Kein Durchkommen in dieser Szene: Löwen-Angreifer Magnus Eisenmenger (Mitte) stürmt auf das Bietigheimer Tor zu, der frühere Frankfurter Goalie Jimmy Hertel aber ist auf dem Posten.
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Kein Durchkommen in dieser Szene: Löwen-Angreifer Magnus Eisenmenger (Mitte) stürmt auf das Bietigheimer Tor zu, der frühere Frankfurter Goalie Jimmy Hertel aber ist auf dem Posten.

Eishockey

Löwen-Auftakt mit Ernüchterung

Frankfurt verliert zum Start der Play-offs bei Aufstiegsrivale Bietigheim.

Bietigheim -Tim Schüle war es vorbehalten, die Angelegenheit zumindest für diesen Freitagabend zu entscheiden. Im verzweifelten Bemühen um den Ausgleich hatte Schlussmann Patrick Klein wie üblich das Tor der Frankfurter Löwen zugunsten eines sechsten Feldspielers verlassen, gerade hatte Kollege Luis Schinko mit einer solchen Überzahl immerhin noch den Anschlusstreffer geschossen. Doch im nächsten Anlauf ging die Scheibe verloren, und Schüle, der frühere Frankfurter, hatte bei seinem Comeback nach längerer Verletzungspause alle Zeit der Welt, sie 26 Sekunden vor Schluss über die Linie des verwaisten Gehäuses zu befördern - zum Sieg für seine Bietigheimer Steelers.

Für die Löwen endete ihr Start in die Play-offs der DEL 2 so mit einer Ernüchterung: Beim Meisterschafts- und Aufstiegsrivalen verloren sie das erste Viertelfinalduell mit 2:4 (0:0, 1:3, 1:1) und stehen im zweiten Spiel der Best-of-Five-Serie am Sonntag (18.30 Uhr) daheim in der Eissporthalle am Ratsweg schon unter Zugzwang.

"Es war der erwartet harte Kampf von zwei Spitzenmannschaften", urteilte Franz-David Fritzmeier, Sportdirektor und Headcoach des Frankfurter Eishockey-Zweitligisten, und stellte lapidar fest: "Die Bietigheimer Tore im zweiten Drittel haben das Spiel entschieden."

Yannick Wenzel (27.) und zwei Mal Riley Sheen (31. und 38.) brachten Bietigheim auf Erfolgskurs, der zwischenzeitliche Ausgleich durch Carter Proft (28.) war zu wenig. Dabei war es den Gästen anzumerken gewesen, dass es ihnen nach ihrer Nachholtermin-Marathon der letzten Monate gut getan hatte, mal ein paar Tage frei zu haben, auch zur Erholung, vor allem aber, um am eigenen Spiel zu arbeiten und sich gezielt auf einen Gegner vorzubereiten.

Gerne hätte sie sich zum Ende einer Punktrunde voller Widrigkeiten noch weiter nach vorne als auf den fünften Platz geschoben, zumindest vorbei an den viertplatzierten Steelers, nach zwei ersten Hauptrundenrängen in den beiden Jahren zuvor. Wegen mehrerer Corona-Fälle an verschiedenen Standorten - auch in Bietigheim - aber hatte die Liga drei Spiele vor Schluss die Notbremse gezogen, die Runde vorzeitig beendet, um so etwas mehr Sicherheit für die Austragung der Ausscheidungsspiele zu haben. Auf die vier von einer Covid-19-Infektion betroffenen Spieler - darunter mit Matt McKnight einer ihrer Anführer - mussten die Steelers am Freitag verzichten, ihr Einsatz am Sonntag ist offen.

Den Löwen wiederum fehlten mit Kapitän Adam Mitchell, Manuel Strodel und David Suvanto ihre drei Langzeit-Ausfälle, die zuletzt vermissten Sebastian Collberg, Eddie Lewandowski und Christian Kretschmann konnten aber wieder aufs Eis. Die Frankfurter hatten anfangs spielerisch Vorteile, die gefürchteten Bietigheimer Konter unter Kontrolle und auch die besseren der wenigen Chancen, kamen aber nicht vorbei an Jimmy Hertel, dem alten Löwen im Steelers-Tor. Auf der anderen Seite hatte Patrick Klein, letztes Jahr Hertels Kollege und Konkurrent um den Platz im Frankfurter Gehäuse, den Vorzug vor Bastian Kucis bekommen.

Bietigheim, das mit C.J. Strecch und Brett Breitkreuz zwei weitere an diesem Abend überzeugende Ex-Frankfurter in seinen Reihen hatte, hielt mit Play-off-Härte dagegen, auch mit Folgen: Nach einem heftigen Check von Nikolai Goc musste der junge Löwe Mike Fischer früh verletzt ausscheiden, für die insgesamt ziemlich großzügigen Schiedsrichter trotzdem kein Anlass für eine Strafe - überhaupt schickten sie erstaunlicherweise nur Collberg einmal zwei Minuten vom Eis.

Es war ein lange intensives Ringen, in dem die wenigen Aussetzer in sonst aufmerksamen Abwehrreihen den Ausschlag geben. Besonders vor dem 1:2, als Marius Erk die Scheibe verlor: Damit kippte das Spiel auf Bietigheimer Seite, auch nicht ganz unverdient. Die Steelers machten mehr aus ihren Chancen, daran wird in Frankfurt zu arbeiten sein. Und ihre Abwehr machten den Löwen das Leben schwer. Trotzdem wurde es noch spannend, durch Schinkos 2:3 (59.) - bis Schüles aufs leere Tor zulief. Immerhin: "Wir waren in der Lage zurückzukommen. Es wurde noch mal sehr eng", hielt Franz-David Fritzmeier fest und schloss: "Am Sonntag geht's weiter." Dann wird von seinen Löwen mehr kommen müssen.

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