Zuspruch von einem Ex-Löwen: Frankfurts Eric Stephan (links) wird getröstet von Tim Schüle.
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Zuspruch von einem Ex-Löwen: Frankfurts Eric Stephan (links) wird getröstet von Tim Schüle.

Eishockey

Zu viel der Löwen-Widrigkeiten

  • Markus Katzenbach
    vonMarkus Katzenbach
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Der Showdown der Krimi-Serie gegen Bietigheim hat kein gutes Löwen-Ende, auch wenn nicht viel fehlt. Mit dem Aufstieg wird es nun erst einmal nichts.

Frankfurt -Die dann doch letzte Dienstfahrt einer Runde voller Widrigkeiten endete am späten Samstagabend gegen elf Uhr. Da fuhr der Mannschaftsbus mit den übrig gebliebenen Frankfurter Löwen wieder an der Eissporthalle am Ratsweg vor, nach einer tristen Rückfahrt aus dem Ellental. "Im Bus war Totenstille", berichtete Franz-David Fritzmeier, Sportdirektor und Headcoach: "Keiner konnte glauben, dass es so wirklich so passiert ist." Viel hatte für den Eishockey-Zweitligisten nicht gefehlt, um die Reise zum Traumziel Meisterschaft und Aufstieg fortzusetzen, auch wenn es gewiss ein weiter Weg geworden wäre. So oder so: Mit dem 2:4 (2:0, 0:0, 0:4) bei den Bietigheim Steelers im entscheidenden Viertelfinal-Duell hatte sich das erstmal erledigt, ziemlich plötzlich.

"Nach zwei Dritteln habe ich gedacht, dass wir es schaffen, wenn nicht alles gegen uns läuft", bekannte Fritzmeier. Aber genau so kam es: In den 20 Minuten, die schließlich die letzten der Saison werden sollten, lief zu viel gegen seine Löwen, und so passte dieser Showdown der Krimi-Serie gegen Bietigheimer Erzrivalen zum ganzen Frankfurter Eishockey-Jahr.

2:0 hatten sie, die nach Niederlagen in den ersten beiden Spielen mit zwei überzeugenden Siegen ein Entscheidungsspiel erzwungen hatten, vor dem letzten Abschnitt geführt, dank Toren von Carter Proft (9.) und Luis Schinko (17.) und einem konzentrierten Auftritt. Doch dann fanden die Steelers mit Wucht und dem Mut der Verzweiflung, etwas Glück und zwei schnellen Toren zum Ausgleich doch noch ins Spiel, auch dank kleinerer Löwen-Aussetzer, wie es sie über die Saison immer wieder gegeben hatte.

Die Frankfurter hatten dem plötzlichen Ansturm zu wenig entgegenzusetzen, sie fielen obendrein zunehmend auf Bietigheimer Provokationen herein und kassierten Strafminuten, und sie mussten gegen Ende wie schon viele vorher noch einen weiteren Ausfall verkraften: Christian Kretschmann schied mit einer Sprunggelenksverletzung aus, eine Strafe gab es für die Bietigheimer Zweikampfführung nicht, nicht zum ersten Mal hatten die Löwen in dieser Serie auch die Schiedsrichter nicht auf ihrer Seite. Stattdessen vollendete zwei Minuten vor Schluss Max Renner einen Steelers-Konter zum entscheidenden 3:2, Alexander Preibisch traf acht Sekunden vor Schluss ins leere Tor, das war es.

"Wir haben uns nach Spiel zwei grandios in die Serie zurückgekämpft. Das letzte Drittel war dann extrem bitter", sagte Fritzmeier. Dass auch in den Tagen der Entscheidung ein halbes Dutzend um Kapitän Adam Mitchell fehlte, passte zum Verletzungspech der ganzen DEL-2-Runde, dass gleich am ersten Tag der Play-offs mit dem endlich fitten und als Schlüsselspieler vorgesehen Verteidiger Kyle Wood, Mike Fischer und Mike Mieszkowski drei weitere Vermisste hinzukamen, ebenso. "Wir sind natürlich mit manchen Dingen nicht zufrieden, aber es war auch schwierig", urteilte Fritzmeier über die Saison gesehen. "Wir konnten nie komplett spielen."

Zwei Jahre arbeiteten die Löwen recht erfolgreich am in dieser Saison wieder möglichen Aufstieg in die erste Klasse, ausgerechnet im dritten und maßgeblichen Jahr indes kam viel zusammen. Dass es etwa mit dem neuen Headcoach Olli Salo nicht passen wollte, für den Fritzmeier vor Weihnachten den Banden-Job mit übernahm. Oder die Zwangspause aufgrund kollektiver Corona-Quarantänen kurz danach, und eine Terminhatz durch den großen Nachholbedarf im Anschluss, bei der naturgemäß Punkte liegen blieben. Und trotzdem war bis zuletzt alles möglich, insgesamt stimmte die Bilanz unter Fritzmeier, der Kurs auf ein machbares Halbfinale gegen Freiburg, trotz aller Hindernisse.

Zur Gesamtbetrachtung gehört, dass in einem langen Corona-Sommer vorher sich die Prioritäten schon verschoben hatten, das wirtschaftliche Überleben des Clubs erstmal wichtiger wurde als sportliche Ziele. Ein Ausdruck davon war, dass Frankfurt in die Vorbereitungen mit dem ganzen Kader erst einstieg, als Bietigheim und die Kassel Huskies schon erste Testspiele hinter sich hatten. Andernorts ging man ungeachtet finanzieller Corona-Risiken mehr in die Vollen, auch in Bietigheim, trotz anfangs verweigerter Lizenz.

"Wir müssen jetzt in Ruhe die Saison analysieren und für die Zukunft planen, so weit das möglich ist", erklärte Fritzmeier. "Die Frage für den Verein ist ja immer noch: Wie geht es mit Corona weiter? Das Wichtigste ist, dass Eishockey hier insgesamt eine Zukunft hat." An diesem Montag ist noch ein Meeting mit der Mannschaft angesetzt, viel mehr nicht, ein geselliger Abschluss ist in Corona-Zeiten schließlich so eine Sache. Bald geht es für die Spieler in die Heimat. Den Sonntag hatten sie frei, zur Frustverarbeitung, auch Franz-David Fritzmeier ließ erst einmal alles sacken. "Es war schon ein brutal langes Jahr." Mit bitterer Schlusspointe.

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