Im doppelten Einsatz: Sportdirektor Franz-David Fritzmeier (Mitte) gibt seinen Löwen jetzt auch als Headcoach Anweisungen.Foto: Pressehaus

Eishockey

Trainerwechsel nach dem Löwen-Tiefpunkt

  • Markus Katzenbach
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Das Debakel ausgerechnet in Kassel war zu viel: Die Frankfurter Löwen haben sich von Headcoach Olli Salo getrennt, Sportdirektor Fritzmeier übernimmt auch diesen Posten – und kann beim Neustart einen Sieg verbuchen.

Frankfurt – Am Ende wurde der Neuanfang noch zu einem Nervenspiel. Der Besuch von den Bayreuth Tigers, am Tabellenende angesiedelt und mit einer auf 14 von erlaubten 19 Feldspieler geschrumpften Rumpftruppe an den Ratsweg gereist, aber immer für eine Überraschung gut, war den Frankfurter Löwen kurz vor Schluss noch einmal bis auf einen Treffer nahe gekommen und hatte gar den Ausgleich auf dem Schläger – ehe Adam Mitchell den Puck aus der Ferne in das in den Ausgleichsbemühungen verwaiste Bayreuther Tor schob, der Kapitän der Frankfurter Löwen, zum Endstand von 5:3 (1:1, 2:1, 2:1). „Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen“, urteilte danach Franz-David Fritzmeier, der Sportdirektor, der tags zuvor auch den Posten als Headcoach übernommen hatte, und fand: „Nach zwei Tagen mit vielen Gesprächen und Analysen haben wir eine gute Reaktion gezeigt und schon einige Dinge umgesetzt. Das war ein erster Schritt, auf dem wir aufbauen können.“
Vorausgegangen war diesen Worten zum Sonntagabend ein aufwühlendes Löwen-Wochenende. Angefangen mit einem historischen Offenbarungseid, der für Olli Salo wiederum das Ende bedeuten sollte. Mit dem 0:7 vom Freitagabend, ausgerechnet bei den Kassel Huskies, dem alten Hessenrivalen und in dieser Saison ja auch Aufstiegskonkurrenten in der DEL 2, war ein Tiefpunkt der jüngeren Frankfurter Eishockey-Geschichte erreicht und klar, dass es so nicht würde weitergehen können.
„Ich hatte vor dem Spiel auf einen Sieg und ein Signal gehofft, aber das ging dann in die ganz andere Richtung“, sagte Fritzmeier. Die Entscheidung, sich von Headcoach Salo zu trennen, sei danach „unumgänglich“ gewesen. Noch am Samstagvormittag wurde sie verkündet. „Weder die Ergebnisse noch die Art und Weise, wie Mannschaft derzeit spielt, ist akzeptabel“, erklärte Fritzmeier.
So tief in die Problemzone waren die Löwen seit Beginn des Dreijahresplans im Sommer 2018 nie geschlittert – und das im entscheidenden Jahr, in dem der Aufstieg in die erstklassige DEL endlich wieder möglich ist. Unter dem in die Heimat zum finnischen Spitzenclub Hämeenlinnan Pallokerho abgeworbenen Matti Tiilikainen war die Mannschaft trotz großer Umbrüche, etlicher junger Spieler und viel Entwicklungsarbeit für den DEL-Aufstieg zwei Mal die beste der Punktspiele gewesen und im März so Favorit auf den Titel, ehe die Play-offs der vergangenen Saison wegen Corona gestrichen wurden. Eine arge Durststrecke gab es auch vor einem Jahr schon einmal, doch kriegten die Löwen seinerzeit die Kurve und fanden schließlich zu beeindruckender Dominanz – mit weitgehend gleichem, punktuell nun eher noch verstärkten Kader
Eine ähnliche Trendwende trauten die Verantwortlichen Salo im traditionellen Terminstress rund um Weihnachten und Silvester mit neun Spielen in 21 Tagen nicht zu. An Qualifikation und Erfahrung Tiilikainen, seinem alten Bekannten und ehemaligen Mitarbeiter aus dem Hämeenlinna-Nachwuchs, sogar einen Schritt voraus, gelang es ihm offenbar nicht, diese der Mannschaft zu vermitteln, sie auf ihrem Stand abzuholen.
Nun übernimmt erst einmal Fritzmeier, wie schon einmal im März 2018, auch damals nach sieben Gegentoren in Kassel, als er ein Viertelfinale gegen die Huskies noch zum Guten wendete. Auch in der DEL arbeitete der 40-Jährige bereits für ein Jahr hinter der Bande, bei den Krefelder Pinguinen. Sein doppelter Einsatz in Frankfurt hängt nun unter anderem mit der schwierigen finanziellen Situation angesichts der immensen Einnahmeausfällen in Corona-Zeiten zusammen, befristet ist er nicht. „Man muss ja auch die gesamte Situation sehen“, gibt Fritzmeier angesichts der vielen Ungewissheiten zu bedenken: „Wir haben immer noch Corona. Da ist die Frage: Wie geht es weiter im Eishockey?“
Wie es bei den Löwen weitergeht, ist eine andere Frage, kurz- und langfristig. Man müsse auch die Zukunft sehen, so Fritzmeier, die ja immer noch erstklassig sein soll, mit einem Headcoach für die DEL. „Vielleicht haben wir ja in sechs Wochen den richtigen Trainer dafür“, meint Fritzmeier. Jetzt brauche man wiederum auch keinen neuen Trainer, der alles plötzlich ganz neu macht.
Und so springt er eben selbst erst einmal selbst in die Bresche, mit großer Unterstützung: Olli Salos Bruder Valtteri, der seit 2018 für die Goalies und die Videoanalyse zuständig ist und für den die Trainertrennung auch eine spezielle familiäre Note hat, bleibt den Löwen ebenso erhalten wie Marko Raita und der Rest des Trainerteams. „Ich stehe in der Verantwortung und an der Bande, aber sie leisten auch sehr viel Arbeit“, betont Fritzmeier.
Allzu viel umgeworfen hat man gemeinsam fürs Erste nicht, nur die Reihen etwas geändert, auch im Powerplay – was sich gegen Bayreuth prompt auszahlte mit drei Überzahltoren durch Mitchell (14.), Kyle Wood (31.) und Alexej Dmitriev (51.). Zudem traf Christian Kretschmann (22.).
„Wir hatten eine gute Körpersprache und haben als Mannschaft zusammengestanden, das war uns besonders wichtig“, hob Fritzmeier hervor. Weil in Kassel nichts davon zu sehen war. Auch die Spieler stehen noch mehr in der Pflicht, schon am Dienstag (19.30 Uhr) beim nächsten Heimspiel gegen den EV Landshut. Woraus es Franz-David Fritzmeier jetzt vor allem ankommt, machte er ganz klar: „Kampf, Einsatz, Wille“, forderte er, und mit dem Freitagabend im Hinterkopf: „Dass sich Frankfurter Löwen ergeben, will ich nie mehr sehen.“ Markus Katzenbach

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