Das Derby nimmt Schwung auf: Löwen-Kapitän Adam Mitchell (links) bedrängt das von Felix Bick (rechts) gehütete Bad Nauheimer Tor. Foto: Hübner

Das Winterderby: Rote Teufel Bad Nauheim gegen Löwen Frankfurt

Spektakel mit glücklichem Löwen-Ende

In der DEL 2 gibt es ein Frankfurter Erfolgserlebnis im größten Spiel der Bad Nauheimer Vereinsgeschichte.

Offenbach.Das Feuerwerk zum Abschluss des Spektakels verfolgten die Frankfurter Löwen mit länger nicht mehr gekannten Glücksgefühlen. Der Samstag ging schon auf halb zwölf zu, als sie miteinander auf dieser mitten auf einen Fußballrasen gezauberten Eisfläche knieten, die Schläger noch in Händen und die Blicke zum Himmel, und sich von ihrem Anhang als Derbysieger feiern ließen. An diesem Abend war manches anders als sonst: Vor allem natürlich, dass diesmal Eishockey in einem Fußballstadion gespielt wurde, unter freiem Himmel. Und beispielsweise auch, was zuletzt eher selten vorkam, dass die Löwen ein Nachbarschaftstreffen mit dem EC Bad Nauheim gewannen, der sie als Gastgeber ausnahmsweise an diesen für Puckjäger ungewöhnlichen Ort eingeladen hatten, auf den Bieberer Berg in Offenbach.

Für die Gegenseite war diese Party mit einer Ernüchterung zu Ende gegangen, die erst im Penaltyschießen zustande gekommene 2:3 (1:1, 0:0, 1:1/0:1)-Niederlage im größten Spiel ihrer Vereinsgeschichte mussten die Roten Teufel erst einmal wegstecken. "Das Ergebnis trübt das Ganze", räumte Trainer Christof Kreutzer zum Ausklang eines sonst sehr gelungenen Festtages der Bad Nauheimer Eishockey-Familie ein, die besondere Stimmung wollten er und die Seinen sich nicht verderben lassen: "Es war ein großartiges Erlebnis", betonte Kreutzer.

"Beste Werbung für das Eishockey"

In Frankfurter Reihen sorgten das glückliche Löwen-Ende für Erleichterung. "Das war ein packendes Spiel, mit Verlängerung, Penaltyschießen und einem Traumtor von Roope Ranta. Das war beste Werbung für das Eishockey", bilanzierte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier - und war einer Meinung mit Andreas Ortwein und René Rudorisch.

Der Bad Nauheimer Geschäftsführer Ortwein, der vor einem Jahr die "Schnapsidee" einer Open-Air-Partie in Offenbach hatte und seitdem mit vielen fleißigen Helfern an deren Umsetzung arbeitete, war hochzufrieden und durfte sich über viel Lob freuen. "Das war ein Top-Event. Die Zuschauer waren super unterhalten. Als kleiner Verein so etwas auf die Beine zu stellen - dem muss man Respekt zollen. Wir als Liga fühlen uns gut vertreten und den Eishockey-Sport positiv verkauft", schwärmte DEL-2-Chef Rudorisch, und genau darum geht es ja bei diesen speziellen Showveranstaltungen.

15 146 Zuschauer wurden gezählt. Über 11 000 waren aus der Wetterau gekommen, das übertraf alle Erwartungen - während der Zuspruch aus der Metropole etwas dahinter zurück blieb. Aufgrund des Ausgangs war der Löwen-Anhang hinterher mehr in Feierlaune, es hätte aber auch anders herum enden können. Kreutzer sah "das Spiel so eng, wie es das Resultat ausdrückt". Man habe die Entscheidung "selbst auf dem Löffel gehabt".

Im Shootout hatte Löwen-Torwart Jimmy Hertel einen Schuss von Teufel-Torjäger Jack Combs irgendwie noch von der Linie gekratzt - ehe Traumtorschütze Ranta ganz zum Frankfurter Matchwinner wurde, mit seinem zweiten verwandelten Penalty. Die Punkteverteilung - zwei für Frankfurt, einer für Bad Nauheim - war dem Spielverlauf angemessen. Fritzmeier hatte gute Gründe, von einem "verdienten Sieg" zu sprechen.

Lebenszeichen zur richtigen Zeit

Dabei war das Zweitliga-Schwergewicht gar als eine Art Außenseiter zum speziellen Spiel gegen den kleineren Nachbarn angetreten, mit zuletzt nur zwei Siegen aus acht Spielen, abgerutscht auf Rang acht. Während der EC Bad Nauheim eben als Tabellendritter seine beste erste Hauptrunden-Hälfte in der DEL 2 abgeschlossen hatte. Die Ergebniskrise und viele Ausfälle indes waren den Löwen kaum anzumerken. "Wir sind trotz der schweren Phase nicht hektisch geworden und haben das Spiel meist kontrolliert", fand Fritzmeier.

Begonnen hatte es eher zäh, sportlich wie atmosphärisch. Obwohl Martin Buchwieser (2.) früh für Frankfurt traf und Bad Nauheim dank Andreas Paulis 1:1 (17.) auch bald jubeln konnte. Spätestens als Ranta den Puck gleich zu Beginn des letzten Drittels hinter dem EC-Gehäuse auf die Kelle nahm und mit Schwung zu einem sensationellen, so selten gesehenen Volltreffer in den oberen Torwinkel stopfte, war aus der Angelegenheit ein Spektakel geworden. Andrej Bires (48.) glich wieder aus, Ranta, Hertel und die anderen Löwen aber hatten noch etwas dagegen zu setzen.

Wie wichtig das rasche Comeback von Kapitän Adam Mitchell dabei war, betonten alle Beteiligten. Neuzugang Mike Mieszkowski fügte sich an seinem 27. Geburtstag gut ein, der aus der Oberliga-Mannschaft von Kooperationspartner Krefeld abgestellte Verteidiger Tim Schmitz ebenso. "Das war ein Lebenszeichen von uns", freute sich Fritzmeier. Pünktlich zur Weihnachtsfeier der Mannschaft und zwei freien Tagen - ehe der übliche Terminstress rund um Weihnachten und Silvester beginnt. "So müssen wir weiter arbeiten, hart und konzentriert", betonte der Sportdirektor. Und mit einem kräftigen Energieschub aus der Offenbacher Nacht obendrauf. mka/mn/phk

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