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Goldene Zeiten: Für Matt Pistilli läuft es bei den Löwen gerade richtig gut, das sieht man an seinem Helm.

Löwen Frankfurt

Matt Pistilli will mit den Löwen wieder Meister werden – und irgendwann Feuerwehrmann

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Matt Pistilli trägt derzeit eine besondere Auszeichnung auf dem Kopf: den goldenen Helm, als bester Scorer der Frankfurter Löwen. Dabei hat er noch viel größere Ziele.

Keine Frage. Was er geworden wäre, wenn er sein Geld nicht mit der Puckjagd verdienen könnte? „Feuerwehrmann“, sagt Matt Pistilli und muss da nicht lange überlegen, der Beruf hat ihn schon immer fasziniert. „Ich habe Familienmitglieder, die Feuerwehrmänner sind“, erklärt er, und: „Es ist eine sehr wichtige Aufgabe. Man muss im Team zusammenarbeiten, anders geht es nicht, und man braucht man viel Mut“, meint er. „Ein bisschen wie im Eishockey.“

Noch muss die Feuerwehr warten, dafür geht es ihm in seiner derzeitigen Beschäftigung zu gut, im Moment vor allem, und eine besondere Kopfbedeckung ist das beste Zeichen dafür. „Es macht mich schon stolz, ihn zu tragen“, sagt Matt Pistilli über den goldenen Helm, der ihn, wie es so üblich ist, als derzeit besten Scorer der Frankfurter Löwen ausweist: „Das zeigt, dass es gut bei mir läuft. Aber wichtiger ist, dass die Mannschaft gewinnt. Sonst macht es auch keinen Spaß, ihn zu tragen.“

In diesen Wochen kommt beides zusammen. Die Löwen liegen in der DEL 2 nach den ersten 13 Spielen und damit einem Viertel der langen Hauptrunde auf dem zweiten Tabellenplatz, das hätte nach dem großen Umbruch im Sommer mit neuen Trainern und vielen neuen Spielern auch schlechter anfangen können. Und Pistilli hat dazu elf Tore und acht Vorlagen beigesteuert, nur sechs Spieler in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys stehen vor ihm im Tableau. Allerdings auch ein paar andere Löwen direkt hinter ihm. Da gibt es bei der Jagd nach Goldhelm, der dem Spieler mit den meisten Toren und Vorlagen einer Mannschaft gebührt, schon mal einen lockeren Spruch in der Kabine, kein Problem: „Wir treiben uns gegenseitig an“, meint Pistilli schmunzelnd, wobei: Genug Motivation gibt es so oder so. „Ich fühle mich hungrig, ich will der Mannschaft helfen“, betont der Kanadier, vergangene Woche 30 geworden und inzwischen im dritten Frankfurter Jahr. Sportdirektor Franz Fritzmeier bescheinigt ihm eine gute Entwicklung: „Er wächst hinein in die Rolle als Führungsspieler. Er trifft nicht nur regelmäßig, er geht auch jeden Tag mit gutem Beispiel voran. Das hilft unseren jungen Spielern.“

Pistilli wiederum nimmt sich bei seiner Berufseinstellung das neue Trainertrio um Headcoach Matti Tiilikainen zum Vorbild: „Sie arbeiten sehr hart. Ihr Arbeitsethos nimmt uns Spieler in die Pflicht, es ihnen gleich zu tun“, meint er. Auch für ihn war es eine Art Neuanfang, nach einer Runde, die für die ganzen Löwen ebenso enttäuschend verlief wie für ihn persönlich: „Ich hatte wieder viele Scorerpunkte, war aber nicht zufrieden damit, wie ich gespielt habe.“ Vielleicht auch eine Folge der Dauerbelastung. Lange Spielzeiten, kurze Sommerpausen: Als dänischer Meister kam Pistilli 2016 nach Frankfurt, um mit den Löwen 2017 Zweitliga-Champion zu werden, ohne ein Spiel zu verpassen, auch da als bester Scorer, und in den Jahren zuvor in den USA war das nicht viel anders.

So gesehen hatte das Halbfinal-Aus der vorigen Saison auch etwas Gutes: Ausnahmsweise war die Auszeit etwas länger. „Ich konnte den Reset-Knopf drücken und mich körperlich wieder in eine gute Verfassung zu bringen“, berichtet Pistilli. Mit viel Training auch im Sommer zwischen den Eishockey-Jahren, daheim in Steinbach, wo er mit Frau Jessica vor den Toren Frankfurts lebt. Er macht keinen Hehl daraus, wofür das am Ende gut sein soll: „Ich will ein neues Banner in der Eissporthalle sehen“, sagt er mit Blick auf die Tafeln, die für die Meisterschaft in 2004 und 2017 in DEL und DEL 2 unterm Hallendach hängen.

Mit diesem Löwen-Team sei das möglich, ist sich der Flügelstürmer sicher. Auch wenn der Weg noch weit ist. Erst einmal kommen an diesem Freitag (19.30 Uhr) die Piraten Crimmitschau an den Ratsweg – bislang überraschend erfolgreich, vor allem dank ihrer starken Abwehr. Und am Sonntag (17 Uhr) steht beim Tabellendritten ESV Kaufbeuren ein Spitzenspiel an. „Ich habe viele Titel gewonnen, viele Finals gespielt. Das Ziel ist immer das Höchste, sonst muss ich nicht mehr Eishockey spielen“, sagt Pistilli. Irgendwann wird er den Eishockey- mit dem Feuerwehrhelm tauschen, das hat er fest vor, nach der Karriere: „Definitiv.“ Noch ist die Zeit für die Umschulung aber längst nicht gekommen. Auch das zeigt nebenbei Matt Pistillis goldener Helm.

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