Noch hat er in Frankfurt die Taktiktafel in der Hand. Zur neuen Saison aber zieht es Matti Tiilkainen zurück nach Finnland. Foto: Hübner

Eishockey

Tiilikainen verlässt die Löwen

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Die Löwen verlieren ihren Headcoach: Matti Tiilikainen wechselt zur nächsten Runde zu seinem Heimatverein, dem finnischen Meister. Was in gewisser Weise auch eine Bestätigung für den Frankfurter Kurs ist.

Frankfurt.Am späteren Dienstagabend gab es in den Katakomben der Eissporthalle am Ratsweg besonderen Gesprächsbedarf. Ohnehin versammeln sich Spieler und Trainer der Frankfurter Löwen nach dem Ende der Partien stets noch einmal in ihrer Kabine. Diesmal ging es nicht nur um eine erste Aufarbeitung des vorangegangenen 3:2-Erfolges gegen die Dresdner Eislöwen. Obwohl auch dieser von einiger Bedeutung war, weil der ambitionierte DEL-2-Club damit eine Durststrecke beendete, die bei einer weiteren Verlängerung noch mehr auf die allgemeine Stimmungslage gedrückt hätte. Vor allem aber ging es um eine wichtige Zukunftsfrage, da gab es von Matti Tiilikainen eine Personalmitteilung in eigener Sache: Der Frankfurter Headcoach wird die Löwen nach dieser Saison verlassen und nach Finnland zurückkehren, zu seinem Heimatverein HPK aus Hämeenlinna.

"Meine Familie und ich sind sehr glücklich in Frankfurt und froh darüber, Teil der Löwen-Familie zu sein. Es gab auch eine große Chance, hier zu bleiben. Aber so ein Angebot kann man kaum ablehnen", sagte Tiilikainen und führte aus: "Früher, als ich dort gespielt habe, war es ein Traum, dort zu spielen. Später als Coach im Nachwuchs war es dann ein Traum, Coach der ersten Mannschaft zu sein. Da hat sich schon ein Traum erfüllt."

Ganz überraschend kommt die Ankündigung nicht, ein Paukenschlag ist es trotzdem: Wer aus der zweiten Klasse des international nicht unbedingt führenden deutschen Eishockeys zum Meister aus der Liga des Weltmeisters aufsteigt, nimmt auf der Karriereleiter gleich mehrere Stufen auf einmal. "Matti hat bislang großartige Arbeit in Frankfurt geleistet. Dass sich diese Tatsache von der DEL 2 bis zu europäischen Spitzenclubs herumgesprochen hat, macht uns stolz und lässt uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf seine Entscheidung blicken, die Löwen zum Saisonende zu verlassen", erklärte Franz-David Fritzmeier.

Zu große Verlockung

Den Frankfurter Sportdirektor traf dieser Entschluss Tiilikainens nicht unerwartet. "Wir hatten immer offene und faire Gespräche", sagt Fritzmeier, zurzeit mit dem geschäftsführenden Löwen-Gesellschafter Stefan Krämer auf Nordamerika-Reise. Die Entscheidung sei bis zum Schluss sehr knapp gewesen, und er habe immer gehofft, sie würde für Frankfurt ausfallen. Die Verlockung, bei einem europäischen Verein von Rang und Namen die Verantwortung zu übernehmen, noch dazu in seiner Geburtsstadt und bei dem Club, bei dem er fast sein ganzes bisheriges Eishockey-Leben verbrachte, war für Tiilikainen dann aber doch zu groß. Am Dienstag drangen erste Gerüchte aus finnischen Medien, am Abend erklärte sich der Trainer dann der Mannschaft, am Mittwoch folgte die offizielle Bestätigung der Löwen. "Ich bin schon jetzt unglaublich dankbar für die Chance, die mir die Löwen eröffnet haben", erklärte Tiilikainen dabei.

Im Frühsommer 2018 hatte ihn Fritzmeier aus der Nachwuchsabteilung in Hämeenlinna nach Frankfurt geholt, wo er im Trainerteam mit seinen finnischen Landsleuten Marko Raita und Valtteri Salo seither Entwicklungsarbeit für den ab der nächsten Saison wieder möglichen Aufstieg in die erstklassige DEL leistet - mit vielen jungen Spielern, die eine Etage weiter oben irgendwann tragendere Rollen spielen sollen. Nach dem großen Umbruch vor der vergangenen Saison brachte er das runderneuerte Team rasch auf Erfolgskurs: Die Hauptrunde schlossen die Löwen erstmals auf dem ersten Platz ab, und mit etwas mehr Glück und Cleverness hätten sie in den Play-offs auch die Finalserie gegen die Ravensburg Towerstars nicht verlieren müssen.

In dieser Runde tun sich Löwen noch schwerer, was auch mit einigen Verletzungsproblemen und dem verstärkten Einbau weiterer, noch altersgemäßen Schwankungen unterworfener Talente zu tun hat. Dem dringend nötigen Sieg gegen Dresden am Dienstag gingen drei Niederlagen voran. Bei den nächsten Aufgaben am Freitag (20 Uhr) bei den Bayreuth Tigers und am Sonntag (16 Uhr) daheim gegen die Freiburger Wölfe gilt es, weiter an der Trendwende zu arbeiten. "Selbstvertrauen gibt es nur durch Siege", sagte Tiilikainen. "Da müssen wir jetzt weiter machen."

Er hat einige Baustellen in seiner Mannschaft zu bearbeiten: das Passspiel und allgemeine Verhalten bei Puckbesitz zum Beispiel, Probleme bei schnellen gegnerischen Vorstößen, das Powerplay.

Auch wenn die Lage der Löwen schon besser war, werden Tiilikainens Fähigkeiten in der Fachwelt hoch geschätzt. Das zeigt nicht nur sein künftiger Posten in der ersten Liga der europäischen Puckjagd, sondern unter anderem auch sein kürzlicher Aushilfsjob bei der deutschen Nationalmannschaft als Assistent seines Landsmannes Toni Söderholm. Frankfurt hat das nebenbei lange nicht mehr gekannte internationale Aufmerksamkeit eingebracht - und auf gewisse Weise auch eine Bestätigung des eingeschlagenen Kurses.

Von ihrem Weg werden sich die Löwen so oder so nicht abbringen lassen, nur gilt es jetzt zu klären, wer dabei hinter der Bande steht. Den Trainermarkt sondiert der Sportdirektor schon länger. Ob die Spur wieder nach Finnland führt? "Könnte sein, muss aber nicht", sagt Fritzmeier. Entscheidend ist für ihn: "Wir brauchen einen Trainer, der in unserer Konzept passt, egal, wo er herkommt."

Marko Raita bleibt

Wer auch immer auf Tiilikainen folgt: Helfen könnte es, dass es Marko Raita, ebenfalls in Hämeenlinna geboren, nicht zurück in die 70 000-Einwohnerstadt am Vanajasee im Süden Finnlands zieht. Raita, in Frankfurt gleichberechtigter zweiter Coach statt Assistent, hat ein neues Arbeitspapier schon unterschrieben, mit Torwart-Coach Valtteri Salo gibt es gute Gespräche über eine Verlängerung seines Vertrags. Beide könnten auch den Nachfolger Tiilikainens unterstützen - während dieser in der Heimat seinen Traum zu leben beginnt.

Dass in dieser Frage nun alles geklärt ist, begrüßte der Coach. Auch wenn die Zukunft in Hämeenlinna noch weit weg sei. "Der Fokus liegt nicht auf dieser nächsten Herausforderung, sondern an den vielen anstehenden Aufgaben in Frankfurt", betonte Matti Tiilikainen. "Wir haben noch mehr als die halbe Saison vor uns", erinnerte er. Und viel zu tun.

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