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Langweilig wird es mit den Löwen nie

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Von: Markus Katzenbach

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Lauter zufriedene Löwen-Gesichter: Kevin Maginot (von links), Reid McNeill, Carson McMillan, Nathan Burns und ihre Kollegen haben bislang mehr erreicht, als man erwarten durfte.
Lauter zufriedene Löwen-Gesichter: Kevin Maginot (von links), Reid McNeill, Carson McMillan, Nathan Burns und ihre Kollegen haben bislang mehr erreicht, als man erwarten durfte. © Jan Huebner

Nach gut der Hälfte der Hauptrunde können die Frankfurter DEL-Aufsteiger sehr zufrieden sein mit ihrer Zwischenbilanz - auch wenn das positive Denken nach der bitteren Schlusspointe zuletzt kurz schwer fallen mag.

Frankfurt -Es dauerte nach der plötzlichen Ernüchterung des Dienstagsabends nicht lange, bis Franz-David Fritzmeier sein positives Denken wiedergefunden hatte. „Wir müssen uns immer weiter verbessern. Auch das wird uns dabei helfen“, befand der Sportdirektor der Löwen Frankfurt über die so bitter zu Ende gegangene Begegnung gegen die Nürnberg Ice Tigers, mit dem entscheidenden Gegentor in allerletzter Sekunde, nach 60 durchgängig dominierten Minuten zuvor und Gelegenheiten für mindestens zwei, drei Spiele. Zu Fritzmeiers festen Meinungen aber zählt, dass mit Zuversicht vieles leichter fällt, und tatsächlich sind die Aufsteiger in die erste Klasse des deutschen Eishockeys damit gut gefahren - mochte der aberwitzige Ausgang des Abends noch so die kurzfristige Stimmungslage und ein wenig auch die Zwischenbilanz drücken.

Statt in Tuchfühlung mit dem sechsten, siebten Platz zu bleiben, wie es bei einem Sieg gewesen wäre, ist man als Neunter etwas näher an das untere Drittel der DEL-Rangliste gerutscht. Der Abstand zur Abstiegszone aber erscheint immer noch beachtlich: 13 Punkte vor den Augsburger Panthern, 22 vor den Bietigheim Steelers, bei bis zu zwei möglichen Absteigern. Wobei Fritzmeier und seine insgesamt schon so manche Erwartungen übertreffenden Löwen gar nicht ständig auf die Tabelle schauen wollen, eher von Spiel zu Spiel, Punkt für Punkt, die eigene Ausbeute im Blick behaltend. Mit 43 Zählern aus nun 30 Partien, etwas mehr als die Hälfte der 56 Hauptrundenspiele, kann man da als Neuling in der DEL sehr zufrieden sein.

Achtbare Ergebnisse, bleibende Erlebnisse

„Wir schätzen uns glücklich, so viele Punkte zu haben“, sagt Fritzmeier. „Wir haben gezeigt, dass wir gegen jede Mannschaft Punkte holen wollen und können. Wir wissen aber auch, dass es für einen Aufsteiger keine Selbstverständlichkeit ist, in jedem Spiel zu punkten.“ Tatsächlich haben die Löwen inzwischen 13 der mit ihnen 15 DEL-Teams mindestens einmal zum Gegner gehabt, nur Augsburg noch nicht, dem schrägen Spielplan geschuldet, und gegen jede Mannschaft Zählbares errungen, gegen Branchengrößen wie Tabellenführer München, den kriselnden Titelverteidiger Berlin oder Geheimfavorit Wolfsburg sogar Siege errungen, teils spektakulär, langweilig wird es mit den Löwen nie - zu den achtbaren Ergebnissen gesellten sich schon einige bleibende Erlebnisse. Erstaunlich genug, dass sie in fast allen bisherigen Spielen bis kurz vor Schluss um Punkte kämpfen konnten. Fast schon legendär sind die späten Ausgleiche mit acht Last-Minutes-Toren, ohne Torwart, mit sechs Feldspielern, voller Löwen-Herz: Diese Überzahl können sie besser als jeder andere, ganz anders als das zuletzt zwar wieder verbesserte, aber sehr ausbaufähige normale Powerplay.

„Der Wille der Mannschaft ist phänomenal“, lobt Fritzmeier. Auch dieser Plan ist aufgegangen: 16 Zweitliga-Meister und damit den Schwung, Zusammenhalt und Spirit des Aufstiegs mitzunehmen, gezielt verstärkt um dann auch voll einschlagende Leistungsträger wie Carter Rowney oder Dominik Bokk, die zwischenzeitlich gar die Highscorer-Ranglisten anführten.

Löwen zurück im angestammten Revier

„Wir wissen, wo wir herkommen, aber wir wissen auch, was wir können. Die Vision, dass wir das gemeinsam schaffen, ist von Anfang an da“, sagt der Manager. Die Umgewöhnung auf die erste Klasse gelang bemerkenswert schnell. „Vom ersten Moment hat es sich ganz normal angefühlt“, meint er - als wären die Löwen ganz einfach zurück in ihrem angestammten Revier.

Selbst durch die heftige Verletzungsmisere mit wochenlangen Ausfällen im guten halben Dutzend ist man ordentlich durchgekommen. Auch wenn es bisweilen etwas zäher lief. „Solche Ausfälle können wir eigentlich nicht kompensieren“, meint Fritzmeier. Zumal zwei fest eingeplante Stützen am längsten fehlten: Brendan Ranford, zum Zeitpunkt seiner Verletzung Ende Oktober Topscorer der DEL, und Nummer-eins-Verteidiger Reece Scarlett.

Nächste Woche werden beide endlich zurück erwartet, mitten im üblichen Terminstress rund um Weihnachten und Silvester, mit jetzt acht Spielen in 17 Tagen. Angefangen mit dem Empfang des Tabellendritten ERC Ingolstadt am Freitag (19.30 Uhr). Lauter Gelegenheiten, den jüngsten Frankfurter Frust zu verarbeiten - das desaströse 0:9 in Köln am Sonntag, das bittere 1:2 gegen Nürnberg danach.

„Es stimmt mich positiv, dass wir nach so einer Niederlage so rauskommen und das Spiel gegen eine gestandene DEL-Mannschaft bestimmen, auch wenn wir nicht gewonnen haben“, sagt Fritzmeier und fügt über den für einen Aufsteiger nicht untypischen Mangel an Abschlussglück und -geschick an: „Das ist auch Realität. Es gehören auch Tage dazu, wo du ein bisschen Pech hast oder es ganz Scheiße läuft.“

Beides haben die Löwen gerade in zwei Tagen hinter sich gebracht, an der Grundhaltung ändert das nichts. Wer sich mit Franz-David Fritzmeier darüber unterhält, hört öfter auch Begriffe wie Dankbarkeit und Demut. „Wir haben lange dafür gearbeitet, hier zu sein. Wir wollen in dieser Liga spielen, auch die nächsten Jahre“, betont er und freut sich über jeden einzelnen Termin: „Für uns ist jedes Spiel in der DEL ein Genuss.“ Auch wenn das an manchen Dienstagabenden kurz schwer fallen mag.

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