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Runde Sache für die Löwen-Familie

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Meisterfeier mit Löwen-Familie und DEL-2-Pokal: Adam Mitchell, Ehefrau Jamie und die Töchter Emma (rechts) und Lina.
Meisterfeier mit Löwen-Familie und DEL-2-Pokal: Adam Mitchell, Ehefrau Jamie und die Töchter Emma (rechts) und Lina. © Patrick Scheiber/Jan Huebner

Adam Mitchell hat sein großes Ziel erreicht: die Frankfurter Eishockey-Löwen zurück in die erste Klasse zu bringen. Schöner kann man nicht aufhören.

Frankfurt -So richtig in Worte fassen kann er es immer noch nicht, findet Adam Mitchell. Er hat es auch schon auf Englisch versucht, seiner Muttersprache, zufrieden war er auch damit nicht. "Wahnsinn", sagt der eigentlich sehr redegewandte Anführer der Frankfurter Löwen dann nur über das, was mit der letzten Sirene am Freitagabend passierte, und nimmt noch einmal einen neuen Anlauf: "Dafür spielen wir Eishockey, für diese zwei, drei Minuten nach der Finalserie, besser geht es nicht." Wobei, erinnert er sich später, er erst einmal tief ausgeatmet und gedacht habe: "Endlich."

Für die Löwen und für Mitchell ganz besonders war es schließlich die Vollendung einer Mission. Als Meister der zweiten Liga das Tor zur ersten Etage zu durchschreiten, daran hatte man vier Jahre gearbeitet, mit viel mehr Höhen, aber unterwegs auch einigen Tiefen, die man gemeinsam überwand - um in Ravensburg am Traumziel erster Klasse anzukommen. In einem berauschenden Moment, mit dem krönenden Ende einer unglaublichen Play-off-Runde, das für Adam Mitchell gleichzeitig ein persönlicher Endpunkt war: "Das war es für mich."

Schon Ende Februar, Anfang März habe er diesen Entschluss gefasst, berichtet der 39-jährige Deutsch-Kanadier, und schöner hätte er es sich nicht ausdenken können: "Am Ende war es perfekt, die perfekte Zeit: Welcher Spieler hört nicht gerne mit der Meisterschaft auf?"

Für Mitchell, der die Löwen drei Jahre als vorbildlicher Kapitän angeführt hatte, um im Frühjahr 2021 dann wegen einer komplizierten Schulterverletzung die entscheidenden Wochen außer Gefecht zu sein und zusehen zu müssen, wie die erste Chance auf den wieder eingeführten Aufstieg in die DEL verpasst wurde, war das die große Motivation, noch einmal aufs Eis zurückzukehren: Frankfurt in die erste Liga zu bringen.

"Er wollte das unbedingt und hat alles dafür gegeben, sich seinen Traum zu erfüllen. Ich freue mich sehr für ihn und für uns, dass er es geschafft hat. Das war am Ende eine runde Sache", sagt Sportdirektor Franz-David Fritzmeier, für Mitchell und die ganze Löwen-Familie. Fritzmeier betont: "Es war natürlich unheimlich wichtig für die Mannschaft, dass er zurückgekommen ist." Als eines der letzten noch fehlenden Teile im Meister-Puzzle, mit seinem eigenen Löwen-Märchen inmitten vieler besonderer Geschichten in einem großen Eintrag ins Frankfurter Eishockey-Geschichtsbuch.

Ende Januar erst kehrte Adam Mitchell in den Spielbetrieb zurück, nach zehn Monaten ohne Einsatz und quälender Schufterei für ein lange ungewisses Comeback - um vorher schon gut besetzten, aber hin und wieder schwankenden Löwen mit Führungskraft in der Kabine und auf dem Eis zu mehr Stabilität zu verhelfen, mit Spielklasse obendrein. Und jeder Menge Erfolg.

Von den insgesamt 29 Spielen mit ihrem ehemaligen Kapitän gewannen die Frankfurter 26, einschließlich der sagenhaften Zwölf-Siege-Serie in so nur zwölf nötigen Play-off-Spielen. "Ich weiß gar nicht, wie wir das geschafft haben. Das geht eigentlich gar nicht", sagt der erfahrene Stürmer über den schnellstmöglichen Weg zum Aufstieg in den Alles-oder-Nichts-Spielen der DEL 2. So oder so hing das für ihn weniger mit einem Mitchell-Effekt zusammen als mit ganz anderen Faktoren, in aller Bescheidenheit. Zum Beispiel mit dem herausragenden Goalie Jake Hildebrand. "Was er in den Finalspielen gemacht hat, war Wahnsinn, das habe ich noch nie gesehen"; schwärmt Mitchell.

Sein eigentliches Geheimnis des Erfolges ist indes ein anderes. "Wir haben viele gute Spieler und viel Qualität, aber ohne Zusammenhalt geht es nicht", betont er. Im Januar und Februar kamen noch einmal fünf Spieler hinzu, darunter mit Brett Breitkreuz ein anderer alter Publikumsliebling, der eine ähnlich märchenhafte Comeback-Story schreiben sollte. Dass daraufhin einige andere weniger Eiszeit bekamen oder gar auf der Tribüne saßen, das aber im Dienst der Mannschaft hinnahmen und so gut wie möglich ihre Rollen ausfüllten, hat Mitchell besonders beeindruckt: "Das war die größte Leistung."

Ihm selbst hätte zum Abschied kaum mehr Anerkennung entgegengebracht werden können. Bei der Pokalübergabe nach dem entscheidenden 2:1 bei den Ravensburg Towerstars wollte Kapitän Max Faber gar mit seinem Vorgänger gemeinsam die Trophäe stemmen, das ließ Mitchell bei aller Freude über diese Geste nicht mit sich machen. "Das war eine klasse Aktion von Max. Er hat sich das aber verdient, den Pokal als Erster hoch zu heben."

Dafür drückte Faber seinem Gefährten über vier Frankfurter Jahre den DEL-2-Pott dann in die Hände, um ihn als Erster in einer Runde vor der Gästekurve den mitgereisten Fans zu zeigen - einer von vielen Momenten mit Erinnerungswert. "Am Freitag gab es viele schöne Dinge für mich", berichtet Mitchell. Zum Beispiel die mannschaftsinterne Auszeichnung mit dem goldenen Löwen, für den Mann des Abends. Oder das von Headcoach Bo Subr verliehene Privileg, den letzten von zwölf Aufklebern von dem bei allen Spielen mitgeschleppten Pokal-Poster der Mannschaft zu entfernen, einen für jeden nötigen Play-off-Sieg. Und dann natürlich die Familienangelegenheiten.

Die ganze Familie Mitchell war mit in Ravensburg. Seine Frau Jamie, die Töchter Emma (10) und Lina (6), seine Mutter und sein Vater. "Das war einfach spitze", sagt Adam Mitchell. Für die obligatorische Meister-Bierdusche sorgte begeistert Tochter Emma, auch das blieb in der Familie. Nur dass Papa Mitchell gar nicht so viele Flaschen für die Tochter öffnen konnte, wie diese über ihm ausgießen wollte. Gefeiert wurde in jedem Fall genug, erst in Ravensburg, später in Frankfurt.

Nur in den Flieger nach Mallorca, wo einige Frankfurter Löwen ihren Party-Marathon fortsetzen, ist Adam Mitchell nicht gestiegen. Seine Frau muss wieder arbeiten, die Kinder müssen versorgt werden. "Ich habe mich entschieden, ein paar Tage zu Hause zu genießen statt groß Party zu machen", sagt Mitchell und lacht: "Das ist eher für die Jüngeren. Ich habe zwei Tage gut gefeiert, mehr schaffe ich nicht mehr."

Dass es auch auf dem Eis nicht mehr weitergeht, war schon vorher klar. "Das macht mein Körper nicht mehr mit", meint er, trotz der auch persönlich stolzen Bilanz: 37 Punkte für Tore und Vorlagen in insgesamt 29 Partien - hochgerechnet auf die ganze Saison würde das für einen Top-Ten-Platz unter den Highscorern der Liga reichen. Für die Spiele ging es immer noch, die Tage zwischendrin aber waren bisweilen schmerzhaft. "Es ist Zeit für etwas anderes", meint er, bei aller Eishockey-Liebe. Die Familie bleibt in Friedrichsdorf, Frau Jamie arbeitet als Lehrerin. "Sie hat einen Superjob. 17 Jahre ist sie immer mit mir umgezogen, jetzt ist ihre Zeit", sagt Adam Mitchell.

Den Frankfurter Weg wird er weiter verfolgen, in der DEL, da kennt er sich aus: 530 Spiele bestritt er dort vor seinen Löwen-Jahren, 2010 wurde er Meister mit den Hannover Scorpions. "Erst einmal wird es um den Klassenerhalt gehen, wie für jeden Aufsteiger. Wenn der Zusammenhalt so ist wie diese Saison, schaffen sie das", meint Adam Mitchell. In jedem Fall sei Frankfurt ein "super Eishockey-Standort". Der auch dank ihm endlich wieder erstklassig ist.

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