+
Pistelli

Eishockey

In der verrückten Hauptrunde der DEL2 übertreffen die Frankfurter Löwen sogar ihre eigenen Erwartungen

  • schließen

Platz eins in der DEL-2-Hauptrunde nehmen die Löwen gerne mit. Offene Fragen gibt es zu den Play-offs trotzdem genug. Und andere Titelanwärter auch.

Frankfurt - Eine Trophäe bekamen sie für diesen ersten Platz nicht in die Hand gedrückt, und eigentlich gehörte er auch gar nicht unbedingt zum Plan. Stolz aber waren die Frankfurter Löwen schon, das Hauen und Stechen in der langen Hauptrunde der zweiten Klasse des deutschen Eishockeys als beste Mannschaft abgeschlossen zu haben, und das konnten sie auch sein, als sie sich am Sonntagabend auf die Heimfahrt vom Kunsteisstadion im Crimmitschauer Sahnpark begaben. Zumal es eine Frankfurter Premiere war, im fünften DEL-2-Jahr. „Heute feiern wir ein bisschen die Hauptrunde, der Montag ist frei, aber ab Dienstag werden wir wieder hart arbeiten“, gab Verteidiger Max Faber vor der Abfahrt die Löwen-Losung aus, denn: „Jetzt geht der Spaß richtig los.“

Zum Thema: Premieren-Feier unter Löwen: Frankfurt beendet die Hauptrunde auf dem ersten Platz

Die Uhren werden nach der letzten Zählervergabe wieder auf Null gestellt. 52 Spiele, 97 Punkte und stolze 211:153 Tore sind damit erst einmal nicht mehr wert als das Recht, die Ausscheidungsserien um die Meisterschaft ab dem 15. März mit einem Heimspiel beginnen zu dürfen. Oder doch? „Den ersten Platz nehmen wir gerne mit. Das bestätigt unsere Arbeit und gibt und noch mal einen Push“, sagt Sportdirektor Franz-David Fritzmeier. „Wir sind nicht als Topfavorit gestartet und ich möchte uns jetzt auch nicht so bezeichnen“, meint er, indes: „Wir haben schon ein Ausrufezeichen gesetzt. Ich denke, dass einige uns fürchten, die das vor der Saison nicht so gedacht hätten.“

Fritzmeier selbst hatte seine Löwen im Sommer nicht so hoch gehandelt, nach dem großen Umbruch. Unter den besten Vier vielleicht, aber sicher nicht auf Platz eins. „Wir haben einen Dreijahresplan und wollen in zwei Jahren in die DEL aufsteigen. Da kann nicht alles in einem Jahr klappen“, sagt er, „aber wir haben einen guten Weg gefunden, Entwicklungsarbeit zu leisten und auch aktuell Erfolg zu haben.“

Löwen Frankfurt: Eine herausragende Hauptrunde

Nicht einmal in der Meistersaison 2016/2017 fuhren die Frankfurter Puckjäger die meisten Punkte ein. Damals waren sie Zweiter der Hauptrunde, hinter den Bietigheim Steelers. Mit 104 und damit noch ein paar Punkten mehr als jetzt, aber auch in einer Liga, die nicht so ausgeglichen war und in der die Favoriten nicht so viele Zähler im Tabellenkeller liegen ließen – wie Bietigheim am Sonntag in Freiburg. Während die Löwen mit dem Penaltysieg bei den Eispiraten Crimmitschau, neben Heilbronn und Dresden auch einer der möglichen Viertelfinalgegner, ihre Spitzenposition aus eigener Kraft behaupteten.

„Wir haben die beste Ausgangslage von allen, und die Mannschaft hat sich sehr gut entwickelt“, zieht Fritzmeier eine Zwischenbilanz. Dabei sei gar nicht alles perfekt gelaufen, aber das war auch kaum zu erwarten. Für viele Spieler war es die erste Profisaison, für manch anderen die erste in der DEL 2. Gerade von den Jungen erhofft sich der Sportdirektor, dass sie im nächsten Jahr noch stabiler sind. Schon jetzt aber hätten sie „vielleicht sogar ein bisschen mehr“ zum Erfolg beigetragen als gedacht, so Fritzmeier.

Tatsächlich konnten Youngster wie Max Eisenmenger nicht nur die Routiniers mit ihren Eiszeiten entlasten, sondern selbst am Ergebnis mitschrauben. Das kann in kräftezehrenden Play-offs ein Vorteil sein. Gleichzeitig bestreiten viele der jungen Löwen erstmals solche K.o.-Runden – da darf man auch gespannt sein, ob die Nerven mitspielen. Was längst nicht die einzig offene Frage ist.

Seit der Verpflichtung von David Skokan muss beispielsweise immer einer von fünf Löwen ohne deutschen Pass draußen bleiben. Skokan und Matt Pistilli indes harmonieren in der zweiten Reihe gut mit Brett Breitkreuz. Mit noch mehr Konstanz könnte das in den Play-offs ein entscheidender Faktor werden. Und Abwehrchef Dan Spang dürfte gesetzt sein. Bliebe ein Platz, den am Wochenende Matt Tousignant belegte, auf dem er sich im raschen Play-off-Takt aber vielleicht mit Antti Kerälä abwechseln könnte. „Wichtig ist, dass wir genug Tiefe im Kader haben und auch auf dieser Position breit genug aufgestellt sind“, erklärt Fritzmeier.

Auch sehr interessant: Löwen Frankfurt forcieren die Nachwuchsarbeit

So wie mit Ilya Andryukhov und Bastian Kucis im Tor. Beide Goalies glänzen mit starken Paraden, leisteten sich aber auch Patzer. „Wir haben das Glück, dass zwei gute Torhüter zu haben“, sagt Fritzmeier allgemein, „das ist ein Faustpfand. Wer spielt, muss dann aber auch Top-Leistung zeigen.“ Manches spricht dafür, die Play-off-Verantwortung dem erfahrenen Andryukhov zu geben. Und bei Gelegenheit mal zu tauschen. In einem ist sich Fritzmeier sicher: „Die Defensive wird den Ausschlag geben, das ist der Schlüssel zum Erfolg. Das ist aber nicht nur Sache der Torhüter, sondern der ganzen Mannschaft.“ Die Defensive – und das Spiel in Unterzahl: „Wenn wir uns da noch mal steigern, sieht es gut aus.“

Löwen Frankfurt: Es gibt viele Konkurrenten um den Titel

Favoriten hat Fritzmeier genug. Ravensburg zum Beispiel, weil dort alles auf die Meisterschaft in diesem Jahr ausgerichtet ist. Kassel, nach wie vor, trotz der schwachen Hauptrunde, weil auch dort viel Geld eingesetzt und immer wieder nachgebessert wurde. Oder Bietigheim, als amtierender Meister. Dass „wir auch gezeigt haben, dass wir einer der Mitfavoriten sind“, vergisst der Frankfurter Sportdirektor nicht zu betonen. Franz-David Fritzmeier rechnet insgesamt gleich sechs, sieben Mannschaften Chancen auf den Titel zu – und auch fest mit Überraschungen in den Play-offs, denn eines hat diese verrückte Hauptrunde gelehrt: „Es ist nichts vorhersehbar.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare