Eishockey

Löwen bekommen die Lizenz, Bietigheim nicht

Frankfurt kann die Aufstiegssaison planen, ein anderes Zweitliga-Schwergewicht fällt bei der Finanzprüfung durch.

Frankfurt - Eine Überraschung war diese Nachricht kaum, eine Selbstverständlichkeit angesichts der Corona-Krise indes auch nicht. Die Frankfurter Löwen haben am Mittwoch wie zwölf andere Clubs der Liga die Lizenz für die neue Saison erhalten, nur ein anderes Schwergewicht der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys nicht: Die Bietigheim Steelers sind bei der Prüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit durchgefallen. "Die Corona-Pandemie hatte auch uns vor einige schwierige Hürden gestellt. Wir sind froh, diese durch harte Arbeit und den großartigen Support unserer Fans, Sponsoren und Partner übersprungen zu haben", erklärte Stefan Krämer, geschäftsführender Gesellschafter der Löwen, und schloss in einer Vereinsmitteilung: "Jetzt gilt unsere volle Konzentration der kommenden Saison, die hoffentlich bald losgehen kann."

Wann das der Fall sein wird, ist allerdings noch längst nicht klar. Die Hoffnungen, dass die DEL 2 am 11. September den Spielbetrieb aufnehmen kann, sind zuletzt wieder gesunken. Die Oberligen haben ihren Auftakt bereits um drei Wochen auf Mitte Oktober verschoben. In Baden-Württemberg sind bis 31. Oktober nur Veranstaltungen mit 500 Teilnehmern erlaubt, in Bremen Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern bis zu diesem Termin verboten. Auch in Berlin gibt es ähnliche Beschränkungen, in Bayern sind bei Sportveranstaltungen bis auf Weiteres keine Zuschauer zugelassen.

"Wir halten zunächst an unserem Termin fest. Die Frage ist aber, ob und wie lange wir das können", erklärte DEL-2-Geschäftsführer René Rudorisch. Weiter werde an Hygiene- und Abstandskonzepten gearbeitet, der verpflichtende Einsatz von Masken diskutiert. "Die Zuschauer sind das größere Problem als die Sportler", sagt er, da es auf den Tribünen, an den Toiletten, bei Zu- und Abgängen kaum möglich sei, Abstand zu halten.

"Wir wollen so zeitig wie möglich mit so vielen Zuschauern wie möglich in die Saison starten. Und mit 14 Mannschaften", so Rudorisch. Ein Zweitliga-Urgestein wird - Stand jetzt - nicht dabei sein. Bietigheim, nach der Neugründung der DEL 2 zwischen 2013 und 2018 fünf Mal in Folge im Finale und dabei zwei Mal Meister, wurde durch den Aufsichtsrat der Liga einstimmig die Lizenz verwehrt. Die Steelers haben die vorige Saison nach eigenen Angaben mit 2600 Euro Plus abgeschlossen, schleppen aber von einst 1,3 Millionen noch immer 650 000 Euro Altlasten mit.

"Der Aufsichtsrat hatte nach Einhaltung aller Fristen der Lizenzordnung letztlich keine andere Wahl, auch aus rechtlichen Gründen und mit Blick auf die Fairness gegenüber den anderen Clubs", erklärte Rudorisch. Der Ligenleiter verweist auf den 24. Mai als Abgabetermin für die Lizenzanträge. Danach seien fristgemäß Nachfragen bei den Steelers erfolgt, sie seien dazu angehört worden "und sie hatten eine Woche lang Zeit zum Nachbessern". All dies sei Anfang dieser Woche ausgereizt gewesen, und es musste der Beschluss gefasst werden. Gegen den können die Bietigheimer nun binnen einer Woche beim DEL-Schiedsgericht vorgehen, und das wollen sie auch tun.

Wenn das erfolglos bleibt, fragt sich nur, wer aus der Oberliga nachrücken könnte. "Die Oberligen konnten nicht einmal in die gemeinsamen Play-offs starten, also müssen wir mit dem Deutschen Eishockey-Bund beraten und in der Nord- und der Südgruppe sehen, was sportlich fair und wirtschaftlich machbar ist", erläuterte Rudorisch.

Dabei hatten die Bietigheimer in den letzten Wochen noch munter eingekauft, unter anderem den ehemaligen Frankfurter Meistertorjäger C.J. Stretch und Löwen-Ersatztorwart Jimmy Hertel verpflichtet und sich auch um den ab der nächsten Saison wieder möglichen Aufstieg in die erste Klasse beworben. Nun kämen dafür nur noch Frankfurt und die Kassel Huskies in Frage - wenn dann wieder Eishockey gespielt werden kann und einer der beiden Hessen-Rivalen Zweitliga-Meister wird. mka/sam

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