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Max Eisenmenger (rechts) hat sich bei den Frankfurter Löwen mit reihenweise guten Leistungen und vielen Toren in den Vordergrund gespielt. Foto: Hübner

Eishockey

Ein Löwe der neuen Generation

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In Frankfurt hat sich Max Eisenmenger zu einem der besten Stürmer der DEL 2 entwickelt. Im Kampf um die Meisterschaft kann er zu einem Löwen-Trumpf werden. Schwer zu halten ist er in jedem Fall - für die Gegner und den Club.

Frankfurt - Regelmäßigen Besuchern der Eissporthalle am Ratsweg mag diese Szene wie eine Wiederholung aus vorangegangenen Partien vorgekommen sein - wobei Freunde der Frankfurter Löwen wenig gegen weitere Deja-Vu-Erlebnisse dieser Art einwenden dürften. Wie Max Eisenmenger im eigenen Drittel Anlauf nimmt, sich von keinem Widersacher aufhalten lässt in seinem Zug zum gegnerischen Tor, in dem er den Puck dann abgeklärt unterbringt. "Für uns war das ein ganz wichtiges Tor, das uns viel Energie gebracht hat", ordnete Trainer Matti Tiilikainen dieses 4:4 am Sonntag gegen die Freiburger Wölfe ein, nachdem das Spitzentreffen schließlich in der Verlängerung gewonnen war, und ergänzte: "Das war typisch Max."

Dass seine Löwen in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys ihren Aufwärtstrend fortgesetzt haben und inzwischen auf den zweiten Tabellenplatz geklettert sind, vier Spiele vor dem Ende der langen Hauptrunde, hat viel mit dem älteren der beiden Frankfurter Eisenmenger-Brüder zu tun, nicht nur wegen des Ausgleichs gegen Freiburg. "Als ganze Mannschaft so wie auch individuell sind wir in einem Flow", sagt der 21-Jährige: "Wir reiten auf dieser positiven Welle". Mit nun acht Siege in Serie, und einer stabilen Verfassung pünktlich zum Start in die ganz heiße Phase.

"Das war ein klassisches Ich-Tor"

Nur an zwei Wochenenden noch stehen Punktspiele an, Mitte März beginnen die Play-offs. An diesem Freitag (20 Uhr) bei den Bietigheim Steelers und am Sonntag (18.30 Uhr) daheim gegen den Tabellenletzten Eispiraten Crimmitschau gilt es, weiter an einer guten Ausgangsposition dafür zu arbeiten. "Wir können Erster werden und wollen mindestens Zweiter bleiben", sagt Eisenmenger. Je weiter oben in der Tabelle, desto länger hält der Heimbonus in den K.o.-Serien für das jeweils besser platzierte Team, das nimmt man in Frankfurt gerne mit. "Bei uns herrscht immer Megastimmung. Für jeden Gegner ist es schwer, dagegen anzukommen", sagt der junge Stürmer. Auch wenn sich im ständigen Drunter und Drüber der DEL 2 wenig vorhersagen lässt, Bietigheim ist da ein gutes Beispiel: Der traditionelle Titelanwärter hat als Tabellenachter seinen Viertelfinalplatz noch längst nicht sicher, im dicht gedrängten Mittelteil der Rangliste.

Die Löwen haben sich einigen dieser Unwägbarkeiten durch ihr stabiles Hoch entzogen, doch auch sie sind schon ins Straucheln gekommen in dieser turbulenten Runde. "Wir hatten eine schwierige Zeit, in der wir bis auf den neunten Platz abgerutscht sind", erinnert Eisenmenger. Trotz selten vieler Ausfällen aber hat man sich zusammen gerauft, mit der zu offenen Deckung ein Hauptproblem abgestellt - und auch die allgemeine Herangehensweise etwas angepasst. "Wir haben uns schwer mit den Basics getan, mit einfachen Pässen, gerade in der defensiven Zone", erklärt Max Eisenmenger. "Seit wir das Spiel einfach halten, ist der Erfolg zurückgekehrt. Jetzt haben wir uns gefunden."

Dieses Erfolgsrezept gilt auch für ihn selbst, findet jedenfalls Matti Tiilikainen. "Für ihn es vor allem wichtig, so zu spielen, wie er ist, und es nicht zu kompliziert zu machen", meint der Coach. "Dann ist er kaum zu bremsen." Der Ausgleich gegen Freiburg, auch noch in Unterzahl, war für Max Eisenmenger so gesehen "ein klassisches Ich-Tor" - weil es seine Stärken vereinte: "Ich habe den Schuss geblockt, war mit meiner Schnelligkeit als Erster am Puck, habe mich durchgesetzt und mit einem guten Schluss abgeschlossen."

Das Ziel ist die Meisterschaft

Trotz einer sechswöchigen Pause im Herbst wegen einer Knieverletzung hat er mit diesen Qualitäten die Prophezeiungen vor der Saison, er könne einer der besten Stürmer der Klasse werden, erfüllt. Für Trainer Tiilikainen ist er ein typischer Vertreter der neuen Eishockey-Generation: Nicht so muskelbepackt wie etwa die Profi-Jahrgänge um 2010 herum, aber groß und schnell, athletisch und mit guter Technik versehen, für ein immer schnelleres Spiel. "Er bietet diese Saison Leistungen auf konstant hohem Niveau an. Wenn er sich weiter so entwickelt, hat er eine große Chance, eines Tages in einer der Top-Ligen zu spielen", sagt Tiilikainen, "vielleicht sogar in der NHL".

Schwer zu halten ist Max Eisenmenger schon jetzt - von seinen Gegnern, aber auch von seinem Club. Die DEL lockt, sein Vertrag wäre ohne eine entsprechende Ausstiegsklausel nicht zu verlängern gewesen, und eine erstklassige Perspektive können die Löwen nächste Saison aller Wahrscheinlichkeit noch nicht bieten. Vielleicht kann dann ja sein zwei Jahre jüngerer Bruder und Mitspieler Magnus, der selbst nach einem auch persönlich schwierigen Saisonstart in eine immer wichtigere Rolle herein wächst, in seine Löwen-Fußstapfen treten.

Erst einmal stehen andere Dinge im Fokus. Max Eisenmenger macht keinen Hehl daraus, dass er mit den Löwen große Ziele hat. "Wir wollen Meister werden und wissen, dass wir die Mannschaft dafür haben", sagt er, "aber wir tun gut daran, Schritt für Schritt darauf hinzuarbeiten". Er selbst kann auf diesem Weg ein großer Löwen-Trumpf werden. Zumal er gerade nicht nur reihenweise typische Max-Eisenmenger-Tore beisteuert, sondern auch welche von besonderer Bedeutsamkeit - wie das wegweisende 2:1 gegen Bad Nauheim oder das entscheidende 3:1 gegen Bad Tölz,

"Solche Tore sind schon spezieller und setzten mehr Euphorie frei als ein 7:1 oder ein Tor im ersten Drittel", räumt er ein. "Aber das Beste ist, wenn die Mannschaft gewinnt und ich dabei helfen kann." Zuletzt ist das eine gute Gewohnheit geworden.

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