1. Startseite
  2. Sport
  3. Löwen Frankfurt

Löwen-Party auf dem Römer

Erstellt:

Kommentare

Lauter Löwen auf dem Römer: Headcoach Bo Subr präsentiert den Fans den DEL-2-Pokal.
Lauter Löwen auf dem Römer: Headcoach Bo Subr präsentiert den Fans den DEL-2-Pokal. © Jan Huebner

Frankfurt empfängt seine Aufsteiger: Dass man im Eishockey wieder erstklassig ist, wird gebührend gefeiert - ungeachtet der einen oder anderen noch offenen Frage.

Frankfurt -Die Party auf dem Römer dauerte schon eine Weile an, als Jan Barta auch noch Entertainer-Qualitäten bewies, und ein großzügiges Angebot gab es obendrein. "Jetzt schicken wir den Freisi noch mal mit dem Pokal zu euch, und jeder, der will, kriegt ein Selfie mit dem Pokal", rief der Assistenzcoach der Frankfurter Löwen ins Mikrofon und schickte Markus Freis, den jungen Verteidiger, auf den Weg durch die Menge - während Marius Erk unweit von ihm auf der Bühne stand und ein ganz eigenes Déjá-vu genoss.

Als siebenjähriger Frankfurter Bub hatte er 2004 schon im Kaisersaal mitfeiern dürfen, als die Vorgänger von den Lions den Titel in der ersten Klasse des deutschen Eishockeys gewonnen hatten. Nun stand er selbst als Teil einer Frankfurter Meistermannschaft da. "Jetzt noch mal hier zu sein", sagte der Löwen-Verteidiger, "da geht mir das Herz auf".

700, 800 Fans hatten sich am Mittwochnachmittag auf dem Römerberg versammelt, um ihren Helden zu huldigen und mit ihnen den Titelgewinn in der DEL 2 zu feiern, und vor allem: die Rückkehr Frankfurts in die erste Etage der Puckjäger-Republik, zwölf Jahre nach der Lions-Pleite.

Eine gute Stunde vor Freis' Gang zu den Anhängern für Selbstporträts mit Pokal hatte Stefan Krämer beim Empfang der Stadt Frankfurt im Kaisersaal den größten und am längsten anhaltenden Beifall bekommen. "Ich habe die große Ehre, Ihnen zu verkünden, dass das Frankfurter Eishockey ab sofort wieder erstklassig ist", erklärte der geschäftsführende Löwen-Gesellschafter. Sportlich ist das seit dem 2:1 bei den Ravensburg Towerstars am Freitagabend zum Ende einer sagenhaften Zwölf-Siege-Serie in den Play-offs klar. Wirtschaftlich aber gibt es in Fragen der Lizensierung noch das eine oder andere Fragezeichen, bis schon am 3. Mai der dafür nötige Antrag bei der DEL eingereicht werden muss - wobei aus Krämers Worten durchaus Zuversicht sprach.

Mike Josef verband den Empfang gleich mit einem Aufruf an etwaige Sponsoren. "Wir werden uns künftig wieder mit den Großen messen: Berlin, Mannheim oder München. Aber du brauchst eine wirtschaftliche Grundlage dafür", betonte der Frankfurter Sportdezernent, "da kann ich nur um Unterstützung werben". Während zur Untermalung von draußen die Fan-Partyklänge in den Kaisersaal klangen, hob er die emotionalen Aspekte des Aufstiegs hervor. "Dass in den Play-offs fast 7000 Menschen in der Halle hinter Euch standen, zeigt: Ihr seid ein Frankfurter Verein", sagte Josef.

In dieser Hinsicht könnte demnächst indes eine eigene Entwicklung eintreten: Die Investoren von "The Dome" wollen im Mai bekanntgegeben, an welchem Standort außerhalb der Stadtgrenzen sie nach dem Scheitern des Vorhabens in Frankfurt nun ihre Multifunktionshalle bauen wollen - und die Löwen haben sich hinter dieses Projekt gestellt.

"Ich kann mich nicht an Spekulationen über andere Standorte beteiligen", sagte Josef dazu. Er selbst, ein gutes halbes Jahr im Dezernenten-Amt, hat im Bemühen um eine Lösung der ewigen Hallen-Diskussion einen Platz in der Nachbarschaft zur Fußballarena eingebracht. "Wir hoffen, dass wir unseren Vereinen damit ein gutes Angebot machen können, ohne eine weitere lange Hängepartie", erklärte der SPD-Politiker, im Bewusstsein, dass "die Vereine schon lange auf eine Halle warten".

Fürs Erste galt es am Mittwoch vor allem, den neuen Eintrag ins Frankfurter Sport-Geschichtsbuch würdig zu begehen, einschließlich eines doppelseitigen Eintrags voller Löwen-Unterschriften ins goldene Buch der Stadt. "Was heute in der Stadt passiert, ist etwas Großes, sehr emotionales", sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann, der es sich ungeachtet der Awo-Affäre nicht nehmen ließ, die Meister im Rathaus zu begrüßen: "Kontinuierliche Arbeit über zwölf Jahre haben zu diesem Ergebnis geführt."

Zwölf Jahre seit dem Neustart in der Regionalliga, vollendet von zwölf berauschenden Alles-oder-Nichts-Spielen zum Aufstieg. "Ich bin unglaublich stolz auf diese Mannschaft, dass wir das geschafft haben", sagte Kapitän Max Faber, der auch froh war, dass alle Löwen an Bord waren. "Wir waren die letzten zwei Tage auf Mallorca, der Pokal wurde oft mit Bier gefüllt. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass es der eine oder andere nicht in den Flieger schafft", berichtete er augenzwinkernd. Auch das gelang dieser Meistermannschaft, pünktlich zur nächsten Party-Etappe - und dann ging es auf den Balkon und später auf die darunter aufgebaute Bühne, noch näher an die Fans.

Vor zwölf Jahren, erinnerte sich Marius Erk, Sohn einer im Frankfurter Eishockey bestens vernetzten Familie, am Rande noch, habe es bei ihnen zu Hause auf der Terrasse die ersten Gespräche gegeben, wie es nach den Lions weitergehen könnte, auf Löwen-Art. Nun war er mittendrin, als der Rückweg nach oben vollendet wurde. "Dafür gibt man Blut, Schweiß und Tränen, dafür tut man sich die ganze Arbeit an, um diesen Moment zu erleben", schwärmte Marius Erk. "Ich kriege immer noch jedes Mal Gänsehaut, wenn ich den Pokal sehe."

Löwen-Jubel: Gesellschafter Andreas Stracke (links) und Sportdirektor Franz-David Fritzmeier mit dem Pokal.
Löwen-Jubel: Gesellschafter Andreas Stracke (links) und Sportdirektor Franz-David Fritzmeier mit dem Pokal. © Jan Huebner
Stürmer Adam Mitchell trägt sich ins goldene Buch ein.
Stürmer Adam Mitchell trägt sich ins goldene Buch ein. © Patrick Scheiber/Jan Huebner

Auch interessant

Kommentare