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Daumen hoch: Leon Hüttl vor dem Schriftzug der Edmonton Oilers am Rogers Palace, der Heimspielstätte des NHL-Clubs.

Löwen Frankfurt

Supertalent Hüttl ist von NHL-Team in Nachwuchs-Camp eingeladen worden

Dass Leon Hüttl von den ruhmreichen Oilers zum Talente-Treffen eingeladen wurde, ist eine Auszeichnung für ihn und die Löwen. Und es spricht für die guten Beziehungen aus Frankfurt nach Edmonton.

Frankfurt - Die Statue der lebenden Legende Wayne Gretzky, die Heimspielstätte der ruhmreichen Edmonton Oilers, das eine oder andere Erinnerungsfoto musste natürlich auch sein. Die ersten freien Stunden dieser plötzlichen Traumreise nach Kanada nutzte Leon Hüttl am Sonntag gleich für etwas Sightseeing, und seine Prioritäten setzte der Jüngste unter den Frankfurter Löwen in diesem Mekka der Puckjäger so, wie es sich für einen Eishockeyspieler gehört. Zumal er in dem Rogers Palace ohnehin einen Termin hatte, so recht konnte Leon Hüttl das immer noch nicht fassen, als er am Sonntagabend in seinem Hotelzimmer in Edmonton saß, der Millionenmetropole am North Saskatchewan River.

Wenn man als mit 18 Jahren eigentlich noch halb dem Nachwuchs angehörender Spieler eines deutschen Zweitligisten von einem der berühmtesten Eishockeyclubs der Welt zum Treffen der Supertalente eingeladen wird, ist das tatsächlich nicht ganz selbstverständlich. "Für mich ist das eine absolute Ehre", betonte Hüttl. Dass er von Montag bis Donnerstag im Development Camp der Oilers mitmischt, stellt für den Bayern aus Bad Tölz einen weiteren Meilenstein einer bemerkenswerten Entwicklung dar.

Der Verteidiger zählt bei diesem Trainingslager, wie es jeder Club aus der nordamerikanischen Elite-Liga NHL in diesen Tagen abhält, zu einem erlesenen Kreis: In erster Linie werden dort die Hochbegabten aus den eigenen Reihen versammelt, die so genannten Drafts aus diesem und dem vergangenen Jahr - also die Spieler, welche die Oilers bei der alljährlichen Talente-Verteilung ausgewählt haben. Und dazu wird eben die eine oder andere verheißungsvolle Nachwuchskraft aus aller Welt eingeladen, die den Scouts aus Edmonton besonders gefallen hat. Wie Leon Hüttl.

"Das hat er sich verdient mit seinen Leistungen über die Saison, mit denen er sich zu einem international angesehenen Top-Talent entwickelt hat", urteilt Sportdirektor Franz-David Fritzmeier, der Hüttl bei dem Kanada-Trip begleitet, und verbucht das auch als Kompliment für die Arbeit des Frankfurter Trainertrios um Matti Tiilikainen und der ganzen Löwen-Organisation. "Das ist ein großartiges Zeichen für den Weg in die Zukunft der Löwen Frankfurt", findet er.

Obendrein gibt es inzwischen interessante Verbindungen aus Frankfurt nach Edmonton, die bei der Einladung ebenfalls geholfen haben. Die Oilers schließlich gehören der Unternehmensgruppe des kanadischen Milliardärs Daryl Katz, die jetzt auch in Frankfurt auf den Plan getreten ist: Die Katz Group will direkt am Flughafen eine stattliche 23 000 Zuschauer fassende Multifunktionshalle bauen, mit dem 2016 eröffneten Rogers Palace als Vorbild. Was Schwung in eine trotz des Bedarfs an einer solchen Arena in Frankfurt immer wieder stockende Diskussion gebracht hat. Und für die Löwen, die auf allen Ebenen daran arbeiten, sich für den ab 2021 wieder möglichen Aufstieg in die erstklassige DEL aufzustellen, über die Halle hinaus spannende Möglichkeiten einer weitergehenden Zusammenarbeit bietet.

Vom Löwen-Job überzeugt

"Unsere Verantwortlichen stehen bezüglich des geplanten Hallenbaus und gewissen Kooperationen in sehr gutem Kontakt mit den Verantwortlichen in Edmonton", berichtet Fritzmeier. Der Frankfurter Sportdirektor hat die Sportliche Leitung der Oilers, deren Trikot unter anderem NHL-Superheld Connor McDavid und der deutsche Stürmerstar Leon Draisaitl tragen, vor einigen Wochen selbst kennengelernt, während der Weltmeisterschaft in der Slowakei. Wegen solcher Beziehungen schaut man in Edmonton nun vielleicht noch etwas genauer auf den Frankfurter Kader, in dem für die Entwicklungsarbeit am Aufstieg seit einem Jahr verstärkt auf junge deutsche Spieler gebaut wird. Hüttl indes, ist sich Fritzmeier sicher, wäre den Oilers-Scouts so oder so aufgefallen.

Seit er vor 14, 15 Monaten bei den Hüttls in Bad Tölz am Esstisch saß, um Leon und die ganze Familie von einem Löwen-Job zu überzeugen, hat sich einiges getan. Hüttl, mit einem Dreijahresvertrag ohne Ausstiegsklausel ausgestattet, hat sich gleich in der ersten Profisaison zur Stammkraft gemausert und seinen Teil dazu beigetragen, dass die Frankfurter die Hauptrunde der DEL 2 erstmals als beste Mannschaft abschlossen und erst im Finale gegen die Ravensburg Towerstars ihre Meister fanden. Er half der U-20-Nationalmannschaft bei der Rückkehr in die erste WM-Kategorie, war bei einer Sichtung des neuen Bundestrainers Toni Söderholm einer der wenigen Zweitliga-Vertreter und Kapitän der deutschen U 19 bei einem viel beachteten Nachwuchsturnier in Finnland.

Die Erwartungen überholt

Und jetzt ist Leon Hüttl in Edmonton und am Sonntag in der Kabine des Rogers Palace vermessen und mit Trainingskleidung ausgestattet worden, in einer der heiligen Eishallen Kanadas. "Da fühlt man sich schon besonders, wenn man Klamotten tragen darf, auf denen ein Logo eines NHL-Teams zu sehen ist", schreibt er in seinem Internet-Tagebuch für diese Zeitung, in dem er täglich von seinen Erfahrungen im Camp berichten wird. Alles zu geben, "um den Oilers zu zeigen, dass es eine gute Entscheidung war, mich einzuladen, und weil ich die Löwen Frankfurt hier würdig repräsentieren will", hat er sich vorgenommen.

Ein Fitnesstest und eine Laufeinheit standen gestern unter anderem an, Training auf dem Eis und Schlittschuhtechnik, Videoschulungen und persönliche Gespräche werden folgen - eine umfassende erste Bestandsaufnahme, bei der die gesamte Trainercrew genau hinschaut, ob vielleicht der eine oder andere dabei ist, der früher oder später ihr NHL-Team verstärken könnte. Bei dem Gast aus Frankfurt dürfte das normalerweise frühestens in ein paar Jahren zum Thema werden, wenn überhaupt, aber wer weiß? Wenn er am Freitag zurückfliegt, wird er zumindest schon ein paar Spuren in Gretzkys Heimat hinterlassen haben. Und Erwartungen hat Leon Hüttl zuletzt immer wieder im Eiltempo überholt, Kanada-Traumreisen inklusive.

Die Abwehrreihen der Frankfurter Löwen sind nun komplett, jedenfalls wenn keine unerwarteten Ausfälle auftreten: Der Eishockey-Zweitligist hat für die kommende Saison den schwedischen Verteidiger David Suvanto verpflichtet. "Er ist ein moderner Verteidiger, der in den technischen, läuferischen und taktischen Bereichen die sehr gute schwedische Ausbildung genossen hat und einiges an Offensivpotenzial mitbringt", erklärte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier: "In der vergangenen Saison konnte er das als zweitbester Scorer aller Verteidiger der dänischen Top-Liga unter Beweis stellen." Der 24-jährige Suvanto spielte vor seinem Engagement bei den dänischen Rödovre Mighty Bulls in Russland und in seiner schwedischen Heimat. In Frankfurt ist er der vierte ausländische Profi, mehr dürfen nicht in den Kader für die jeweiligen DEL-2-Spieltage aufgenommen werden. Zwei Stürmer suchen die Löwen noch, dabei ist der deutsche Pass demzufolge ein wichtiges Kriterium. mka

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