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Auf dem Löwen-Vormarsch: Max Eisenmenger (links).

Sechs Spiele in 13 Tagen

Die Löwen Frankfurt sind voll im Feiertagsstress

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Rund um Weihnachten und Silvester steht für die Puckjäger stets eine Terminhatz an. Das könnte ein Löwen-Vorteil sein.

Vorfreude auf Weihnachten? Verspürt auch Matti Tiilikainen, keine Frage. Das sei schließlich eine besondere Zeit im Jahr, sagt der Headcoach der Frankfurter Löwen. Weil das für ihn allerdings auch beruflich gilt, bleiben nicht allzu viele Mußestunden mit der Familie, und an eine Reise in die finnische Heimat ist gar nicht zu denken. „So ist das Eishockey-Leben“, sagt Tiilikainen achselzuckend. Rund um Weihnachten und Silvester blasen die Puckjäger traditionell zur flotten Terminhatz, auch in der DEL 2: Vom Besuch in Dresden am Freitag bis zum Nachbarschaftstreffen mit dem EC Bad Nauheim am 6. Januar warten acht Spiele in 17 Tagen – und der Trainer blickt auch diesem Feiertagsprogramm mit einer gewissen Vorfreude entgegen: „Das kann schon ein Vorteil für uns sein“, glaubt er.

Es bricht auch die Zeit im Eishockey-Jahr an, in der oft klare Verhältnisse geschaffen werden. Wenn ein Spiel in rascher Taktung aufs andere folgt, zeigt sich, wessen Kader breit genug aufgestellt ist, wo auf Cracks aus den hinteren Reihen wirklich Verlass ist. „Wir bauen hier vier Reihen auf, um voll durchspielen, um den Gegner auch mal niederlaufen zu können“, erklärt Tiilikainen. In der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys keine Selbstverständlichkeit: Da bauen die meisten doch auf ein paar vielbeschäftigte Führungskräfte in vorderster Front, denen zwischen den Jahren schon mal die Luft ausgeht.

Die Löwen Frankfurt sind voll auf Kurs

Die Ausgangsposition in Frankfurt indes könnte besser kaum sein, mit Blick auf die Kaderliste und auch aufs Tabellenbild: Zum Beginn der zweiten Hälfte der langen Hauptrunde haben sich die Löwen am Sonntag am ESV Kaufbeuren vorbei auf den zweiten Tabellenplatz geschoben, mit dem 3:2 nach Verlängerung im direkten Duell, im 27. von 52 Punktspielen mit nun 19 Siegen und acht Niederlagen.

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„Wir sind voll auf Kurs“, sieht Sportdirektor Franz-David Fritzmeier diesen Zwischenstand als Bestätigung für den neu eingeschlagenen Weg, dessen langfristiges Ziel der ab 2021 regulär mögliche Aufstieg in die DEL ist, der am Ende dieser Saison aber gerne auch schon zum Titel eine Etage tiefer führen soll. Obwohl die mit erstklassiger Perspektive verpflichteten Talente wie Verteidiger Leon Hüttl dann noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung sein sollen.

Löwen Frankfurt Tabellenzweiter in der DEL2

In diesen Tagen und Wochen interessieren die Löwen derlei Prozesse mehr als Ergebnisse und Tabellenbilder. „Wir sind glücklich, dass wir Zweiter sind“, betont Tiilikainen. „Aber wir schauen hinter die Resultate, wo wir etwas entwickeln können, etwas verändern müssen.“ Derzeit ist er nicht zufrieden mit Über- und Unterzahlauftritten, die in den ersten Saisonwochen noch überragend waren. Für Fritzmeier liegt das auch daran, dass die Gegner das Frankfurter Powerplay inzwischen besser studieren konnten, deshalb arbeitet man an neuen Varianten. Generell sagt er: „Es wird in der langen Saison immer Phasen gegen, wo das eine läuft und das andere nicht.“ Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Löwen eine relativ junge Mannschaft hätten, betont Fritzmeier: „Die Jungen spielen zwar schon ziemlich konstant, aber in manchen Punkten müssen sie doch noch dazulernen.“

Einige Lernerfolge gibt es seit dem Sommer ja bereits. Bei Scheibenverlusten ist man besser abgesichert, sitzt auch nicht mehr so oft auf der Strafbank. „Die Balance ist besser“, sagt Tiilikainen. Dafür gilt es am verschwenderischen Umgang mit Torgelegenheiten zu arbeiten. „Wir kämpfen hart für unsere Chancen, belohnen uns aber noch nicht genug“, findet Fritzmeier.

Die DEL2 ist sehr eng

Trotzdem hat es zu Siegen in den Spitzenspielen in Ravensburg und gegen Kaufbeuren gereicht, und auch die schweren Fernprüfungen bei vermeintlich kleineren Kalibern wurden zuletzt in der Regel bestanden. „Die Liga ist sehr eng, auch die Mannschaften unten haben aufgeholt“, urteilt Fritzmeier. Wie schwer es ist, sich auf Dauer zu behaupten, zeigt das Beispiel Ravensburg: Der vor ein paar Wochen noch weit enteilte Tabellenführer ist nach einer Schwächephase plötzlich wieder in Reichweite. „Auch das ist normal, da muss man die Ruhe behalten“, meint der Sportdirektor. „Ravensburg wird sich schon wieder erholen und um den Titel mitspielen, Und Kaufbeuren wird ganz vorne dabei bleiben.“ Auch die kriselnden Erzrivalen aus Kassel hat er längst nicht abgeschrieben. „Es ist ja gerade erst die Hälfte der Saison vorbei“, erinnert Fritzmeier. „Und in den Play-offs werden die Würfel noch mal neu geworfen, da wird es wieder Überraschungen geben.“

Jetzt geht erst einmal der Weihnachtsstress richtig los. In Dresden am Freitag, gegen Kassel am Sonntag, Heiligabend wenigstens ganz frei, am 25. Dezember Training, am 26. frühmorgens Aufbruch in Richtung Crimmitschau. „Man muss das Positive sehen: Spieler spielen lieber als zu trainieren“, sagt Coach Tiilikainen und lacht. Die aus der Heimat gewohnte Weihnachtssauna wird er allerdings vermissen, da hilft nichts. Immerhin: Den typischen Weihnachtsschinken, in Finnland zu den Festtagen unverzichtbar, hat sich Matti Tiilikainen schon nach Frankfurt bestellt.

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