Ein Leit-Löwe: Eddie Lewandowski (Mitte) geht in Frankfurt weiter voran. Foto: Imago Images
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Ein Leit-Löwe: Eddie Lewandowski (Mitte) geht in Frankfurt weiter voran. Foto: Imago Images

Eishockey

Spitzen-Aussichten für die Löwen

  • Markus Katzenbach
    vonMarkus Katzenbach
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Nach ihrer Siegesserie haben die Frankfurter Löwen beste Chance, die Hauptrunde der DEL 2 auf Platz eins abzuschließen. So oder so geht es danach erst richtig los auf dem Weg zur Meisterschaft.

Frankfurt - Den Blick auf sein Handy spart sich Franz-David Fritzmeier. Zwar gibt es am letzten Hauptrunden-Wochenende der DEL 2 die eine oder andere Begegnung in der Ferne, die auch für seine Frankfurten Löwen von Belang sein könnte, doch der Sportdirektor des ambitionierten Eishockey-Zweitligisten hat da einen Grundsatz. "Ich schaue während dem Spiel nie auf andere Ergebnisse", sagt Fritzmeier, und diesmal ist ohnehin erst einmal das Geschehen vor Ort entscheidend: "Wir haben es in eigener Hand", kennt er die einfache Rechnung: "Wenn wir gewinnen, bleiben wir Erster."

Derlei Spitzen-Aussichten vor den letzten beiden der 52 Punktspiele waren vor einigen Wochen noch kaum zu erwarten, in der Durststrecke Ende November, Anfang Dezember schon gar nicht. Mit stolzen zehn Siegen hintereinander aber haben sich die Löwen dem Drunter und Drüber der in dieser Saison noch stärker durcheinander gewirbelten DEL 2 entzogen, nach oben hin. Überhaupt waren sie mit Abstand die erfolgreichste Mannschaft zweiten Hauptrundenhälfte.

alles möglich"

Wenn sie in den letzten beiden von 52 Punktspielen an diesem Freitag (19.30 Uhr) in der Eissporthalle am Ratsweg gegen die Dresdner Eislöwen und zum Abschluss am Sonntag (18.30 Uhr) bei den Heilbronner Falken ihre Siegesserie fortsetzen, ist ihnen die am vergangenen Sonntag erst errungene Tabellenführung auch nicht mehr zu nehmen. Sollten gleichzeitig die Kassel Huskies, alter Hessenrivale und aktuell wieder härtester Konkurrent, gleichzeitig im Verfolgerduell bei den Freiburger Wölfen Punkte liegen lassen, könnten die Löwen schon am Freitag den ersten Hauptrundenplatz buchen, so wie in der vergangenen Saison.

"Das ist ein schönes Ziel, eine Auszeichnung für die Mannschaft und gut, wenn man das erste Heimrecht bis ins Finale hat", sagt Fritzmeier, indes: "Wenn man Erster wird, ist man damit ja nicht gleichzeitig Meister. In den Play-offs gibt es ganz andere Spiele. Dann wollen wir uns noch einmal steigern, und dann ist alles möglich." Letztes Jahr reichte es am Ende nicht ganz zum großen Coup, man unterlag in der Finalserie den Ravensburg Towerstars.

Die Erwartungen hatte man am Ratsweg im ersten Teil eines Dreijahresplans für den 2021 wieder möglichen Aufstieg in die erstklassige DEL auch so übertroffen. Im Grunde gilt das auch jetzt wieder: Ungeachtet der für die erste Etage notwendigen Entwicklungsarbeit mit noch mehr jungen Spielen haben die Löwen wieder die meisten Punkte gesammelt - obwohl obendrein noch eine selten erlebte Verletzungsserie aufzufangen und eine immer enger umkämpfte Liga zu meistern war.

Mit Freiburg und Heilbronn mischen zwei Außenseiter an der Spitze mit, während Schwergewichte wie Ravensburg, Bietigheim, Kaufbeuren oder Dresden ums Viertelfinale bangen. "Es wird nicht nur in Frankfurt, Kassel und Bietigheim Geld gezahlt. Viele Mannschaften arbeiten gut, und es wird nicht nur in Frankfurt oder Kassel Geld gezahlt", sagt Fritzmeier. "Das ist kein Selbstläufer. Da kann man auch als Bietigheim oder wie wir zwischendrin mal auf den achten Platz abrutschen."

bleibt ein Löwe

Nun, da sie sich wieder in gewohnten Spitzenregionen tummeln, trennen die Frankfurter Tabellenführer von Schlusslicht Crimmitschau auch nur 30 Punkte, das spricht für die Ausgeglichenheit der Klasse. Zum Vergleich: In der DEL sind es über 60 Zähler zwischen Platz eins und 14. Während eine Stufe tatsächlich jeder jeden schlagen kann, das haben auch die Löwen leidvoll erfahren. Dass sie jetzt dessen ungeachtet zehn Mal hintereinander gewonnen haben, ist umso bemerkenswerter.

Der derzeitige Erfolg hat für Fritzmeier verschiedene Gründe. Insgesamt sei das "ein Prozess von kontinuierlicher Arbeit, ein Produkt der letzten zwei Jahre. Wir wollen uns immer weiter steigern", auf dem langen Weg in die DEL: Obendrein haben es die Löwen in der Ergebniskrise und Personalnot gelernt, einfacher und weniger riskant zu spielen. Und zudem hatte es doch etwas mehr Zeit gebraucht, bis nach dem neuerlichen Umbruch im Sommer jeder seinen Platz in der Mannschaft gefunden hatte.

Der Anfang war schwer, der Schlussakkord soll ein glücklicher werden. "Das Ziel muss sein, am Ende der Saison das beste Eishockey zu spielen. Das haben die Trainer wieder gut hinbekommen", lobt Fritzmeier. Ein Ziel für dieses Jahr ist bereits erreicht: "Wir wollten die Mannschaft zu 100 Prozent professionalisieren. Das ist gelungen, da hat jeder voll mitgezogen", betont er. Alles mit der erstklassigen Vision im Hinterkopf. Hinter den Kulissen laufen längst die Planungen für die nächste Saison, wenn die Tür nach oben wieder aufgeht. Die am Mittwoch verkündete Vertragsverlängerung von Führungskraft Eddie Lewandowski ist da eine gute Nachricht.

Gleichzeitig gilt es, den gegenwärtig "größtmöglichen Erfolg zu holen", wie es Fritzmeier beschreibt. "Diese Saison war eine noch größere Challenge als die letzte", hält der Sportdirektor fest. "Aber wir haben trotz widriger Umstände einen großen Schritt gemacht." Als Mannschaft ebenso wie die einzelnen Spieler. Mitte März beginnen die Play-offs, dann geht es erst richtig los. Und eines soll anders werden als im vergangene Frühjahr. "Jetzt", sagt Franz-David Fritzmeier "wollen wir bis zum Schluss gehen".

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