Gesellschafter Andreas Stracke (links) und Sportdirektor Franz-David Fritzmeier versuchen, die Löwen auch in Corona-Zeiten auf Kurs zu halten. Foto: Hübner
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Gesellschafter Andreas Stracke (links) und Sportdirektor Franz-David Fritzmeier (Mitte, hier mit Löwen-Legende Pat Lebeau) versuchen, die Löwen auch in Corona-Zeiten auf Kurs zu halten.

Eishockey

"Wichtig ist erst einmal, dass wir überhaupt wieder Eishockey spielen können"

  • Markus Katzenbach
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Gesellschafter Stracke und Sportdirektor Fritzmeier sprechen im Interview über die Frankfurter Löwen in Corona-Zeiten und erschwerte Arbeiten am ersehnten Aufstieg in die DEL.

Seit zwei Jahren arbeiten die Löwen Frankfurt auf dieses große Ziel hin, am Ende der neuen Saison in der DEL 2 soll es erreicht sein: Dann öffnet sich für den Meister der deutschen Eishockey-Zweitligisten endlich wieder die Tür in die erstklassige DEL. Wenn denn irgendwann gespielt werden kann. Wie sehr die Corona-Pandemie diese Planungen erschwert und wie die Löwen damit umgehen, schildern Gesellschafter Andreas Stracke und Sportdirektor Franz-David Fritzmeier im Gespräch mit unserem Redakteur Markus Katzenbach.

Normalerweise würden in diesen Tagen die Vorbereitungen auf die neue Saison in die heiße Phase gehen. In diesem Jahr ist das anders, langweilig wird Ihnen aber auch jetzt bestimmt nicht?

FRANZ-DAVID FRITZMEIER: Nein, so viel zu tun wie diesen Sommer war fast noch nie. Das Gefühl ist nur: Du machst doppelt so viel, erreichst aber weniger. Schwierig ist die Ungewissheit: Es gibt so viele Faktoren zu bedenken und so viele offene Fragen, die man oft zum jetzigen Stand auch einfach nicht beantworten kann.

ANDREAS STRACKE: Wir arbeiten härter denn je, um immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Wir hatten zum Beispiel sehr viel mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmerthemen zu tun. Wir haben Formate geschaffen wie unser wöchentliches Onlinemagazin "Löwengebrüll", um unsere Fans in der längsten Sommerpause der Geschichte zu informieren und zu unterhalten. Oder Networking-Veranstaltungen für unsere Sponsoren und Partnern unter Corona-Bedingungen auf die Beine gestellt. Und wir haben natürlich auch Hygienekonzepte erstellt und stehen mit den Behörden darüber im Austausch.

Wie geht es jetzt weiter?

STRACKE: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und wissen, wie die interne Checkliste aussieht. Aber wir können eigentlich nichts sagen, bis die Rahmenbedingungen durch die Politik für die Rückkehr in einen Spielbetrieb mit Zuschauern feststehen.

Ende August wollen die Ministerpräsidenten darüber beraten. Erhoffen Sie sich eindeutige Signale?

STRACKE: Irgendwann muss ja ein klares Signal kommen. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat jetzt auch erstmals den Fokus auf die Hallensportarten gelegt. Der gesamte Hallensport wartet auf ein Feedback der Ministerpräsidenten, was die Bedingungen sind, damit Hallensport vor Zuschauern wieder möglich ist. Dann kann man sehen, was in den jeweiligen Hallen umgesetzt werden kann.

Mit wie vielen Zuschauern in der Eissporthalle rechnen Sie denn, Stand jetzt?

STRACKE: Jetzt schon über Maximal- oder Minimalkapazitäten zu sprechen, macht keinen Sinn. Wir müssen abwarten, was die Politik vorgibt. Man muss auf Sicht fahren und schauen, was sich bis zum auf Anfang November verschobenen Ligastart machen lässt. Wir sind parat, haben zusammen mit unserem Gesundheitspartner, der Hygieneabteilung der Asklepios Klinik in Seligenstadt, unsere eigenen Maßgaben entwickelt. Dabei legen wir Wert zum Beispiel auf Maskenpflicht und personalisierte Tickets, damit sich im Fall der Fälle alles nachverfolgen lässt. Jetzt müssen wir wissen, welche weiteren Rahmenbedingungen noch zu berücksichtigen sind, damit es zur Zuschauerzahl x kommen kann. Und wenn es zur Zuschauerzahl x kommt, muss man sehen, wie man für die Differenz zu einer normalen Zuschauerzahl die Hilfspakete von Bund und Ländern und so weiter nutzen kann. Aber da gibt es auch viele offene Fragen. Eine erste Frist für das Hilfspaket des Bundes läuft Ende September ab. Wir werden hier unsere Unterlagen einreichen und sehen, was für ein Feedback wir bekommen.

Wie ist es mit Landeszuschüssen?

STRACKE: Das ist auch so eine Sache. In Hessen gibt es zum Beispiel einen Landeskredit, den die Wibank angeboten hat, über eine halbe Million Euro, zinsfrei, über zehn Jahre. Leider ist es aber nicht so wie in Sachsen. Hier wird den Clubs die Hälfte der Kreditsumme erlassen, sofern der erste Teil nach fünf Jahren zurückgezahlt wurde. Bei solchen Themen darf man auch nicht die Wettbewerbsgleichheit aus den Augen verlieren. Am Ende geht es hier immerhin um 250 000 Euro Unterschied.

FRITZMEIER: Wir müssen ja deutschlandweit spielen und brauchen länderübergreifend einheitliche Bedingungen. Ich bin gespannt, wann wir zu einer gemeinsamen Linie kommen.

Frankfurt steht wirtschaftlich stabil da. Würde es aber auch die Existenz der Löwen bedrohen, wenn die ganze Saison abgesagt würde?

STRACKE: Das kommt auf die Umstände an. Man kann sich verschiedene Szenarien ausmalen. Dass du zum Beispiel den Spielbetrieb aufnimmst, aber das Ganze durch die Pandemie erneut abgebrochen werden muss. Das wäre das Worst-Case-Szenario. Deswegen versucht man als Club, so wenig wie möglich Risiko einzugehen und die Kostenblöcke nicht zu groß werden zu lassen. Erst wenn man genau weiß, unter welchen Rahmenbedingungen man in die Saison gehen kann, ist es auch möglich, konkret zu planen. Da sitzen die meisten Profisportclubs im gleichen Boot. Bei uns geht es außerdem nicht nur um die Profis, sondern auch um die Wirtschaftlichkeit des Löwen-Nachwuchses mit circa 300 aktiven Kindern.

Gibt es eine Konstellation, in der für Sie Geisterspiele vorstellbar wären?

STRACKE: Wir sind absolut gegen Geisterspiele. Dennoch müssen wir uns auch mit diesem Szenario befassen. Für uns wäre es nur vorstellbar, wenn klar ist, wer dann den Etat übernimmt beziehungsweise wie er finanziert werden kann. Der Apparat ist dann ja am Laufen und muss voll funktionieren. Und wenn die Sponsoren dann verständlicherweise vielleicht auch nicht bereit sind, ihr volles Sponsoring zu bezahlen, weil ohne Fans Werbekontakte et cetera fehlen, bezieht sich das nicht nur auf Zuschauer-, sondern auch auf Sponsoreneinnahmen. Unser Herzstück im Business-to-Business-Umfeld ist hier der VIP-Bereich, unsere Löwenlounge mit 400 bis 450 Besuchern pro Spiel. Diese Business-Seats sind in 99 Prozent unserer Sponsorenverträge enthalten und ohne Zulassung von Zuschauern auch hinfällig. Diesen Zusammenhang darf man nicht vergessen.

Wie sieht es denn aus bei den Sponsoren, deren Firmen es in der Corona-Krise ja auch nicht leicht haben?

STRACKE: Unterschiedlich. Viele sind extrem betroffen, machen wie wir Kurzarbeit durch. Es ist eine herausfordernde Zeit. Deswegen sind viele Sponsoren und Partner aktuell natürlich sehr zurückhaltend.

Anders als die Löwen-Fans.

STRACKE: Wir sind superhappy, wie die Fans das Thema Dauerkarte unterstützen, weil sie an die neue Saison glauben, wann immer sie losgeht. Wir sind über der Marke von 1500, der Zuspruch ist ungebrochen. Das stärkt uns den Rücken, weil wir wissen, auf unsere Fans können wir uns wie in der Vergangenheit verlassen.

Frankfurt verzeichnet klar die meisten Zuschauer der Liga. Trifft es die Löwen besonders hart, wenn weniger Zuschauer zugelassen sind?

STRACKE: Würde ich schon sagen. Wir haben das auf der letzten Gesellschafterversammlung auch ganz offen thematisiert. Aber die anderen Clubs haben da ähnliche Herausforderungen, mit ihren Sponsoren, wenn sie gewisse Kennzahlen und Rahmenbedingungen nicht mehr erreichen könnten. Da hängt viel Substanz bei den Partnerschaften mit Unternehmen dran.

FRITZMEIER: Es ist schon ein extremer Einschnitt. Der Etat für den Spielerkader hängt wesentlich von der Zahl der Zuschauer ab. Daraus bekommen wir normalerweise zu großen Teilen das Budget, aus dem die Spieler ihr Geld verdienen.

STRACKE: Unsere Mannschaft ist fast komplett, wir haben Mietverträge für Spieler- und Trainerwohnungen, Autos, das sind laufenden Kosten. Dafür müssen wir auch dringend wieder Einnahmen verzeichnen.

Die Liga hat eine Pandemie-Klausel eingeführt, nach der die Verträge mit den Spielern erst einen Monat vor dem tatsächlichen Ligastart wirksam werden. Sind davon auch Löwen betroffen?

FRITZMEIER: Im Moment sieben Spieler. Die Liga hat das nach dem Beginn der Corona-Pandemie in ihren Standardvertrag aufgenommen. Spieler haben nur noch eine Lizenz bekommen, wenn sie diesen unterschrieben haben. Natürlich kann man aber nicht in schon bestehende Spielerverträge eingreifen, für diese gilt das nicht. Bei uns zum Beispiel sind das alle jungen Spieler, die alle Zwölfmonatsverträge haben.

Sind die Spieler mit der Klausel dann arbeitslos gemeldet?

FRITZMEIER: Ja, sie bleiben arbeitslos, solange die aufschiebende Wirkung besteht. Diese Spieler gehören daher momentan offiziell nicht zum Team.

Wie gestaltet man denn unter solchen Bedingungen ein sinnvolles Eishockey-Training?

FRITZMEIER: Ein Teil der Mannschaft ist in Kurzarbeit, mit denen aber in diesem Rahmen trainiert werden kann. Es ist schon schwierig mit so einer geteilten Mannschaft. Aber im Moment ist es die oberste Priorität, dass wir überleben. Und für die Spieler, die unter Vertrag stehen, läuft das Tagesgeschäft in gewissem Umfang. Wir haben die üblichen medizinischen und leistungsdiagnostischen Eingangstests gemacht, diesmal auch Corona-Tests, alle negativ. Das Sommertraining ist sehr gut gelaufen. Wir haben viele junge Spieler, die über den Sommer sehr viel Zeit zum Aufbautraining hatten - allein schon durch das vorzeitige Ende der vergangenen Saison, Mitte März statt Ende April. Die sind richtige Kanten geworden, dieses Level hätten wir sonst nicht erreicht. Langsam müssen wir die Sache jetzt aber auf dem Eis umsetzen.

Sonst würde es zu dieser Zeit des Jahres am Ratsweg aufs Eis gehen.

FRITZMEIER: Diesmal wird es noch etwas später, wegen technischer Probleme in der Eissporthalle. Wir planen mit dem 7. September. Dass uns im Sommer das Eis fehlt, ist auch ein grundlegendes Problem: Premiumvereine wie Köln, Mannheim oder Berlin sind den ganzen Sommer auf dem Eis. Das ist natürlich attraktiv für alle Toptalente, denn On-Ice-Training kann durch kein Off-Ice-Training über längeren Zeitraum richtig ersetzt werden.

Auf diese Saison wird seit zwei Jahren hingearbeitet, weil am Ende der Meister wieder in die DEL aufsteigen kann. Wie sehr erschwert Corona diese Pläne?

FRITZMEIER: Wir haben schon vorher große Schritte gemacht. Der Plan war für die dritte Saison auch, dass wir die Mannschaft weitgehend zusammenhalten, das ist uns gelungen. Es sind keine Spieler abgesprungen, die wir behalten wollten. Es fehlen uns nur noch zwei Verteidiger, die wir sonst längst verpflichtet hätten. Aber es gibt natürlich einige große Unbekannte. Wann kann man richtig loslegen, wie kommt man in eine möglichst gute Verfassung, wenn es im November losgehen sollte? Das fängt bei der Vorbereitung an, die normalerweise im Mai anfängt und für uns sehr wichtig ist im Rahmen einer kontinuierlichen Entwicklung. Auch der Spielrhythmus wird sich ändern: Weniger Training, mehr Spiele. Und dann bleibt die Frage, ob die Saison normal durchläuft oder etwas dazwischenkommt. Eigentlich kann man gar nichts planen.

STRACKE: Wir müssen auf Sicht fahren und immer auf aktuelle Gegebenheiten reagieren, so wie wir es die letzten fünf Monate getan haben. Wir wollen so schnell wie möglich zurück in die DEL, und dass wir zwei Mal hintereinander Hauptrundensieger waren, spricht auch für eine gewisse Qualität. Wichtig ist aber erst einmal, dass wir überhaupt wieder Eishockey spielen können Alles andere ist mindestens drei Schritte zu weit gedacht. Bevor wir irgendwann eine Meisterfeier planen können, gibt es noch viele andere Dinge zu tun.

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