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Nur der Hochseilakt gelingt so richtig

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Von: Markus Katzenbach

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Im passenden Kostüm und am Seil hängend: Hallensprecher Rüdiger Storch löst beim Löwen-Einmarsch eine besondere Wettschuld ein.
Im passenden Kostüm und am Seil hängend: Hallensprecher Rüdiger Storch löst beim Löwen-Einmarsch eine besondere Wettschuld ein. © Patrick Scheiber/Jan Huebner

Gegen Schwenningen müssen sich die Löwen mit einem Punkt begnügen. Dafür wird die Einlösung einer Wette vorher zu einer ganz speziellen Storch-Show.

Frankfurt -Das Spektakel gab es diesmal schon vor dem ersten Bully. Vom Dach der Eissporthalle am Ratsweg schwebte Rüdiger Storch herab, passenderweise im Storchenkostüm, so wie vor 22 Jahren schon einmal - es galt, eine vor Saisonbeginn verabredete Wette einzulösen, beim Übertreffen der Marke von 2022 verkauften Dauerkarten. Was um deren sechs gelang, und so moderierte der ewige Hallensprecher mit Legendenstatus den Einmarsch der Frankfurter Löwen am Sonntagabend eben gekonnt am Seil hängend. Wobei die Stimmung vor dem Empfang der Schwenninger Wild Wings dank der Storch-Show schließlich besser war als hinterher. Mit dem 2:3 (0:0, 1:1, 1:1/0:1) gegen den Abstiegskandidaten kassierte der Aufsteiger in die erste Klasse des deutschen Eishockeys vor 5305 Zuschauern die bislang wohl enttäuschendste Niederlage einer bis jetzt insgesamt sehr erfreulichen Saison.

„Die Jungs haben alles gegeben, aber sie haben zu wenig aus ihren Chancen gemacht“, sagte Headcoach Gerry Fleming und verband das mit einem Lob für Gäste-Goalie Joacim Eriksson: „Aber wir haben auch gegen einen sehr guten Torhüter gespielt.“ Der Hochseilakt der Löwen-Legende war gelungen, der Höhenflug der aktuellen Puckjäger aber hatte schon am Freitag einen gewissen Dämpfer erhalten, wenn auch auf nicht allzu überraschende Weise: Das heiß ersehnte Wiedersehen mit den alten Erzrivalen von den Mannheimer Adlern, nach zwölf Jahren Frankfurter DEL-Abstinenz, zum vielleicht heißesten Derby im deutschen Eishockey hatte mit einer 1:5-Niederlage geendet - schade vor allem für die Fans angesichts der besonderen Bedeutung dieses Regionaltreffens, aber im Grunde ein standesgemäßes Ergebnis eines an diesem Abend auch überragenden Meisterschaftsmitfavoriten gegen einen Klassenneuling. Schon eher überraschend, dass es bis zum 16. Spieltag dauerte, ehe der Aufsteiger eine Partie mit mehr als einem Tor Unterschied verlor und erstmals auch keine Chance hatte, das Spiel zu gewinnen.

Als ärgerliche Folge dieser kurzen Reise blieb allerdings, dass Brendan Ranford am Sonntag nur von oben aus in Zivil und mit einer stützenden Knie-Orthese über der langen Hose zuschauen konnte, wie seine Mitspieler einen Schuss nach dem anderen auf Schwenningens Tor abfeuerten, 34:13 nach zwei Dritteln. Der 30-jährige Kanadier, Teil der die Liga aufmischenden Frankfurter Paradereihe, hatte sich im Derby verletzt und könnte etwas länger ausfallen.

Für Ranford beorderte Headcoach Fleming David Elsner zu Carter Rowney und Dominik Bokk. Der Stürmer, der zuletzt seinerseits aus Leistungsgründen nur hatte zuschauen können, sollte seine Sache insgesamt gut machen. „Das ist ein bitterer Ausfall für uns, Ranford ist schwierig zu ersetzen. Der Trainer gibt mir die Möglichkeit, und ich versuche natürlich das bestmögliche Eishockey zu bieten“, sagte Elsner in der ersten Pause bei Magentasport, für den Abend meinte er da noch ganz zuversichtlich: „Wir spielen gut und bringen die Scheiben aufs Tor. Wir haben noch zwei Drittel, da fällt irgendwann einer rein.“

Tatsächlich übernahm er selbst dabei später die Hauptrolle: Nach einem klugen Rückpass von Bokk schoss Elsner sein erstes Saisontor (33.) - was allerdings nur den Ausgleich bedeutete, da Schwenningen eine Minute zuvor nach einem Abspielfehler von Bokk in Führung gegangen war, durch Tylor Spink und wie aus dem Nichts. Was sich im dritten Drittel wiederholen sollte: Die Wild Wings, beim Löwen-Besuch drei Wochen zuvor im ersten Duell 0:1 unterlegen, schlugen im Konter plötzlich noch einmal zu, durch Alex Trivellato (47.).

Weiter ging es mit dem üblichen Löwen-Außergewöhnlichen: Ihr normales Powerplay funktionierte wieder nicht, es zählt zu den schwächsten der DEL, eine Überzahl aber können die Frankfurter wie keine andere Mannschaft - sechs gegen fünf, ganz am Ende, ohne Torwart, diesmal vollendet durch Rowney (59.), zum 2:2. Extraschichten drei gegen drei ist dagegen keine Löwen-Sache, Spink (62.) bescherte ihnen eine weitere Niederlage in dieser Spielform.

Ein Punkt immerhin war gerettet, am bislang am wenigsten ertragreichen Wochenende dieser Saison, Schwenningen und das ganze untere Tabellendrittel hätten die Löwen freilich gerne weiter auf Distanz gehalten. Nächste Gelegenheit: Schon am Dienstag (19.30 Uhr) gegen die alten Zweitliga-Rivalen und Tabellenletzten von den Bietigheim Steelers, an gleicher Stelle, nur dann ohne Hochseilakt vorab.

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