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Eingespieltes Team: Schon in Finnland haben Matti Tiilikainen (links) und Marko Raita eng zusammengearbeitet ? und nun zusammen in Frankfurt sogar gleich den Handkäs?-Test gewagt.

Tiilikainen, Raita, Salo

Die Löwen-Trainer verraten ihre Pläne für die Saison

Matti Tiilikainen, Marko Raita und Valterri Salo haben mit den Frankfurter Eishockey-Löwen die Vorbereitungen auf die neue Saison in der DEL 2 aufgenommen. Im Gespräch mit unserem Redakteur Markus Katzenbach schildert das neue finnische Trainer-Trio seine Vorstellungen.

Apfelwein und Handkäs’ mit Musik haben Sie bereits am Tag Ihrer Vorstellung im Mai probiert, jetzt sind Sie seit gut eineinhalb Monaten wieder in . Welche Erfahrungen haben Sie seither gemacht – bei der Arbeit und darüber hinaus? MATTI TIILIKAINEN: Der Apfelwein war auf jeden Fall eine neue Erfahrung (lacht, Anmerkung der Redaktion) . Ansonsten ist es am Fluss sehr schön, es gibt es viele gute Restaurants. Ich bin mit meiner Familie hier, meiner Frau und zwei Kindern, uns gefällt es sehr gut.

MARKO RAITA: Neue Erfahrungen für uns waren, wie uns unsere neuen Nachbarn begrüßt haben und wir immer wieder mit Menschen ins Gespräch kommen. Das ist sehr nett. In Finnland sind die Leute eher für sich. In den letzen zwei, drei Wochen war aber nicht viel Zeit für alles außer Eishockey.

VALTTERI SALO: Wir haben uns schon gut eingelebt. Als wir nach der ersten Woche Trainingslager in Diez und dem Testspiel in Bremerhaven zurückgefahren sind, hat es sich schon so angefühlt, als würden wir wieder nach Hause kommen.

Sie kommen aus Finnland, einem Eishockey-Land. Ist Frankfurt auch eine Eishockey-Stadt, obwohl die Löwen nur in der Zweiten Liga spielen?

TIILIKAINEN: Ja, auf jeden Fall. Es ist eine große Stadt, und man spürt, dass Eishockey hier seinen Platz hat. Es kommt schon mal vor, dass wir in einem Restaurant mit jemandem spontan eine halbe Stunde über Eishockey sprechen. Die Fans sind überhaupt sehr freundlich und interessiert, das ist schön.

RAITA: Die Fankultur ist auch viel größer als in Finnland. Ich hatte schon vorher davon gehört. Aber als ich letzte Saison das erste Spiel hier gesehen habe, habe ich erst richtig gemerkt: Das ist echt groß.

Die DEL 2 hat über die deutschen Grenzen hinaus keinen allzu großen Ruf. Musste Löwen-Sportdirektor Franz Fritzmeier Sie lange von diesem Engagement überzeugen?

RAITA: Wir sind schon lange mit ihm im Gespräch. Das ist der wichtigste Grund, warum wir hierhergekommen sind. Wir wissen, was der Club für Vorstellungen hat. Es gibt Potenzial, hier etwas zu entwickeln.

TIILIKAINEN: Auch wenn Frankfurt in der Zweiten Liga spielt, kennt man den Club in Finnland. Wer sich bei uns professionell mit Eishockey beschäftigt, hat auch Respekt vor der DEL 2. Es gibt viele gute Spieler, viele gute Clubs, und die Löwen Frankfurt sind natürlich ein großes Team, das nach oben will. Wir wollten Teil dieses spanndenden Prozesses werden. Für uns ist es auch eine Herausforderung, aus dem eigenen Land, aus dem bekannten Umfeld herauszukommen.

Es ist auch in anderer Hinsicht eine Herausforderung: Sie haben bislang Nachwuchs trainiert, jetzt bekommen Sie es mit gestandenen Profis zu tun.

TIILIKAINEN: Eines Tages kommt man an den Punkt, wo man diesen Schritt machen muss. Franz kennt uns, wir haben viel gesprochen darüber, was der Club vorhat. Wir liegen da auf einer Wellenlänge. Für uns ist es natürlich etwas Neues, in die Profi-Welt zu kommen. Aber wir haben eine gute Ausbildung und schon viele Erfahrungen gesammelt. Das hilft uns. Und am Ende ist Eishockey eben Eishockey, ob im Nachwuchs oder bei den Profis.

Für die Löwen ist es eine neue Konstellation: Sie arbeiten zu dritt in einem Team. Wie teilt sich das auf?

SALO: Ich kümmere um die Goalies. Dazu kommen Videoanalysen. Bei den Torabschlussübungen bringe ich mich auch viel ein. Ich weiß, wie die Goalies reagieren, und habe Tipps für die Schützen, wohin man gut schießen oder welche Bewegungen man machen kann und so weiter. Ich mache auch die Live-Cuts für die Videoanalyse während des Spiels, oben auf der Tribüne, und komme in den Pausen mit dem Computer in die Kabine. Und wir diskutieren insgesamt viele Dinge.

TIILIKAINEN: Ja, wir arbeiten komplett im Team. Mit Marko teile ich mir das Training etwa 50:50 auf. Er achtet etwas mehr auf die Arbeit in der Defensive, ich mehr auf die Offensive. So ist das auch im Spiel. Wir besprechen vorher gemeinsam, was wir trainieren wollen oder wie unsere Strategie für das Spiel ist.

RAITA: Matti schaut auch noch ein bisschen mehr aufs Gesamtbild, wir noch mehr auf die Details. Manchmal sind das harte Diskussionen unter uns dreien, aber normalerweise finden wir dann einen Weg, der für alle der Beste scheint.

Wie bereitet man sich auf eine Saison vor, wenn man so wenig über die Gegner und die ganze Klasse weiß?

TIILIKAINEN: Klar, wir müssen die anderen Spieler und Mannschaften erst kennenlernen. Aber sie wissen erstmal auch nicht, wie wir spielen (lacht, Anm. d. Red.) . Die ersten Begegnungen werden sicher sehr spannend. Wir müssen da sehr aufmerksam sein. Franz kennt sich auch gut aus in der DEL 2, und wenn wir eine Information brauchen, werden wir sie bekommen. Und vor allem müssen wir darauf schauen, was wir machen.

RAITA: In der vergangenen Saison habe ich schon über 30 Spiele sehen können, dazu war ich in der Playoff-Serie gegen Bietigheim hier. Es gibt in dieser Liga viele sehr gute Spieler, verschiedene Systeme. Das Spiel ist bei den meisten Teams ein bisschen offensiver, aber so groß ist der Unterschied auch nicht. Eishockey ist auch kein so kompliziertes Spiel.

Ihre neuen Spieler haben Sie schon etwas kennenlernen können, die ersten zwei richtigen Trainingswochen sind vorbei. Wie schätzen Sie sie ein?

TIILIKAINEN: Sie sind sehr motiviert, sie sind bereit zu arbeiten – das ist das Wichtigste. Wenn du etwas erreichen willst, musst du jeden Tag gut arbeiten. Wir haben sehr erfahrene Spieler, echte Führungskräfte, viele junge Spieler, und auch 25- und 26-Jährige, die den nächsten Schritt machen möchten.

Was ist in dieser Saison möglich?

TIILIKAINEN: Wir sind bei den Löwen Frankfurt. Da ist es klar, dass wir Erfolg haben wollen. Aber auf diesem Weg gibt es keine Abkürzung. Da ist hartes Teamwork nötig. Wenn unsere Spieler Woche für Woche besser werden, werden wir auch ein stärkeres Team. Wir wollen uns weiterentwickeln, und wenn das gelingt, werden wir auch Erfolg haben. Das wollen wir, das will der ganze Club. Deshalb brauchen wir hier die guten Bedingungen, die guten Spieler, eine gute Führungsebene und alles Weitere. Vor zwei Jahren waren die Löwen Meister, letztes Jahr im Halbfinale. Es gab also schon Erfolg, und wir wollen diese Reihe fortsetzen.

Die Vision ist die Rückkehr in die DEL, früher oder später. Gehört das zu Ihrem Auftrag: das Team auf diesen Standard zu bringen?

TIILIKAINEN: Natürlich. Jeder will nach oben kommen. Wir als Coaches, die Spieler, der ganze Club. Wir wollen dafür die sportlichen Grundlagen schaffen, andere erledigen die Aufgaben auf anderen Ebenen. Jeder tut, was er kann.

Fällt das nicht manchmal schwer, wenn der Aufstieg erst 2021 wieder regulär möglich ist und man vorher nur hoffen kann, dass durch Pleiten anderer Clubs und Lizenzentzüge zufällig ein Platz frei wird?

TIILIKAINEN: Wir kennen das aus Finnland. Aber man muss bereit sein, wenn eines Tages die Chance kommt. Noch sind wir nicht bereit, noch sind wir kein DEL-Team. Deshalb wollen wir hier in Frankfurt etwas aufbauen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Stand der Vorbereitungen?

RAITA: Wir sind in der Zeit, so wie geplant, Schritt für Schritt.

TIILIKAINEN: Eishockey ist Eishockey, aber man kann es auf verschiedene Weise trainieren. Wir arbeiten so, wie wir glauben, dass es uns Erfolg bringt. Die Spieler sind bereit, auch neue Sachen auszuprobieren. Für uns fühlt es sich so an, dass sie voll mitziehen. Wir haben eine gute Harmonie und hatten schon gute Gespräche mit allen Spielern. Es sind aber auch erst zwei Wochen vorbei. Das große Bild muss am Ende zu sehen sein. Es ist ein langer Prozess. Wir sind noch nicht fertig, überhaupt nicht.

Wie plant man das: das beste Eishockey am Saisonende zu spielen? Sie müssen ja zum Start Mitte September auch schon bereit sein und können nicht die ersten acht Spiele verlieren.

TIILIKAINEN: Das ist Teil des Prozesses. Man ist niemals fertig im September. Und wenn wir die ersten zehn Spiele gewinnen und glauben, wir sind dann schon fertig und hören auf mit der Arbeit, werden wir im Main untergehen. Du musst immer weiterarbeiten, jeden Tag besser und besser spielen. Wenn wir weitermachen wie jetzt, glauben wir, dass uns das auch die Ergebnisse bringt, die wir verdienen. Es wird dabei Phasen geben, in denen es sehr gut läuft, und Phasen, in denen man sich entwickeln muss. Das perfekte Eishockey-Spiel habe ich noch nicht gesehen.

Was wäre für Sie denn ein perfektes Eishockeyspiel?

TIILIKAINEN: Puh, schwierige Frage. Die Spieler müssen es genießen können, die Fans, die Trainer auch.

RAITA: Zwei starke Mannschaften, von denen die bessere gewinnt. Mit viel Leidenschaft, großen Fertigkeiten, hohem Tempo.

SALO: Und guten Torwart-Paraden (lacht, Anm. d. Red .). Und tollen Toren.

Und was ist für Sie ganz allgemein das Faszinierende an Ihrer Sportart?

TIILIKAINEN: Wenn du im Basketball nicht groß bist, bist du normalerweise auch nicht gut. Aber im Eishockey kannst du 1,60 sein oder zwei Meter und ein sehr guter Spieler sein. Du brauchst Talent, deinen Kopf, um das Spiel zu verstehen, du brauchst Kraft, Kondition, Tempo. Du brauchst so viele verschiedene Fähigkeiten, dass du immer etwas machen kannst, um besser zu werden. Es gibt so viele Möglichkeiten. Das macht es so interessant. Und natürlich die Spiele. Deswegen lieben wir diesen Sport.

SALO: Und jeder Tag ist anders. Und aufregend.

RAITA Es ist ein großer Teil des Lebens. Und ein Lebensstil.

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