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Gerade ist er 18 geworden: Leon Hüttl. Das schützende Gitter am Helm, das für Jugendspieler vorgeschrieben ist, kann er jetzt ablgen.

Karriere

Wie aus dem Tölzer Löwen Leon Hüttl ein Frankfurter Löwe wurde

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Er gilt als eines der großen Talente im deutschen Eishockey. Umso stolzer sind die Löwen, dass sie Leon Hüttl nach Frankfurt locken konnten.

Diesen besonderen Moment konnte Leon Hüttl mit freiem Blick genießen. „Der Schuss ging genau in die Lücke, er war auch nicht besonders hart“, berichtete der jüngste Verteidiger der Frankfurter Löwen mit einem breiten Grinsen und fand selbst: „Das war gut anzuschauen.“ Vor allem aber, da strahlte Hüttl übers ganze Gesicht, war es „ein geiles Gefühl“. Bei dem aus Bad Tölz zugezogenen Bayern vollzieht sich die Entwicklung gerade im Eiltempo. Am Sonntag hat er nun auch sein erstes Löwen-Tor geschossen, von den Fans am Ratsweg wurde er obendrein zum Spieler des Spiels gegen die Heilbronner Falken gewählt. Und wenn man ihm in der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys bei der Arbeit zuschaut, kann man kaum glauben, dass er eben erst 18 Jahre alt geworden ist, beim erfolgreichen Hessenduell gegen die Kassel Huskies vor eineinhalb Wochen.

„Er hat eine Gabe“, erzählt Sportdirektor Franz Fritzmeier: „Leon ist ein lockerer, lustiger Typ. Aber er weiß, wann es ernst wird. Und er scheut sich auch nicht, in Mannheim vor 10 000 Zuschauern zu spielen.“ Auch Marko Raita und das ganze Trainerteam haben schon bei den ersten Übungseinheiten im Sommercamp in Diez viele Fähigkeiten gesehen. „Er ist läuferisch gut, hat einen guten Schuss und kann mit dem Puck umgehen“, lobt der Coach. Er erwarte eine sehr gute Zukunft für ihn, sagt er, eher er sanft bremst: „Bis jetzt sind wir sehr zufrieden mit Leon. Er weiß aber, dass er immer weiter an sich arbeiten muss, jeden Tag.“

Um Bodenhaftung ist auch Fritzmeier bemüht. „Er ist ein junger Spieler mit viel Potenzial. Es tut den Jungs aber nicht gut, so hoch gehandelt zu werden“, betont er, freilich: „Wir sind schon stolz, so ein Talent in unseren Reihen zu haben.“ Inzwischen ist der eine oder andere erstklassige Club etwas neidisch. Fritzmeier hatte Leon Hüttl schon seit Jahren auf dem Schirm, wie alle deutschen Top-Talente, sobald sie 14, 15, das gehört zu seinem Selbstverständnis als Sportdirektor. In diesem Fall kommt noch ein kleiner Heimatvorteil dazu: Beide stammen aus Bad Tölz, man spricht die gleiche Sprache.

Mehrmals hat Fritzmeier das Gespräch mit ihm und seinen Eltern gesucht. War drei Mal bei ihnen, hat zum Gegenbesuch nach Frankfurt eingeladen, erst alle zusammen, dann nur Leon, hat ihnen den Club und die ganze Stadt gezeigt. „Um gegenseitiges Vertrauen zu erarbeiten“, erklärt er. Und dann wäre der Deal fast doch geplatzt, weil Fritzmeier plötzlich noch andere Aufgaben übernehmen musste.

Mitte März war er extra mit dem eigenen Auto zum zweiten Spiel der Viertelfinalserie in der vergangenen Saison nach Kassel gefahren, um aus Nordhessen direkt in den Süden durchzustarten, durch die Nacht, nach Bad Tölz. Um sich vor Ort noch ein Spiel von Hüttl in der Nachwuchsliga anzuschauen und noch einmal mit ihm und den Eltern zu sprechen. Daraus wurde nichts: Nach der kurzfristigen Trennung von Trainer Paul Gardner änderte der Sportdirektor den Kurs auf Frankfurt, weil er sich selbst aushilfsweise hinter die Bande stellen musste. Bis zum nächsten Treffen mit Hüttls vergingen ein paar Wochen, zum Löwen-Glück funkte kein anderer Verein dazwischen. „Ich wollte eine gute Ausbildung haben und gute Trainer“, nennt Hüttl seine Gründe für Frankfurt. Letztlich war das sportliche Konzept mit einem umfassenden Trainerstab, einer entwicklungsfähigen Mischung aus älteren, mittelalten und jungen Spielern und der Vision DEL im Hinterkopf gewiss noch ein bisschen wichtiger für das Ja-Wort zu Frankfurt als Fritzmeiers Bad-Tölz-Bonus. „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich so ein Spieler für uns entscheidet“, betont der Sportdirektor. Mit einem Dreijahresvertrag ohne Ausstiegsklausel. Umgekehrt glauben die Verantwortlichen, dass dies genau der richtige Ort für Hüttl ist. „Es ist ein gutes Team für ihn, um besser zu werden, weil er auch viel Erfahrung um sich hat“, sagt Raita.

Leon Hüttl selbst wiederum übertrifft seine eigenen Erwartungen. Ein paar Spiele in der DEL 2 hat er für Bad Tölz bereits bestritten. Dass er bei den Frankfurter Liga-Mitfavoriten aber gleich zum Stamm gehören würde, in dritter Abwehrreihe? „Das hätte ich nicht gedacht“, räumt er ein, um selbstbewusste Ziele indes ist er nicht verlegen. „Meister werden, ganz klar. Und selbst so viel Eiszeit zu haben wie möglich“, sagt er. Und, ganz aktuell: „Vollgas geben und alle drei Heimspiele gewinnen.“ Der erste einer Serie von drei Terminen am Ratsweg ist schon erfolgreich abgeschlossen, mit dem fünften Sieg im sechsten Saisonspiel. Am Mittwoch (16 Uhr) kommt nun der alte Club aus der Bad Tölzer Heimat, am Freitag (19.30 Uhr) der EC Bad Nauheim zum Nachbarschaftsduell.

In der Woche drauf ist Hüttl dann zur deutschen U 20-Auswahl eingeladen, es geht rasant weiter. Das erste Mal von den Eltern weg, selbst kochen, selbst waschen. Ein Schritt nach dem anderen. Immerhin hat er seit eineinhalb Wochen ein Auto und muss die Getränkekisten nicht mehr zu Fuß in die Wohnung in Steinbach schleppen, vor den Toren der großen Stadt.

Im Mannschaftskreis ist der junge Bayer ohnehin gut aufgenommen worden, man geht essen oder kocht mal zusammen. Und auf dem Eis läuft es ja auch nicht schlecht. Nur was er mit dem Puck von seinem ersten Löwen-Tor anstellen soll, weiß er noch nicht so recht. „Aber dafür“, meint Leon Hüttl, „fällt mir auch noch etwas ein“.

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