Die Löwen im Fokus: Kamerafrau Sandra Kunzler.
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Die Löwen im Fokus: Kamerafrau Sandra Kunzler.

Eishockey

Live dabei mit den ehrenamtlichen Löwen-Filmern

Dirk Seyboth und Co. setzen die Frankfurter Löwen in die richtigen Bewegtbilder - ein Hobby, das in Corona-Zeiten besonders hilfreich ist.

Frankfurt -An die Anfänge kann sich Dirk Seyboth noch gut erinnern, da sprudeln gleich einige Anekdoten aus ihm heraus. Unterwegs mit Patrick Bernecker und seinem legendären Live-Radio zu noch erstklassigen Lions-Zeiten, 60 Minuten Eishockey in fremden Hallen mit einem Camcorder aus der Hand gefilmt. "Verbotenerweise" sagt Seyboth und lacht, zu Hause wurden daraus Highlight-Clips. "Damals hat in der DEL sonst keiner so was hingekriegt. Da waren wir ein bisschen Vorreiter", erinnert er sich.

Zumindest in dem einen oder anderen Punkt gilt das in Frankfurt heute noch. Die 2010 Pleite gegangenen Lions sind längst Geschichte, Seyboth aber geht seinem Hobby weiter und auf inzwischen ziemlich professionelle Weise nach, in einem Team ehrenamtlicher Fernsehleute, im Einsatz für den Nachfolgeverein Löwen Frankfurt. Was in den Beschränkungen der Corona-Zeit besonders hilfreich ist: In die sonst mit bis zu 7000 Zuschauern gefüllte Eissporthalle am Ratsweg dürfen schließlich derzeit keine Fans, die Übertragungen auf Sprade-TV sind die einzige Möglichkeit, die Spiele live zu verfolgen.

Seit 2015 werden die Partien der Löwen auf dem Onlinesender gezeigt, wie alle Spiele der zweiten Liga - und an allen 14 Standorten kümmern sich die Clubs mit ihren Helfern selbst um die Produktion, um Kamerabilder, Kommentar und alles, was dazugehört. Sprade, ursprünglich als soziales Netzwerk für Eishockeyspieler und -fans gedacht, stellt die Plattform, auch für die Bezahlung, und schickt das Signal via Internet in die Welt.

In Frankfurt ist das Familiensache. Dirk Seyboth, der nach dem Neustart der Löwen seine Anfänge mit Clips aus der Oberliga fortführte, und seine Frau Stephanie, die ihm stets zur Seite steht, sich seit kurzem auch mit Niklas Grünewald um die Grafiken kümmert und obendrein noch Löwen-Fotos liefert, Stefan Kunzler und seine Frau Sandra, die mit der Totalen und der Zoom-Kamera die meisten Bewegtbilder liefern: Sie sind seit Anfang an dabei, wie mehr oder weniger auch ein fester Stamm von lernwilligen Fernseh-Amateuren, die sich "Stück für Stück eingearbeitet" haben, wie Seyboth sagt. Dirk Berghof und Charlena Schnatz unterstützen ihn bei Regie, Ton und Wiederholungen. Thomas Schmitt kümmert sich zudem mit Janine Becker auch um mobile und Hintertor-Kameraperspektiven, beide moderieren dazu noch. Kommentiert wird das Spiel von Philipp Dziomba oder Jerome Czaronek.

Seyboth selbst, der die Totale besonders liebt, weil man da am meisten vom Spiel sieht, ist mittlerweile weniger Regisseur als eine Art Produktionsleiter, der das ganze Geschehen koordiniert.

Bewährtes Team

von Freiwilligen

Der zu anderen Zeiten normale Wahnsinn eines Eishockey-Spektakels am Ratsweg, mit Feuerfontänen und Wunderkerzen, Trommeln und Daueranfeuerung lässt sich natürlich nicht ganz ersetzen, natürlich wirken die leeren Ränge bisweilen trist, aber so ist das eben unter Pandemie-Umständen. Dirk Seyboth und Co. geben sich alle Mühe, so viel vom Spiel wie möglich und auch etwas Drumherum zu den Fans nach Hause zu transportieren. Sie sind auch ständig auf der Suche nach Verbesserungen. Stolz ist er etwa darauf, dass Grafiken live geändert werden können, dass beispielsweise nach einem Treffer der Name des Schützen mitsamt seiner aktuellen Zahl an Saisontoren eingeblendet werden kann - so etwas sucht in der Liga seinesgleichen meist vergeblich.

Für die Vereine wiederum sind diese Übertragungen eine Möglichkeit, auch ohne verkaufte Tickets ein paar Einnahmen zu verbuchen. Der Preis pro Spiel wurde zu dieser Saison um drei Euro auf 9,90 Euro erhöht, um die Clubs in der wirtschaftlich schwierigen Corona-Lage zu unterstützen. Sieben Euro gehen an sie, der Rest an Sprade-TV. Etwa 1200 Buchungen sind es in Frankfurt im Schnitt. Allzu viel bleibt auf diesem Weg trotzdem nicht hängen. Auch weil es bemerkenswert viele Löwen-Dauerkartenbesitzer gibt, die trotz Zuschauerverbot auf eine Erstattung verzichtet haben und ersatzweise ohne weitere Kosten zuschauen dürfen.

Froh ist man in Frankfurt da über ein bewährtes Team von Freiwilligen. "Dass sie mit ihrem Engagement und ihrer Leidenschaft so viel Zeit bei uns investieren, ist elementar dafür, dass wir überhaupt Eishockey in Frankfurt anbieten können. Das gilt für das Sprade-Team wie für alle unsere ehrenamtlichen Helfer", betont Gesellschafter Andreas Stracke.

Mit ihrem Löwen-TV produzieren Seyboth und seine Mitstreiter noch andere Livesendungen, Interviews oder Magazine wie das "Löwengebrüll", auch das eine Frankfurter Spezialität. Über das Jahr kommen so 1600 ehrenamtliche Arbeitsstunden zusammen. An Spieltagen sind sie mit acht Kameras im Einsatz, aus jedem Winkel, der Totalen oder hautnah, schicken während der dreistündigen Übertragung pro Sekunde 3,4 Gigabyte Löwen-Livebilder in die Welt. Los geht es oft schon um zwei Uhr mittags, mit dem Aufbau von Kamerapodest und Kommentatorenplatz, das Ende ist bisweilen erst um zwei Uhr nachts erreicht, damit der Highlight-Clip noch fertig wird.

Gerade im Februar und März mit den vielen Nachholterminen "war das schon anstrengend", berichtet Dirk Seyboth. Zwischenzeitlich standen Heimspiele im Zwei-Tages-Takt an, nicht nur der 43-jährige Bauingenieur nahm dafür auch mal einen Tag Urlaub. Oder eilte unter der Woche von der Arbeit in Wiesbaden an den Ratsweg, um noch schnell Vorbereitungen für das Abendspiel zu treffen. Die Pause zwischen der Hauptrunde und den Play-offs tut so auch mal gut, ist aber schon fast ungewohnt, nicht nur für die Spieler. Bald geht es ja erst richtig los: Die Löwen wollen in die erste Liga, wie damals die Lions. Und die Familien Seyboth und Kunzler und der Rest der Crew sind bereit für weitere Einsätze mit Erinnerungswert.

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