Eishockey DEL 2, Loewen Frankfurt - EC Bad Nauheim
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Vorteil Frankfurt: Christian Kretschmann (rechts) ist vor Bad Nauheims Stefan Reiter am Puck.

Eishockey

Löwen auf dem Vormarsch

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Das Nachbarschaftstreffen mit dem EC Bad Nauheim wird am Ende noch eine klare Angelegenheit für die Frankfurter. Die Löwen holen in der Tabelle weiter auf - und wenn Führungsspieler fehlen, trumpfen eben andere auf.

Frankfurt – Noch genau elf Minuten und 51 Sekunden standen auf der Anzeigetafel in der Eissporthalle am Ratsweg, als Martin Buchwieser die schlichte Herangehensweise erklärte, wie diese verbleibende Zeit mit mindestens dem einen schon erarbeiteten Tor Vorsprung zu einem erfolgreichen Ende zu führen sei. „Wir müssen einfach unsere Chancen verwerten“, gab der erfahrene Stürmer der Frankfurter Löwen also aus, in einer der zur Mitte der jeweiligen Drittel üblichen Werbeunterbrechungen in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys, in der die Spieler auch in derart engen Angelegenheiten die Zeit und den Nerv haben, dem übertragenden Onlinesender Sprade-TV kurz Rede und Antwort zu stehen. „Wir spielen gut, haben das Spiel im Griff und machen nur zu wenig daraus“, fasste Buchwieser das bisherige Geschehen am Dienstagabend noch treffend zusammen.

Gesagt, getan: Kurz darauf war aus einer Frankfurter 2:1-Führung in einem traditionell brisanten Nachbarschaftstreffen der DEL 2 gegen den EC Bad Nauheim noch eine deutliche Angelegenheit geworden. Mit einem 5:1 (1:0, 1:1, 3:0) feierten die Löwen verdientermaßen ihren fünften Sieg in Serie und schaffen mit diesem Vormarsch bei den vielen Nachholterminen nach ihrer Corona-Zwangspause immer mehr den Anschluss an die Tabellenspitze – während sich bei den Gästen aus der Wetterau der Abwärtstrend fortsetzt.

„Großen Respekt an meine Mannschaft“, zollte hinterher Franz-David Fritzmeier, der Frankfurter Sportdirektor und Headcoach, „Bei all den Widrigkeiten, den vielen Ausfällen: Auf Dauer ist das schwer zu kompensieren. Aber jetzt, im richtigen Moment sind alle da und machen ihren Job. Alle Spieler haben ihre Top-Leistung gebracht.“

Kurz nach Buchwiesers Interview setzten Manuel Strodel (50.), der unermüdlich ackernde Center Stephen MacAulay (54.) und Verteidiger Leon Hüttl (55.) dessen Worte in Taten um und machten aus Löwen-Chancen endlich auch Tore, in flotter Folge. Zuvor hatten Luis Schinko (19.) und Mike Fischer (32.) Frankfurt zwei Mal in Führung gebracht, die Bad Nauheimer zwischenzeitlich durch James Arniel (29.) ausgeglichen.

Ihre größte Gelegenheit, dem Spiel eine andere Wendung zu geben, ließen letztlich viel zu harmlose Roten Teufel aus. Nach zehn Minuten hatten die Schiedsrichter den hünenhaften Löwen Mike Mieszkowski mit einer fünfminütigen Strafzeit versehen und obendrein mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe für den Rest des Abends schon ganz verabschiedet. Das war zumindest umstritten, weil Mieszkowskis Check auf offenem Eis gegen Tomas Schmidt zwar hart, aber mit angelegtem Arm erfolgte – nur dass er den eine Etage kleineren Bad Nauheimer wohl eher körpergrößenbedingt als absichtlich mit der Schulter am Kopf traf. Schmidt konnte später weiterspielen, Mieszkowski durfte nicht mehr – für die Frankfurter eine weitere Schwächung, nachdem mit David Suvanto, Kyle Wood und Sebastian Collberg ohnehin schon drei wichtige Spieler fehlten.

„Die lange Überzahl war unsere Chance, das muss man nutzen. Das haben wir aber nicht gemacht, und Frankfurt war insgesamt heute besser“, wusste EC-Trainer Hannu Järvenpää. Und die Löwen ließen sich auch im zehnten Spiel in 22 Tagen seit ihrer Corona-Quarantäne selbst von diesem zusätzlichen Kräfteverschleiß nicht stoppen. Bezeichnend, dass die jungen Schinko und Fischer und der fleißige Strodel dabei auftrumpften und wie am Wochenende schon wieder entscheidend trafen, nachdem sie zuvor in dieser Saison eher selten als Torschützen aufgefallen waren. „Nachdem einige Führungsspieler ausgefallen sind, haben viele andere einen Schritt nach vorne gemacht“, betonte Fritzmeier. „Man sieht auch an den Statistiken, dass unsere jungen Spielern einen deutlichen Schritt gemacht haben“, ergänzte er, indes: „Ich glaube, dass da noch mehr geht.“

Am Freitag (20 Uhr) bei den Bietigheim Steelers bietet die Frankfurter Terminhatz schon die nächste Gelegenheit dazu. „Da werden wir wieder bereit sein“, kündigte der starke Fischer schon an, trotz aller Strapazen. Wohl auch der tapfere Strodel, der zuletzt schon viel einstecken musste und diesmal von einem Schuss aus eigenen Reihen kurz vor Schluss heftig im Gesicht getroffen wurde, aber hart im Nehmen ist. "Nur schade, dass unsere Fans nicht dabei waren", bedauerte Franz-David Fritzmeier angesichts der in Corona-Zeiten inzwischen gewohnt leeren Rängen: "Heute hätte das Stadion gebebt", meinte er und sandte via Onlinesender noch einen schönen Gruß an die Fans daheim - die so zwar nicht vor Ort dabei sein konnten, aber stattdessen immerhin von Martin Buchwieser die richtigen Worte für die letzten Minuten frei Haus geliefert bekamen.  

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