39.).

Die Stimmung erinnerte längst an den Coup mit dem 4:3 nach Penaltyschießen Ende September, eine von bis dahin nur drei Münchner Auswärtsniederlagen - und in Frankfurt der vielleicht größte von vielen Höhepunkten der ersten Hauptrunden-Hälfte. Beim Wiedersehen mussten die Löwen ohne ihren angeschlagenen Kapitän McNeill und den erkrankten Yannick Wenzel auskommen, und nach dem ersten Drittel auch ohne den vom einem Puck im Gesicht getroffenen Daniel Wirt. Und anders als die am Mittwoch spielfreien Münchner hatten sie zwei Tage zuvor noch einen erbitterten Kampf über 65 Minuten hingelegt.

Vielleicht fehlten dem Tabellenneunten so schließlich etwas die Kräfte für einen weiteren Willensakt. Etwas leicht und schnell hatten die Löwen durch Ryan McKiernan im Schlussabschnitt das 2:3 kassiert und gegen fortan sehr kontrolliert auftretende Spitzenreiter, die da ihre ganze Klasse zeigten, erst zum Schluss wieder für richtig Gefahr sorgen können, diesmal ohne Glück. Wie diese Aufsteiger gegen den Primus der Klasse mithielten, blieb indes bemerkenswert, nicht nur kämpferisch, auch mit starken spielerischen Mitteln. Und mit Löwen-Mut.

Auch interessant

Kommentare