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Löwen-Rausch und Realität

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Von: Markus Katzenbach

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Eishockey DEL, Loewen Frankfurt - Pinguins Bremerhaven
Löwen-Spieler Carter Rowney © Patrick Scheiber/Jan Huebner

Dem Coup zum Auftakt folgt dann doch nicht der nächste volle Erfolg. Mit dem DEL-Start aber kann Frankfurt auch so zufrieden sein - und die Gummihühner sind auch zurück in der ersten Liga.

Frankfurt -Mit enttäuschten Mienen stapften Kapitän Reid McNeill und die anderen Frankfurter Löwen in ihre Kabine, als dieser besondere Sonntagnachmittag, der mit Feierlichkeiten, voller Euphorie und so verheißungsvoll begonnen hatte, langsam seinem Ende entgegen ging. Den Ausgang des ersten Spiels in der ersten Klasse des deutschen Eishockeys in der Eissporthalle am Ratsweg nach zwölf Jahren hatten sie sich gewiss anders ausgemalt, vielleicht in etwa so wie ihre Überraschung zum Auftakt in Wolfsburg am Freitagabend, und lange sah es ja auch nach einem ähnlichen Coup aus. Sechs Minuten aber fehlten den Aufsteigern zu einem dann schon sensationellen Sechs-Punkte-Start in die DEL. Gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven verloren sie schließlich mit 3:4 (3:0/0:2/0:2), Stefan Krämer indes fand zwischen Löwen-Rausch und Ernüchterung die gebotene realistische Einschätzung. „Mit ein bisschen mehr Glück hätten wir heute auch gewonnen, aber es war ein ordentlicher Start mit drei Punkten am ersten Wochenende gegen zwei sehr gute Mannschaften“, urteilte der geschäftsführende Gesellschafter und befand: „Auf diese Leistung können wir aufbauen.“

Vor dem ersten Bully hatte er mit seinem Co-Gesellschafter Andreas Stracke, Sportdirektor Franz-David Fritzmeier und Hallensprecher Rüdiger Storch das Banner zur DEL-2-Meisterschaft feierlich nach oben unter das Dach der Eissporthalle gezogen, wo es nun neben anderen Meilensteinen der Frankfurter Eishockey-Geschichte hängt - Zeichen eines Erfolgs, mit dem sich ein traditioneller Standort zurück in der DEL melden durfte. Und zwölf Jahre nach der Pleite der Lions-Vorgänger trumpften die aktuellen Löwen in diesem Revier erst einmal erstaunlich kräftig auf. Gegen Bremerhaven folgte ein erstes Drittel, das anknüpfte an den Auftritt bei der Spitzenmannschaft Wolfsburg zwei Tage zuvor. Dass die Löwen danach 3:0 führten, war allerdings auch etwas glücklich. Die seit einigen Jahren in der erweiterten DEL-Spitze etablierten Gäste waren nicht unbedingt schlechter, sie hatten aber das Pech, mit Jake Hildebrand im Löwen-Tor auf einen an diesem Tag wieder einmal famosen Goalie zu treffen. Während ihr eigener Schlussmann Maximilian Franzreb bei den Gegentoren nicht glücklich aussah.

Jungstarstürmer Dominik Boll brachte Frankfurt früh in Führung (3.), das letztlich NHL-Veteran Carter Rowney zugeschriebene 2:0 (9.) und das 3:0 durch Brett Breitkreuz (16.) bereitete er vor - und wusste hinterher, was danach schief gelaufen war. „Wir haben uns zu stark auf der Führung ausgeruht“, räumte Bokk ein, Sportdirektor Franz-David Fritzmeier sah es ähnlich: „Wir haben dann zu wenig gemacht.“

So verloren die Löwen, die am Freitag nach einem 0:2-Rückstand 5:2 gewonnen hatten, diesmal nach einer 3:0-Führung 3:4. „Das war die andere Seite der Medaille“, erkannte Kapitän McNeill: „Das war eine harte Lektion, aber es ist gut, dass wir sie so früh bekommen. Wir sind gut reingekommen und haben viel Energie von den Fans mitgenommen, aber wir müssen es 60 Minuten schaffen, unsere Emotionen und das Momentum managen.“

Mit zwei Treffern kurz hintereinander durch Alexander Friesen (35.) und Markus Vikingstad (37.) leiteten die Gäste im zweiten Drittel die Wende ein, im dritten profitierten sie entscheidend von Löwen-Fehlern. Mit der Strafzeit für ihren Publikumsliebling Brett Breitkreuz waren die Fans zwar nicht einverstanden und sorgten für ein erstklassiges Comeback ihres passenden Rituals - sie warfen Gummihühner aufs Eis, um den Schiedsrichter bei deren Entfernung als „Hühnerdieb“ zu beschimpfen. Die immer mehr das Spiel bestimmenden Pinguins aber nutzten die Überzahl zum Ausgleich durch Christian Wejse (55.). Und als in der 58. Minute ein Frankfurter den Puck verlor und gerade zu viele Kollegen unterwegs zum Wechseln waren, glückte Nicholas Jensen der entscheidende Schuss ins Löwen-Herz, kurz vor Schluss.

„Das sind Fehler, die uns Punkte kosten“, wusste Headcoach Gerry Fleming und versprach: „Daraus werden wir lernen“. Bestenfalls schon bis zum nächsten Heimspiel am Freitagabend (19.30 Uhr) gegen die Iserlohn Roosters. Trotz der späten Enttäuschung vom Sonntag: Die ersten drei Punkte für die Mission Klassenerhalt sind verbucht, und am nötigen Selbstbewusstsein mangelt es auch nicht. „Wir haben gesehen, dass wir mithalten können“, bilanzierte Stürmer Bokk das erste Wochenende,. „wir müssen uns vor keiner Mannschaft verstecken“. Frankfurt ist wieder angekommen in der DEL, die Gummihühner sind es auch.

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