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Der neue Löwen-Trainer Olli Salo kann mit Sebastian Collberg einen interessanten Stürmer einplanen.

Eishockey

Ein neuer Löwe mit dem Potenzial zur Explosion

  • Markus Katzenbach
    vonMarkus Katzenbach
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Der immer noch recht junge Stürmer Sebastian Collberg soll in Frankfurt den Durchbruch schaffen.

Frankfurt -Franz-David Fritzmeier hat Sebastian Collberg schon oft auf dem Eis gesehen, weiter beschäftigt hat ihn das früher nicht. "Solche Spieler kennt man, aber man macht sich keine Gedanken über sie", erklärt der Sportdirektor der Frankfurter Löwen: "Weil die NHL-Karriere vorgezeichnet ist." Und ein solches Potenzial auch die Krefelder und Kölner Verhältnisse kräftig überstieg, in denen Fritzmeier seinerzeit tätig war. So gesehen ist es schon ein Coup, dass er den einstigen Jungstar mit inzwischen 26 Jahren nun zu den Frankfurter Löwen gelockt hat, in die zweite Klasse des international nicht unbedingt erstklassigen deutschen Eishockeys. "Vor drei Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass wir ihn jetzt verpflichten können", bekundet Fritzmeier.

Dass sich diese Möglichkeit ergeben hat, hängt natürlich nicht nur mit der guten Arbeit in Frankfurt zusammen, sondern auch damit, dass es in Collbergs Laufbahn dann doch nicht immer so voranging wie gedacht. Auch aufgrund von Verletzungen, wie in der vergangenen Saison in Österreich bei den Graz 99ers, für die er auch in der Champions Hockey League im Einsatz war.

In Frankfurt bekommt er nun die erste von vier in der DEL 2 pro Spieltag zulässigen Ausländerlizenzen. Die zweite für den Angriff vorgesehene könnte wieder an Stephen MacAulay vergeben werden, damit wären die Sturmreihen praktisch komplett. Bei Roope Ranta hingegen stehen die Zeichen auf Trennung, trotz aller Treffer und Traumtore: Der Collberg-Transfer sollte im Gesamtpaket eine Steigerung verheißen.

Für die Löwen bietet das Engagement des schwedischen Stürmers indes auch "ein kleines Restrisiko", wie es Fritzmeier formuliert: Dass dessen Karriere auch in Frankfurt stagniert. Die Chancen dieser bemerkenswerten Verpflichtung bewerten die Löwen allerdings ungleich größer.

"Wenn er sein Potenzial bei uns ausschöpft, kann er eine Granate werden", sagt der Sportdirektor und geht in Gedanken an den ab der nächsten Saison wieder möglichen Aufstieg in die erste Klasse noch einen Schritt weiter: "Wir sehen in ihm das Potenzial, mit uns in die DEL zu gehen. Dort kann er meiner Meinung nach eine sehr gute Rolle spielen." Erstklassige Erfahrung bringt Collberg einige mit, trotz des immer noch recht jungen Alters. Mit über 250 Einsätzen in der renommierten schwedischen Liga SHL, in der er mit 16 schon debütierte. Und mit zwei Jahren in Nordamerika: Bereits 2012 sicherten sich die Montreal Canadiens aus der Superstar-Liga NHL den Zugriff auf das Talent, das im gleichen Jahr mit der schwedischen U-20-Auswahl Weltmeister wurde, in den beiden darauffolgenden Jahren zudem zwei Silbermedaillen von dem bedeutendsten Talentetreffen der Puckjagd mitbrachte und zu den besten Spielern dieser Turniere zählte.

Anders als damalige Teamkollegen wie Filip Forsberg oder Elias Lindholm, inzwischen feste NHL-Größen, konnte sich Collberg in Nordamerika indes nicht durchsetzen, fürs Erste jedenfalls. Nach zwei Jahren in der AHL, der NHL-Talentschmiede, kehrte in die Heimat zurück, konnte aber weder dort noch in der vorigen Runde in Graz die Torgefahr entwickeln, die ihn im Junioren-Bereich auszeichnete. "Eigentlich ist er ein Scorer, dafür haben wir ihn verpflichtet", sagt Fritzmeier. Als Collberg vor einem Jahr nach Österreich wechselte, hatte er ihn "schon mehr auf dem Schirm". Bei der Verpflichtung half jetzt, dass auch in Skandinavien der Frankfurter Weg gesehen und geschätzt wird: Die Entwicklungsarbeit für den Aufstieg, der Jugendtrend, die allgemeine Professionalisierung der Strukturen - und das Vertrauen auf finnische Trainer.

Auch der neue Löwen-Headcoach Olli Salo kennt Collberg und hat wie Fritzmeier einen guten Draht zu dessen Berater. Fritzmeier wiederum hat seine dank der vielen Scoutingtouren guten Kontakte nach Schweden genutzt und sich dort über Collberg informiert. "Da gab es überall die gleiche Meinung", berichtet er: "Ein Riesentalent, ein guter Typ, der nur leider den Durchbruch noch nicht geschafft hat." Der soll nun in Frankfurt gelingen. "Wir hoffen", sagt Franz-David Fritzmeier, "dass er bei uns explodiert". Wenn denn nach all den Beschränkungen der Corona-Zeit irgendwann wieder Eishockey gespielt werden darf.

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