Die Löwen am Boden: Eric Stephan (rechts) kann nur noch zuschauen, wie der Bietigheimer Norman Hauner Maß nimmt.
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Die Löwen am Boden: Eric Stephan (rechts) kann nur noch zuschauen, wie der Bietigheimer Norman Hauner Maß nimmt.

Eishockey

Mit dem Rücken zur Wand

Den Löwen droht nach der zweiten Niederlage gegen Bietigheim ein frühes Aus.

Frankfurt -Das Datum immerhin hätte ein gutes Omen sein können. Auf den Tag genau vier Jahre zuvor hatten die Frankfurter Löwen in der Eissporthalle am Ratsweg schließlich die Bietigheim Steelers mit 5:2 bezwungen und damit zum ersten und bislang einzigen Mal die Meisterschaft in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys feiern können. Nach einer baldigen Wiederholung sah es am etwas späteren Sonntagabend dann allerdings nicht aus, im Gegenteil: Die Löwen-Hoffnungen auf eine Meisterschaft und damit auch den in diesem Jahr wieder möglichen Aufstieg in die DEL könnten ein frühes Ende finden. Mit einem 0:4 (0:1, 0:1, 0:2) ging auch die zweite Partie der Viertelfinalserie im Best-of-Five-Modus verloren - und während die Steelers nach dem 4:2 vom Freitag mit einem weiteren Erfolg daheim am Dienstag (19.30 Uhr) ins Halbfinale weiterziehen könnten, brauchen die Frankfurter nun drei Siege in Serie.

"Das ist natürlich eine bittere Niederlage. Wir haben sicher alles versucht, haben auch den vielen Ausfällen getrotzt und hatten viele Möglichkeiten, das Spiel auf unsere Seite zu ziehen. Wir haben aber die Tore nicht gemacht, so ist es schwer zu gewinnen", meinte Franz-David Fritzmeier, der Frankfurter Sportdirektor und Headcoach, während sein Bietigheimer Trainerkollege Danny Naud zufrieden festhalten konnte: "Wir haben heute wieder sehr gut gespielt." Der entscheidende Unterschied waren für ihn die Sondereinsatzkommandos: Während Bietigheim in drei von fünf Powerplays traf, gelang das den Löwen in keinem ihrer beiden Möglichkeiten.

Beim Personal hatten die Vorzeichen aus Frankfurter Sicht beim Wiedersehen zum Jahrestag der Löwen-Meisterfeier schon deutlich weniger günstig als in Terminfragen gestanden. Mit Matt McKnight, Norman Hauner und Robin Just kehrten gleich drei bewährte Steelers-Stürmer aufs Eis zurück, sie hatten zu den vier Bietigheimer Spielern gezählt, die von Covid-19-Infektionen betroffen waren. Während bei den Löwen zwar der junge Verteidiger Daniel Wirt wieder mitmischte, die in Bietigheim verletzt ausgeschiedenen Mike Fischer und Kyle Wood ebenso wie Mike Mieszkowski aber nicht - sie verlängerten neben den Langzeitfällen die Liste der Ausfälle auf deren sieben. "Es ist wie verhext", haderte Fritzmeier.

Es ging dann auch nicht gut los. Gleich die erste Überzahl nutzte Löwen-Schreck Riley Sheen, der am Freitag zwei Mal getroffen und in vier Hauptrunden-Aufeinandertreffen gegen Frankfurt bereits acht Scorerpunkte gesammelt hatte, zum 1:0 für Bietigheim in der dritten Minute, und das ließ sich im zweiten Drittels wiederholen - da traf Sheen im zweiten Powerplay zum 2:0 (26.)

Den Löwen nutzte es da wenig, dass sie nach dem ersten Drittel 14:6 Schüsse in der Statistik verzeichneten. Es fehlte die eine oder andere Schippe an Behauptungswillen, Spielwitz und Abschlussglück und -geschick, der verletzte Kapitän Adam Mitchell wurde da schmerzlich vermisst. Vor allem mangelte es an einem Vollstrecker wie dem treffsicheren Bietigheimer Torjäger Sheen: Gelegenheiten gab es schon, dem Spiel eine Wende zu geben, aber sie wurden wie am Freitag liegen gelassen. Während starke Steelers, die konzentriert und diszipliniert verteidigten und zielstrebig konterten, mit weiteren Treffern von Hauner (56.) und C.J. Stretch den nicht unverdienten Sieg noch deutlich machten.

"Wir haben es wieder nicht geschafft, Tore zu schießen, und haben auch in den Special Teams klar verloren", ärgerte sich Löwen-Stürmer Martin Buchwieser, gab aber die Hoffnung nicht auf: "Jetzt stehen wir mit dem Rücken zur Wand. Aber wir glauben weiter an uns." Auch Fritzmeier verbreitete mit Blick auf Dienstag noch einmal Optimismus, trotz der abermaligen Ernüchterung. "In Bietigheim geht es wieder bei Null los", meinte der Trainer und Sportdirektor. Die beiden Spiele hätten in beide Richtungen kippen können, fand er. "Deshalb bin ich zuversichtlich. Und dann sehen wir uns am Donnerstag wieder hier in Frankfurt." Zu einem möglichen vierten Spiel - aber nur bei einem Löwen-Sieg, sonst ist schnell alles vorbei. "Jetzt", betonte Franz-David Fritzmeier, "müssen wir liefern".

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