+
Für die Löwen Frankfurt beginnen am Freitagabend die Play-offs in der DEL2. 

Eishockey

Für die Löwen Frankfurt sind die Play-offs Zeit zum Genießen

  • schließen

Jetzt geht der Spaß erst richtig los: An diesem Freitag starten die Löwen in das DEL-2-Viertelfinale gegen Crimmitschau.

Frankfurt - Die letzten Vorbereitungen haben begonnen. Im Trainerzimmer flimmern Videobilder von den Eispiraten Crimmitschau über den Laptop, in den Katakomben der Eissporthalle am Ratsweg wird hier und da noch an der Ausrüstung geschraubt, und Stürmer Mathieu Tousignant sägt im Kabinengang an seinem Schläger herum. Während das Eis wieder auf Hochglanz gebracht wird, nach dem Training der Frankfurter Löwen, und Adam Mitchell es kaum erwarten kann, dass es endlich richtig losgeht. Da ist er nicht der einzige. „Wir sind alle sehr gespannt“, berichtet der Kapitän und schwärmt: „Eishockey in den Play-offs ist der beste Sport der Welt. Die Spiele sind schneller, härter, spannender, das macht wahnsinnig viel Spaß.“

Dass „alle wieder bei null anfangen“, sagt Mitchell auch noch. Tatsächlich hilft es den Löwen an diesem Freitagabend (19.30 Uhr, bei uns im Liveticker), wenn sie am Ratsweg den Besuch aus Crimmitschau zum Start der Viertelfinalserie empfangen, nicht mehr viel, dass sie die Hauptrunde in ihrem fünften DEL-2-Jahr erstmals als Erster beendet haben, mit den meisten Punkten, den meisten Toren und den zweitwenigsten Gegentoren. Immerhin aber dürfen sie dadurch die Ausscheidungsrunden um die Meisterschaft in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys immer zu Hause beginnen. Bis ins Finale, wenn der Weg so weit führt. Und das soll er ja.

Fernziel der Löwen Frankfurt: Erstklassige Zukunft in der DEL

„Wir wollen den größtmöglichen Erfolg. Dass wir die Hauptrunde als Erster abgeschlossen haben, zeigt, dass wir nicht nur angetreten sind, um uns weiter zu entwickeln“, umschreibt Sportdirektor Franz-David Fritzmeier die Titel-Ambitionen. Das Fernziel ist eine erstklassige Zukunft in der DEL, ab 2021 ist der Aufstieg wieder möglich. Dass die mit diesem Hintergedanken zusammengesetzte aktuelle Mischung aus erfahrenen Führungskräften und vielen jungen Spielern aber schon jetzt die Mittel zum Meisterwerden hat, haben Mitchell und Co. in den Punktspielen bewiesen. Ob sie es aber auch umsetzen können, wenn „die fünfte Jahreszeit“ beginnt, wie Fritzmeier die Play-offs mit ihrer flotten Termin-Taktung nennt?

„Da gibt es viele Faktoren: Mehr Druck, ein anderer Spielrhythmus, eine andere Stimmung“, sagt der Sportdirektor, indes: „Wir erwarten, dass die Mannschaft das schnell annimmt. Und dass jeder Spieler sein Level noch einmal steigert.“

Der kleine Heimvorteil soll ein „Faustpfand“ werden, so Fritzmeier, „bei unseren Fans“. Die Tiefe des Kaders – kaum ein anderer Zweitligist spielt wirklich mit vier vollen Sturmreihen. „Wir haben schon gemerkt, dass wir gegen Ende der Spiele oft noch mehr Kraft haben als der Gegner“, berichtete Verteidiger Marius Erk, als er vorige Woche im Apfelweinlokal „Frau Rauscher“ saß, um das einem Fan-Wettbewerb entsprungene Play-off-Trikot vorzustellen – mit der Silhouette der legendären Frankfurter Frau-Rauscher-Figur und dem gerippten Apfelweinglas-Muster verziert. Ein Play-off-Motto dazu haben sich die Löwen obendrein ausgedacht: „Showdown in Bembeltown.“

Wer sind laut Löwen Frankfurt die Favoriten auf den Titel in der DEL2? „Bietigheim – und wir“

Die Vorbereitungen sind auch abseits der Eisflächen getroffen. Für das sportliche Kerngeschäft gilt das ebenso, selbst wenn noch einige Fragen unbeantwortet bleiben. Wer das Tor hütet, zum Beispiel – da könnte der erfahrene Ilya Andryukhov erstmal Bastian Kucis vorgezogen werden. Gerüstet ist man für alle Fälle, vielleicht auch für ein Wechselspiel. Wie bei der Frage, wer als fünfter Löwe ohne deutschen Pass auf die Tribüne muss. Der Trend spricht gegen Antti Kerälä, womöglich kommt er aber auch ins Rotieren. Mit Tousignant?

So groß das Gedränge in der verrückten Hauptrunde war, so eng könnten auch die Play-offs werden. „Mindestens sechs Teams können Meister werden“, glaubt Mitchell, um bei der Favoritenfrage doch gesundes Löwen-Selbstbewusstsein zu demonstrieren: „Bietigheim – und wir.“ Dass man gerade in diesem voller Überraschungen steckenden DEL-2-Jahr keinen Gegner unterschätzen darf, weiß er freilich auch. „Crimmitschau kann uns sehr gefährlich werden“, warnt er. In den K.-o.-Spielen um die letzten Viertelfinalplätze hat der Hauptrundenzehnte immerhin die Hessenrivalen von den Kassel Huskies, vor der Runde als Meisterschaftsanwärter gehandelt, ausgeschaltet.

Die Löwen wiederum haben alle vier Punktspiele gegen die Eispiraten gewonnen, das letzte am letzten Spieltag, im Penaltyschießen. Sie wissen, was sie erwartet. „Sie spielen sehr schnell und aggressiv, haben viele gute Stürmer, die aus dem Nichts Tore machen können“, erinnert Mitchell, und: „Sie haben in den letzten Wochen schon um ihr Leben gekämpft. Das letzte Spiel in Crimmitschau war sehr hart, das erwarte ich jetzt auch.“

Ob die unerfahreneren Löwen da nervös werden könnten? „Man hat gesehen, dass wir auch unter Druck funktionieren“, macht Erk das keine Sorgen, Kapitän Mitchell hat ohnehin einen ganz einfachen Play-off-Rat an die jungen Kollegen: „Spaß haben und alles geben. Diese Zeit muss man genießen.“

Info: Wer viermal gewinnt, zieht weiter

Eines steht fest: Spätestens am 30. April hat die zweite Klasse des deutschen Eishockeys einen neuen Meister gefunden. Für diesen Tag ist das siebte Spiel der DEL-2-Finalserie anberaumt – so es denn nötig ist. Vom Viertelfinale an wird sich im Modus „Best of Seven“ duelliert: Wer zuerst viermal gewonnen hat, zieht weiter. Es wird abwechselnd zu Hause und auswärts gespielt. Die Mannschaft, die in der Hauptrundentabelle höher geführt wird, beginnt die jeweilige Serie mit einem Heimspiel und hat also im Zweifel einen Auftritt mehr vor eigenem Publikum. Die Frankfurter Löwen würden dieses Privileg als beste Mannschaft der Punktrunde bis ins Finale genießen, wenn der Weg denn so weit führt. Bei einem erfolgreichen Viertelfinale gegen die Eispiraten Crimmitschau würden sie im Halbfinale übrigens auf denjenigen Sieger aus den anderen drei Viertelfinalpaarungen treffen, der in der Tabelle am schlechtesten platziert war – zum Beispiel den EC Bad Nauheim, der es in der ersten K.-o.-Runde als Tabellensechster jetzt erst einmal mit den drittplatzierten Ravensburg Towerstars zu tun bekommt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare