Eishockey DEL 2, Loewen Frankfurt - Tölzer Löwen
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Löwen-Jubel: Adam Mitchell (rechts) trifft aus allen Lagen.

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Premiere von der blauen Linie

  • Markus Katzenbach
    vonMarkus Katzenbach
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In der Löwen-Abwehr ist eine Lücke entstanden, aber zum Glück gibt es mit Adam Mitchell eine bewährte Aushilfskraft – und treffsicher ist der Kapitän auch in neuer Rolle.

Frankfurt – Langsam rutschte er in Position, mit dem rechten Fuß auf der blauen Linie, dann holte Adam Mitchell mit dem Schläger weit aus, nahm ganz genau Maß – und erlebte eine Art Premiere. Tore hat der Kapitän der Frankfurter Löwen in seiner langen Karriere schon viele erzielt. Auch jetzt ist er in der Scorerwertung aus Treffern und Vorlagen schon wieder der beste Löwe, obwohl er die ersten sechs Spiele dieser speziellen DEL-2-Saison unter Corona-Bedingungen angeschlagen verpasste. Aber ein Tor mit einem Schlagschuss von der blauen Linie? Da kann sich der 38 Jahre alte Kanadier mit deutschem Pass selbst gar nicht erinnern. „Vielleicht zu Juniorenzeiten, wenn überhaupt“, meint Mitchell. „Vielleicht war es auch mein erstes.“

So oder so war es eine gute Gelegenheit dafür. Mit seinem 2:1 entschied er am Dienstagabend bei den Ravensburg Towerstars das zweite Spitzenspiel innerhalb von drei Tagen, zu Löwen-Gunsten, mit dem gleichen Ergebnis wie zuvor daheim im stets brisanten Treffen mit dem Tabellenführer und Hessenrivalen Kassel Huskies. „Es hat mich gefreut für ihn, dass er das entscheidende Tor gemacht hat“, sagt Franz-David Fritzmeier, der Frankfurter Sportdirektor und inzwischen auch Headcoach: „Da hat er sich für seine Leistung belohnt.“

Ebenso ungewöhnlich wie Mitchells Schussposition war auch seine Rolle. Seit drei Spielen muss der Stürmer in der Abwehr aushelfen, da ist eine große Löwen-Lücke entstanden. Neben dem frühestens im März wieder halbwegs bereiten Max Faber fallen nun Kyle Wood und David Suvanto aus: Der Schwede Suvanto auf unbestimmte Zeit, „aufgrund von Auswirkungen seiner Corona-Infektion“, wie es in der Vereinsmitteilung offiziell heißt, derzeit würden weitere Untersuchungen durchgeführt. Und der Kanadier Wood drei bis vier Wochen, mit einer „Unterkörperverletzung“.

„Bitter für uns“, sagt Franz-David Fritzmeier. „Das sind drei Verteidiger der ersten Garde.“ Ihm beschert das in seinem Job als Manager gerade den einen oder anderen Anruf von Spieleragenten. Brauchen die Löwen nun Ersatz? „Wir beobachten den Markt, ob wir da noch reagieren können“, erklärt der Sportdirektor, denn: „So wird es auf Dauer schwierig.“

Glücklich können sich die Löwen da schätzen, eine bewährte Aushilfe zu haben. Schon in der Jugend und auch seinen ersten beiden Frankfurter Jahren rückte Mitchell notfalls mal nach hinten. „Ich glaube, ich kann ein Spiel ganz gut lesen. Das ist in der Abwehr vielleicht sogar noch wichtiger als im Sturm“, sagt er und hat seinen Spaß daran, so noch mehr Eiszeit zu bekommen, weil selbst mit ihm gerade nur fünf Verteidiger fit sind. „Das zeigt seine Klasse als Spieler“, lobt Fritzmeier seinen Kapitän: „Er nimmt das vorbildlich an und haut sich voll rein. Das brauchen wir: Spieler, die so vorangehen.“

Gerade in dieser Saison, die mit dem endlich wieder möglichen Aufstieg in die erstklassige DEL eigentlich den Frankfurter Dreijahresplan vollenden sollte, die aber nicht nur wegen der Corona-Umstände schon einige Löwen-Probleme mit sich gebracht hat. Den spät erst möglichen Einstieg in die richtige Vorbereitung etwa, auch die enttäuschenden Ergebnisse der ersten Wochen unter dem neuen Headcoach Olli Salo, der kurz vor Weihnachten deshalb schon wieder gehen musste. Für Adam Mitchell ist das alles Vergangenheit. „Für Olli tut es mir leid. Er ist ein super Trainer und sehr netter Mensch, aber es hat hier nicht funktioniert. Das passiert im Eishockey“, sagt er nur und schaut ansonsten voraus, auch mit Blick auf die Tabelle: „Unser Job ist es, so weit wie möglich nach vorne zu kommen.“

Fünf, sechs Partien sind die Löwen seit ihrer dreieinhalbwöchigen Corona-Zwangspause nach Weihnachten im Rückstand, an Punkten haben sie ebenso Nachholbedarf. Mitchell sieht seine Mannschaft mit Fritzmeier hinter der Bande dabei auf dem richtigen Weg, trotz der ärgerlichen Niederlagen aus der Vorwoche in Landshut und gegen Bad Tölz: „Es wird immer mal schlechte Spiele dazwischen geben, aber insgesamt haben wir uns verbessert.“ Ein wenig weckt das Erinnerungen an die vergangene Hauptrunde, die nach ähnlich schwacher erster Hälfte und einer großen Aufholjagd im zweiten Teil sogar noch auf dem ersten Platz endet. Das ist diesmal ein weiter Weg, mit Spielen im Zwei- bis Dreitagestakt, weil so viel nachzuholen ist. An diesem Freitag (19.30 Uhr) geht es bei gerade mächtig erstarkten Dresdner Eislöwen weiter, am Sonntag (16 Uhr) daheim gegen die Heilbronner Falken. Mitchell macht der Terminstress nichts aus, auch das verordnete Nichtstun in der kollektiven Corona-Quarantäne hat ihm und den anderen Löwen wenig anhaben können. „Da haben wir nicht viel verloren“, meint er und sagt allgemein: „Ich fühle mich körperlich gut. Es hat sich gelohnt, im Sommer viel gearbeitet zu haben.“ Außerdem gilt natürlich eine weit verbreitete Eishockeyspieler-Weisheit: „Spiele sind besser als hartes Training“, sagt Adam Mitchell lachend, „dazu haben wir im Moment gar keine Zeit“.

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