Trotz aller Herausforderungen voller Vorfreude auf die neue Saison: die Löwen-Gesellschafter Stefan Krämer (Mitte) und Andreas Stracke (rechts) mit Hallensprecher Rüdiger Storch.
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Trotz aller Herausforderungen voller Vorfreude auf die neue Saison: die Löwen-Gesellschafter Stefan Krämer (Mitte) und Andreas Stracke (rechts) mit Hallensprecher Rüdiger Storch.

Eishockey

"Wichtig ist uns, dass wir grundsätzlich niemanden ausschließen"

  • Markus Katzenbach
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2G oder 3G und andere Corona-Fragen, Vorfreude auf die Rückkehr der Fans, Aufstiegshoffnungen und weitere Herausforderungen: Vor dem Start in die neue DEL-2-Saison sprachen Andreas Stracke und Stefan Krämer, die Gesellschafter der Löwen Frankfurt, mit unserem Redakteur Markus Katzenbach.

Am Freitag beginnt die DEL-2-Saison, am Sonntag steht das erste Löwen-Heimspiel an. Wie viele Zuschauer dürfen denn kommen?

ANDREAS STRACKE: Für die ersten beiden Heimspiele wurden 3226 Zuschauer durch das Gesundheitsamt Frankfurt zugelassen. Die Zuschauerkapazität teilt sich in 1464 Sitzplätze im Zweier-Schachbrettmuster, ohne Maskenpflicht am Platz, und 1762 Stehplätze, mit Maskenpflicht am Platz auf, wobei die Kapazität der Stehplätze auf die einzelnen Stehplatzblöcke verteilt wird.

Warum haben Sie sich für eine 3G- statt einer 2G-Regelung entschieden? Sonst wären wohl noch mehr Zuschauer zugelassen worden?

STEFAN KRÄMER: Für mindestens die ersten beiden Saison-Heimspiele setzen wir weiterhin auf die 3G-Regel, um allen Fans den Besuch dieser Löwen-Heimspiele zu ermöglichen. Nach diesen Spielen werden wir dann, aufgrund unserer Erfahrungen, ein Fazit ziehen und möglicherweise für die folgenden Spiele auf 2G umstellen. Wichtig ist für uns, dass wir grundsätzlich niemanden ausschließen möchten.

Haben Sie die Hoffnung, dass im Lauf der Saison noch mehr Fans die Halle besuchen können?

STRACKE: Natürlich hoffen wir zukünftig wieder auf eine Vollauslastung der Eissporthalle Frankfurt, denn Eishockey lebt von der Stimmung auf den Rängen . Ob und wie schnell wir wieder zu einer weitgehenden Normalität zurückfinden, hängt von der Pandemie-Entwicklung und vielen anderen Faktoren ab, die wir zum Teil heute nicht einschätzen können.

Sonst kommen durchschnittlich 5000 Zuschauer an den Ratsweg, es fallen also zumindest erst einmal weitere Einnahmen weg. Wie schwer fällt das ins Gewicht?

KRÄMER: Ja, bei unseren Heimspielen haben wir regelmäßig hohe Zuschauerzahlen, wodurch über 40 Prozent unseres Etats gedeckt werden können. Deshalb ist jeden Kapazitätsreduzierung auf jeden Fall eine Herausforderung. Momentan gilt diese Regelung aber nur für die ersten beiden Heimspiele - insofern ist das Gewicht aktuell noch nicht abschließend abschätzbar.

Gibt es auch in dieser Saison noch staatliche Hilfen, die diese Verluste mindern?

KRÄMER: Wir haben für den Leistungszeitraum Juli bis September die "Ü3 plus" beantragt und erhoffen uns natürlich, dort weitere Hilfen zu erhalten. Alle weiteren staatlichen Hilfen sind ausgeschöpft und wir sind natürlich im Dialog mit den Behörden.

Kann man nach gut eineinhalb Jahren Corona beziffern, was diese Zeit die Löwen gekostet hat?

KRÄMER: Um einen Einblick zu geben und die großen Herausforderungen zu verstehen gibt es zwei interessante Zahlen aus dem letzten Geschäftsjahr: Vom Etat in Höhe von 4,5 Millionen Euro konnten 0,9 Millionen durch echte Einnahmen gedeckt werden. Ohne die staatlichen Hilfen hätten wir nicht überleben können. Zusätzlich haben wir das Defizit auch mit unseren eigenen Rücklagen und Eigenkapital gedeckt, diese Rücklagen sind jetzt aufgebraucht. Ansonsten schauen wir nach vorne und arbeiten akribisch, um die weiterhin laufenden Pandemie nach Kräften zu bekämpfen und zu überstehen.

In der vergangenen Saison haben Sie oft betont, dass das Überleben der Löwen oberste Priorität besitzt. Gilt das noch immer?

KRÄMER: Natürlich hat das für uns immer oberste Priorität, weil die Wirtschaftlichkeit des Clubs die Grundlage für die Lizenzvergabe durch die Ligagesellschaft darstellt. Da die Pandemie nach wie vor anhält und uns vor weitere Herausforderungen stellt, ist finanzielle Stabilität oberstes Gebot.

Wie schwer ist es, so eine Saison zu planen, die wirtschaftlich und organisatorisch immer noch voller Unwägbarkeiten steckt?

KRÄMER: Planungen unter diesen Voraussetzungen sind definitiv eine echte Herausforderung, zumal man die unterschiedlichsten Szenarien berücksichtigen und sich immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen muss - trotzdem bleibt es ein Blick in die Glaskugel. Die Voraussetzungen für eine Saisonplanung waren sicherlich schon deutlich einfacher. An dieser Stelle aber ein großer Dank an die Löwen-Fans und Partner an unserer Seite, die uns nach eigenen Kräften weiterhin supporten.

Viele deutsche Proficlubs aus allen Sportarten kämpfen damit, dass bislang weniger Zuschauer kommen als zugelassen sind. Fürchten Sie, dass es den Löwen erst einmal ähnlich ergehen wird?

STRACKE: Eine fundierte Einschätzung der Lage können wir hier wohl erst nach den ersten Saisonheimspielen geben, aber es ist sicher nicht von der Hand zu weisen, dass die Pandemie bei der Bevölkerung auch ihre Spuren in Bezug auf Sport- und andere Großveranstaltungen hinterlassen hat. Die Auswirkungen reichen von besonderer Vorsicht bis hin zum nicht akzeptieren wollen der notwendigen Rahmenbedingungen bei Events.

Wie wichtig ist für Sie die Rückkehr der Löwen-Fans? Wirtschaftlich - und atmosphärisch?

STRACKE: Um es auf den Punkt zu bringen: Ohne Zuschauer keine Einnahmen. Auch für unsere Partner sind die Zuschauerzahlen eine relevante Größe, das heißt: Keine oder weniger Zuschauer bedeuten deutlich reduzierte Sponsoringmöglichkeiten.

KRÄMER: Neben dem finanziellen Aspekt sind Fans in der Halle unbestreitbar ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil unseres Sports. Das war in der abgelaufenen Saison vor Geisterkulissen mehr als schmerzhaft spürbar. Unser Sport lebt von den Emotionen, dem Lärm, der Stimmung der Fans auf den Rängen, den Sprechchöre und Gesängen, die sich wie pure Energie auf die Spieler und das Spielgeschehen übertragen. Unser Sport ist am besten als actiongeladenes, spektakuläres Live-Erlebnis in voller Hütte zu genießen!

Auch für die vielen kleineren und größeren Sponsoren war es eine schwere Zeit. Hat sich auch das bei den Löwen bemerkbar gemacht? Die Brust ist ja zum Beispiel noch frei ...

STRACKE: Fast alle Löwen-Partner sind im Löwen-Rudel geblieben, wir konnten auch neue Partner akquirieren - darüber freuen wir uns natürlich sehr. Die Werbefläche auf der Brust - im Rahmen eines Hauptsponsorings - bisher nicht vergeben. Wir sind auf der Suche nach einem interessierten Unternehmen.

Viele Clubs in der Liga haben kräftig aufgerüstet, trotz Corona. Überrascht Sie das selbst manchmal?

KRÄMER: Am Ende ist jeder für seinen eigenen Etat verantwortlich und muss dafür gerade stehen, deshalb möchten wir nichts zu anderen Standorten sagen. Festzustellen ist allerdings schon, dass eine ausgeglichene Liga zu erwarten ist und der Favoritenkreis nicht kleiner wird.

Auch die Löwen haben einen feinen Kader, der allerdings noch recht klein erscheint. Sind noch Mittel da, um nachlegen zu können?

KRÄMER: Trotz der beschriebenen Herausforderungen, besonders im Ticketing, haben wir unseren Etat erstmal stabil gehalten. Diese Mittel wurden verwendet, um eine gewisse Tiefe im Kader zu haben. Nach der kurzfristigen Absage von Patrick Buzas haben aber auch am vergangenen Wochenende mit der Verpflichtung von Yannick Wenzel nachgelegt. Somit haben wir mit 22 Spielern eine absolut gute Kadergröße für den Beginn der Saison.

Die vergangene Saison und auch diese Vorbereitung mit den Corona-Fällen im Team haben gezeigt, wie viele Unwägbarkeiten es auch sportlich gibt. Trotzdem: Wie stehen die Chancen, im zweiten Anlauf den Aufstieg zu schaffen?

KRÄMER: Wir werden alles versuchen, um uns in dieser stark besetzten Liga durchzusetzen. Aber, jedes Wochenende gehen 14 Teams aufs Eis, die gewinnen wollen und die Liga ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir und unser sportlicher Bereich planen die Saison in mehreren Etappen, und da heißt es jetzt erstmal zu Saisonbeginn, dass sich unsere Mannschaft findet, eine gute Teamchemie entwickelt und gut zusammenspielt.

STRACKE: Wir haben ja einige neue Spieler und auch einen neuen Cheftrainer. Wir sollten bei uns die Lust am Siegen über den von außen herangetragenen Druck des "Aufsteigenmüssens" empfinden. Wenn wir das entwickeln und die externen Einflüsse - wie weitere pandemiebedingte negative Auswirkungen - nicht überhand nehmen, dann ist einiges möglich.

Abseits aller wirtschaftlicher Fragen: Wie sehr freuen Sie sich selbst darauf, am Sonntag endlich wieder DEL-2-Eishockey mit Zuschauern am Ratsweg zu erleben?

STRACKE: Ernstgemeinte Frage? Natürlich wahnsinnig!

KRÄMER: Schon beim Vorbereitungsspiel vor den knapp 2.000 Besuchern zu spielen hat einem nach 18 Monaten Zuschauer-Abstinenz eine Gänsehaut versetzt.

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