Unfreiwillig in der Zuschauerrolle: Adam Mitchell nahm es mit einem Lächeln und mischte sich neulich unter die Löwen-Fans. Foto: Hübner

Eishockey

Löwen Frankfurt: Sieben auf einen Streich

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Ein Löwe nach dem anderen landet im Lazarett, das macht die ohnehin schwere Saison in der DEL 2 nicht leichter. Doch es gibt auch Hoffnung.

Frankfurt.Langsam wird die Lage dramatisch. Nicht unbedingt, was Tabellenbild und Punktestand in der DEL 2 betrifft, noch nicht jedenfalls, da verschafften sich die Frankfurter Löwen mit dem 3:1 gegen die Freiburger Wölfe am Sonntag etwas Beruhigung. Schon bei dieser Gelegenheit aber fehlten dem Eishockey-Zweitligisten sieben Verletzte auf einen Streich, und das nicht nur für ein Wochenende. "Ich habe ja schon eine lange Karriere, aber dass so viele Spieler so langfristig ausfallen, habe ich noch nie erlebt", bemerkte Kapitän Adam Mitchell, selbst mit lädierter Schulter auf der Tribüne. Sportdirektor Franz-David Fritzmeier kommentiert die Ausfallquote ganz knapp: "Wahnsinn, ohne Worte." Und die nächste Steigerung ist sicher: Wenn sich nächste Woche drei junge Löwen zur U-20-WM verabschieden, spielt man in Frankfurt, wo man als Tabellensechster ohnehin den hohen Erwartungen etwas hinterher hinkt und die eine oder andere Baustelle mehr als erhofft hat, ohne Zehn, Stand jetzt.

Eigentlich wähnten sich die Verantwortlichen vorbereitet auf die drei-, vierwöchige Abwesenheit der Talente- dafür war der Kader breiter aufgestellt worden. Nachdem aber nun ein Löwe nach dem anderen im Lazarett landet, sieht das anders aus. Jetzt können die Frankfurter insgeheim fast froh sein, dass vorerst nur Leon Hüttl, Daniel Wirt und Luis Schinko in den deutschen Auswahlkader berufen wurden und Magnus Eisenmenger lediglich auf Abruf bereit und so für den Ligabetrieb zur Verfügung steht.

Auch so werden die Löwen-Reihen sich weiter lichten, ausgerechnet zum speziellen Derby mit den Nachbarn vom EC Bad Nauheim im Offenbacher Fußballstadion am 14. Dezember und dem üblichen Terminstress rund um Weihnachten und Silvester, mit sieben Spielen in 17 Tagen, eine wegweisende Zeit. Kehrt keiner der Verletzten zurück und kommt keine Verstärkung, finden sich demnächst gerade noch vier Verteidiger und neun Stürmer. Zum Vergleich: In der erfolgreichen vergangenen Saison spielte man meist mit sieben Verteidigern und zwölf Stürmern. Dass deshalb noch einmal reagiert wird, hat Fritzmeier schon angekündigt. "Wir planen nach wie vor, zeitnah einen Verteidiger zu holen", bekräftigt der Sportdirektor, aber: "Wir werden jetzt keine fünf Neuen verpflichten." Das sei schließlich nicht nur eine finanzielle Frage, sondern auch etwas kompliziert.

So fallen bei den Löwen ausschließlich Spieler mit deutschem Pass aus, da ist das Angebot zum Ende des Jahres überschaubar - während sich für ausländische Puckjäger, deren Zahl pro DEL-2-Partie auf vier begrenzt ist, immer irgendwo Ersatz auftreiben lässt. Wie bei den ebenso vom Verletzungspech gebeutelten Bad Nauheimern: In der Wetterau sind es die drei kanadischen Top-Stürmer, die länger ausfallen und auch den Termin in Offenbach verpassen, worauf prompt der frühere Erstliga-Torschützenkönig Jack Combs aus den USA anheuerte.

Hinzu kommt in Frankfurt, dass von DEL-Kooperationspartner Krefeld nicht viel Hilfe zu erwarten ist, anders als von den zuletzt mit den Löwen und nun mit Bad Nauheim zusammenarbeitenden Kölner Haien: Die Pinguine haben selbst keine große Personalliste. Allenfalls können sie wohl ein oder zwei Youngster an den Main abordnen, die bislang aber dort auch kaum trainiert haben.

"Das ist schon eine harte Situation für Mannschaft und Trainer", sagt Fritzmeier. "Aber es beschwert sich keiner. Alle arbeiten hart weiter." Diese Losung hat auch Matti Tiilikainen ausgegeben. "Wir haben einen Deal mit der Mannschaft", sagt der Headcoach: "Wir fokussieren uns auf die Jungs, die auf dem Eis sind, und nicht auf die, die fehlen. Und wir wollen genauso aktiv spielen und viel laufen, egal ob mit 15 oder 25 Spielern."

In Zeiten mit vielen Verletzten ist es Tiilikainen wichtig, dass die Spieler in hinteren Reihen bereit sind, frei gewordene Posten weiter vorne zu übernehmen. Am Sonntag standen in den heikelsten Situationen zwei 19-Jährige auf dem Eis, Hüttl und Schinko. "Respekt für die Trainer, dass sie dazu den Mut haben", bekundet Fritzmeier.

Immerhin könnte das eine oder andere Comeback rascher gelingen als befürchtet. Besonders Kapitän Mitchell drängt es zurück aufs Eis, vielleicht schon gegen Bad Nauheim, hoffentlich nicht zu früh. Auch Jungstürmer Darren Mieszkowski könnte diesen Termin schaffen, bei Christian Kretschmann dauert es ebenfalls nicht lange.

Die eigentlich erst später zurück erwarteten Mike Fischer (Schulter) und Alex Roach (Knie) peilen nun schon nach Silvester den Neustart an. Nur bei Lukas Koziol könnte es mit frisch verletztem Syndesmoseband selbst mit den Play-offs im März eng werden, bei Abwehrtalent Thomas Gauch (Schulter) gibt es keine Prognose. Seine Zuversicht lässt sich Matti Tiilikainen so oder so nicht nehmen. "Wenn die Bank so kurz ist, rückt das Team enger zusammen", zieht der Headcoach sogar etwas Gutes aus der Malaise: "Das macht uns am Ende stärker."

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